Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1892)
- Date
- 1892-05-26
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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794 der hiesigen Synagoge von Herrn Rhein eingerichteten Privatsynagoge eine öffentliche Prüfung der obersten Abtheilung seiner Religionsschule vor. Dieselbe erstreckte sich auf den Vortrag von -ynrp *iny ynbw nebst ausführlichen Erklärungen der behandelten D m, ferner auf die Erläuterung verschiedener ziemlich schwieriger 'wi-Stellen rwinn by und schließlich auf den Vortrag von KntM nebst »an und niBDin in althergebrachter echt jüdischer Weise. War ich schon durch den correcten klaren Vortrag der Schüler angenehm überrascht, so frappirten mich vollends die präzisen ausführlichen Antworten derselben auf die zwischendurch an sie gestellten Kreuz- und Querfragen, die von einer völligen Beherrschung der verschiedenen Gegenstände und von dem hingebenden Eifer von Lehrern und Schülern das schönste Zeugniß ablegten. Wer, wie ich, Basel von frühern Jahren her kennt, muß sich einer solchen hier eingetretenen Wandlung zum Bessern von Herzen freuen, die wieder einmal davon zeugt, wie ein orthodoxer Rabbiner durch Fleiß und Ausdauer selbst dem für das Thorastudium unfruchtbarsten Boden köstliche Früchte abzurtngen vermag. Möge es dem Herrn Rabbiner Dr. Cohn *"j auch ferner vergönnt sein, solch schöne Früchte nstmpn urmn zu zeitigen, die ihm sicherlich ein herrlicher Lohn sind für seine hingebende Thätigkeit flW3» 'H 0132. England. London, im Mai. Der durch seinen großartigen Wohlthätigkeitssinn bekannte Baron Hirsch hat seine letztjährigen Turfgewinne im Betrage von L. 7000 an Spitäler und andere Wohlthätigkeitsanstalten überwiesen, ein Beispiel, welches andere Sportsmänner hoffentlich nachahmen werden. > Vermischtes. < 2lus Westfalen. In Schötmar (Lippe-Detmold) wurde NDL nyicn Pim cm ein schönes und seltenes Fest gefeiert. Am genannten Tage beging nämlich Herr M. Rosen wald, Bruder des den altern Lesern dieser Blätter wohl bekannten emer. Lehrers M. Rosenwald, jetzt in Iserlohn, im Kreise von Kindern und Enkeln, seinen achzigsten Geburtstag. .Herr R., das älteste Mitglied der Gemeinde S. — gehört noch zu denjenigen Jehudim, wie sie leider, besonders in kleineren Gemeinden, in der Jetztzeit, wo Materialismus und Indifferentismus immer größere Dimensionen annehmen, immer seltener werden. Bon gottesfürchtigen, streng religiösen Eltern geboren, wurde er von diesen schon in frühester Jugend durch tüchtige Lehrer in die Hallen des jüdischen Schriftthums eingeführt und zu einem streng jüdischen Lebenswandel angehaltcn. Daher kommt es denn, daß seine Liebe zur rmn eine so große wurde, daß er noch in fortgerückteren Jahren, so oft Lehrer in S. fungirten, bei denen er seine Kenntnisse 'npn umwa erweitern konnte, bei diesen jeden Abend nach getragener Tageslaft, einen yDp njm lernte. Bis zu seinem 40. Lebensjahre hatte er r\m? D’tcnsc cy rwD ’ViD wohl zwanzigmal durchgelcrnt. Daher kann cs nicht fehlen, daß Herr M., der jetzt noch in seinem Manufacturgeschäft thätig und in Anbetracht seines Alters noch Ziemlich rüstig ist, sich ein umfassendes Wissen in dem weit verzweigten biblischen und talmudischen Schriftthum zu eigen gemacht hat, und auch jetzt noch jede freie Zeit zum Studium der Thora, zur Ausübung von Aboda und Gemilus Ehasadim, diesen drei Grundideen unserer heil. Religion, benutzt. Dabei erfreut sich Herr M. der größten Liebe und Hochschätzung bei Glaubens- und Nichtglaubeusgenossen, und ihm allein ist es zu verdanken, daß in S. die religiösen Institutionen noch in echt jüdischem Geiste geführt werden. Trotz des hohen Alters läßt der fromme Mann es sich nicht nehmen, allsabbatlich in der Synagoge soip ryu zu sein und an den hohen Feiertagen vorzubeten. Wir wünschen dein braven Jehudi und edlen Menschenfreund, daß er das Alter seines Vaters der vor c. 16 Jahren im Alter von beinahe 100 Jahren verschied, noch überschreiten möge zum Segen der Gemeinde und zur Freude seiner Familie.;dn. Neapel. Die hiesige israelitische Eultusgegemeinde hat an Baron Albert Rothschild in Wien anläßlich des Ablebens seiner unvergeßlichen Gattin folgende Beileidsadresse in italienischer Sprache gerichtet: „An den erlauchten Herrn, Baron von Albert Rothschild, in Wien. Die israelitische Körperschaft Neapels, die an die höchst wohlthätige und erlauchte Familie Rothschild durch alte Bande unvergänglicher Erkenntlichkeit, für die ihr erwiesenen unzähligen edelmüthigen Wohlthaten, geknüpft ist, wurde tief erschüttert, als sie die Kunde von dem Sie, erlauchter Herr Baron, ereilten schrecklichen (tremenda) Unglücke, indem Sie Ihre unvergleichliche fromme Gattin, verloren haben, vernahm. Dieser Verwaltungsrath ist sicher, daß er die Gefühle der gesammten jüdischen Bevölkerung Neapels verdolmetscht, indem er Ihnen, erlauchter Herr, seine tiefe, aufrichtige und achtungsvolle Theilnahme ausdrückt. Um Ihnen aber die Aufrichtigkeit dieser Gefühle noch mehr zu bestätigen, hat derselbe Rath beschlossen, nächstens schon im heiligen Tempel eine feierliche Trauerandacht als Huldigung für die Seele der vortrefflichen und beweinten Heimgegangenen abhalteu zu lassen. Beschlossen in der Gemcinderathssitzung vom 6. April 1892. Der Verwaltungsrath der Gemeinde: Cav. Pacifico Ascarelli, Präses; Wilhelm Goudstikker, Vicepräses; Cav. Lattas, Philipp Rösel, E. Randeggcr, C. Carpi, M. A. di Castro und G. Cammeo, der Rabbiner der jüdischen Gemeinde.