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Der Israelit · 1892-05-19 · Heft 40 (19.5.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 40 (19.5.1892)
Date
1892-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Jfo 40. Der Israelit Ein Hentrat-Hrgan für das orthodoxe Sudenlyum. Begründet von Dr. Lehmann tu Mainz. Donnerstag, den 19. M a i 5652 (1892). Leitender Artikel. Die Ktelluns der Orltzoimie md Kestm zum obligatorischen Religions-Unterricht an den höheren Lehranstalten. (Schluß.) Berlin, 17. Mai. Krampfhaft hat sich die Hochburg des deutschen Reformjudenthums, die Berliner jüdische Gemeindeverwaltung gegen das Zustandekommen des Austrtttsgesetzes vom Jahre 1876 gesträubt. Sie ist vor keinem Gewissenszwang zurückgeschreckt, wie Hirsch in seiner Schrift mit Anspielung auf die hiesigen Gemeindeverhältnisse Herrn Makower ins Gedächlniß zurückruft: (S. 19.) „Vielleicht erinnert sich noch Herr Makower eines Vorstandes, der nach dem Grundsätze: „Die Gemeinde bin Ich" das Begräbnißrituale seiner Gemeinde willkürlich mit der Bestimmung reformirte, daß nur der nach dem alten Ritus sollte bestattet Werden dürfen, der dies Verlangen letztwillig erklärt hätte, wonach denn noch heute dem alten Ritus anhängende Eltern gezwungen werden, ihre unmündig verstorbenen Kinder, die selbstverständlich noch nicht teftiren können, nach dem neuen ihrem Gewissen widerstrebenden Ritus bestatten zu lassen. Wir wissen nicht, ob Herr Makower diese und ähnliche nur unterm Zwangssystem möglichen Ausschreitungen zn den Zügen eines durch dieses System erzeugten wahren Gemeindelebens zählen wird. Würde aber Herr Makower sich noch weiter in der Geschichte des jüdischen Gemeindelebens während der Decennien seines vielgepriesenen Zwangsystems umgeschaut haben, er hätte Ausschreitungen gesehen, gegen welchen dieser reformistische Begräbnißritual- Zwang ein wahres Kinderspiel bleibt, er hätte Vorstände gesehen, die von vornhinein den bestehenden religiösen Hetligthümern der ihrer Pflege anvertrauten Gemeinde den offenen Vernichtungskampf verkündet; die mit absichtlichem Vandalismus die bestehenden Institutionen verkommen ließen; deren Aufbesserung und Ausbesserung hintertrieben, damit das bestehende Alte keine Stätte des Gedeihens finde"-u. s. w. Und heute? Heute schreibt der erste Vorsitzende der hiesigen Gemeinde Herr Justizrath Siegmund Mayer, daß der Antrag bezüglich des obligatorischen Religionsunterrichts zu keiner ungeeigneteren Zeit hätte gestellt werden können. „Im Augenblick, wo das viel angefeindete Schulgesetz zwangsweise Judenschulen einführen wollte, wo zu befürchten stand, daß dieses Prinzip auch auf die höheren Schulen Anwendung finden sollte, beschäftigt man sich mit einem Anträge, der einen geeigneten Vorwand bietet, die Juden zu isoliren. Man bedenkt nicht, wie die Verwirklichung des für uns geltenden Grundsatzes, daß jeder Vater selbst für die religiöse Erziehung zu sorgen habe, und daß es der Gemeinde obliege, Anstalten für den Religionsunterricht zu unterhalten, von vielen Andersgläubigen angestrebt wird." — Und die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" bestätigt das alles als klare und streng sachliche Auseinandersetzungen! Das Wunder, wie diese von der Orthodoxie bis jetzt verfochtenen Anschauungen hier von den Vertretern der äußersten Reform adoptirt werden, steigert sich noch durch den Umstand, daß eine von der Reform bisher vertretene Anschauung nunmehr von Vertretern des gesetzestreuen Judenthums aufgegriffen und verthetdigt wurde! HerrDr. Hirsch Hildesheimer, nachdem er das Bedenkliche alles polizeilichen Zwanges und die Nothwendigkeit der Rücksichtnahme auf die Verschiedenheit der religiösen Richtungen betont, hält dieselbe nicht für so groß wie sie zwischen Katholiken und Protestanten besteht. So viel uns auch trennen möge, es gebe eine reiche Fülle, eine Welt voll Gemeinsamem, das uns eint. Dem Beifall, mit dem diese Worte ausgenommen wurden, möchten wir uns gern anschließen, wenn wir nur von der Wahrheit derselben uns überzeugen könnten. Daß der Jude und Reformjude

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