Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1892)
- Date
- 1892-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 4*. XXXIII. Jahrgang. Der Israelit! Ein Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von vr. Lehman» in Mainz. Donnerstag, den 26. Mai 5652 (1892). Leitender Artikel. Die Erstarkung der Wische« OrtWarie in Peutfchtand. (Schluß.) Berlin, 24. Mai. Dem Berliner Rabbinerseminar reihen sich die Seminare zur Ausbildung von jüdischen Lehrern an, wie sie in Würz bürg und Köln seit Jahrzehnten bestehen, sowie eine Anzahl von Präparandenschulen und Lehrinstituten ähnlicher Art. Während derartige Anstalten in außerjüdischen Kreisen ohne Initiative und vollständige Unterhaltung seitens des Staates oder "der ^Commune nicht denkbar sind, werden sie hier sämmtlich auf die Anregung meist einer einzigen maßgebenden Persönlichkeit ins Leben gerufen und von der Begeisterung und der thatkräftigen Theilnahme Hunderter und Tausender Gleichgesinnter durch fortlaufende Beiträge erhalten. Wenn man die alljährlich ausgegebenen Rechenschaftsberichte dieser Anstalten mustert, so fallen einem dabei eine Reihe von Eigenthümlichkeiten aus, von welchen hier einige aufgeführt werden mögen, weil sie die Erstarkung des gesetzestreuen Prinzips in nicht zu verkennender Weise darthun. Unter diesen Spendern sind es nicht gerade die Namen der durch großen Reichthum Hervorragenden, welchen wir hier begegnen. Diese finden sich nur ganz vereinzelt, selbst wenn sie auch sonst durch Munificenz sich auszeichnen. Für diese höheren und höchsten Ziele des Judenthums haben gerade unsere Reichen wenig Herz und Geld. Dieselbe Erscheinung macht sich auch bei Sammlungen geltend, welche in den Zeitungen des gesetzestreuen Judenthums eine stehende Rubrik bilden. Für das materielle Elend und seine Milderung sehen wir da auch unsere Reichen eintreten und zwar mit ansehnlichen Summen, die aber trotzdem nicht im richtigen Berhältniß zur Leistungsfähigkeit der Spender stehen. Aber für die Förderung und Hebung des Thorastudiums, überhaupt für mehrideale Zwecke, da ist es zum größten Theil der Mittelstand, der fast ausschließlich die erforderlichen Opfer bringt. Wenn es sich z. B. um die Unterstützung unserer unglücklichen russischen Brüder und Schwestern handelt, so bedarf es nur der Anregung, um der thätigen Theilnahme aller Kreise sicher zu sein. Wenn es sich aber um das heilige Land und seine armen Bewohner handelt, oder wenn man die Fürsorge für die armen Ausgewtesenen mit der Fürsorge für das heilige Land verbinden will, so steht man sofort, wie die Theilnahme unserer finanziell glänzend Situirlen sich zurückzieht. Einzelne rühmliche Ausnahmen bestätigen die Regel. So sehr nun für die Blüthe und materielle Sicherstellung aller dieser Bestrebungen die rege Betheiligung gerade unserer Reichen in hohem Grade wünschenswerth wäre, so bekundet doch andererseits die Gründung und Erhaltung aller dieser Institutionen, wie sie sich nun thatsächlich vollzieht, den gesunden Kern, den gerade unser Mittelstand in sich birgt. Ja, es verdient hervorgehoben zu werden, daß diese im Dienste des orthodoxen Judenthums stehenden und streng in seinem Sinne geleiteten Anstalten durchaus nicht ausschließlich von Bekenner» des orthodoxen Judenthums thatkräftig unterstützt werden. Wir begegnen unter den Spendern einem hervorragenden Procentsatz von Männern, die für sich im praktischen Leben durchaus keinen Anspruch darauf erheben, zur Orthodoxie gezählt zu werden. Aber das Prinzip des orthodoxen Judenthums äußert sich in den in Rede stehenden Institutionen in so Achtung gebietender Weise, daß es auch solchen thatkräftige Anerkennung abringt, die sich für eigenes Thun und Lassen nicht dazu bekennen. Freilich braucht man nur irgend einer dieser Anstalten näher zu treten und auf den Geist und die Gesinnung zu lauschen, in welchen diese Bestrebungen wurzeln und gipfeln, um sich sofort zu überzeugen: Das, was da angestrebt wird, trägt in