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Der Israelit · 1892-05-09 · Heft 37 (9.5.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 37 (9.5.1892)
Date
1892-05-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXin. Jahrgang. J[g 37. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe AudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann hi Mainz. Montag, den 9. Mai 5652 (1892). Leitender Artikel. Alljüdische Ethik und Pädagogik. Eine Betrachtung über die Symbolik des Omer-Opfers. Von Rabb. Alexander Fischer, Karlsburg (Siebenbürgen). (Schluß.) Wir haben in dem vorigen Kapitel den Lehr- und Erziehungsplan für die Geistes- und Herzensbildung des jüdischen Kindes zu schildern versucht, wie ihn unsere alten Lehrmeister, die 'v2ii, in der ihnen eigenthümlichen allegorischen Weise gezeichnet haben. Wenn wir uns fragen, ob dieser Lehrplan etwa exclusiv ist, ob nach demselben nur die geheiligte Frucht des alten jüdischen Schriftthums dem Wissensdrange des Kindes dargereicht werden dürfte und nichts weiter, ob es etwa nicht gestattet war, daß sein Geist auch von den fremden Früchten koste, welche die neuere Forschung weltlicher Denker am Erkenntnißbaume der allgemeinen Bildung gezeitigt hat, so müssen wir diese Frage auf das Entschiedenste verneinen. Solche Bildungsfeindlichkeit, solche Abneigung gegen jede Erkenntniß, jede Wissenschaft, die in fremdem Boden ihre Quelle hat, kann nicht dem Geiste derselben Weisen entsprechen, welche lehren: d-in bvv ddh inrN, wer ist weise? der Lehre annimmt von Jedermann. Und wiederum ist es das Omer, bei welchem auch diese Wahrheit vorgebildet ist durch die Lehrsätze der Mischna „BHnn ->m.n iDiyn I-ipwv" und „nnDD Tno V» "iciyn" *), sowie man das Omer dargebracht hatte, war es gestattet, auch jede weltliche, neue Frucht zu genießen. Gewiß, es kann uns nur angenehm sein, es kann uns nur zur Ehre und zum Nutzen sein, wenn unsere Jugend aus der Höhe der Zeit stehend, in allen Kenntnissen und Fähigkeiten weltlicher Bildung, sich den tüchtigsten, erleuchtetsten Söhnen aller Völker ebenbürtig zeigt, von diesen neuen Früchten am Erkenntnißbaume weltlicher, moderner Bildung darf sie aber nicht eher genießen, als bis sie dte Huldigungsgabe echt jüdischen Denkens und Empfindens, das sie durch tieferes Eindringen in den Geist der Thora sich angeeignet, niedergelegt hat auf dem Altar des Heiligthums. Denn: '*7 n«Y noun nwi, der Anfang aller Weisheit ist Gottesfurcht.— Gottesfurcht soll aber nicht nur Anfang, sie soll auch das Ende aller Weisheit sein. Alle Kenntnisse, die wir an fremden Quellen schöpfen, sie sollen nur zur höheren Verherrlichung unseres Glaubens dienen. Sie können nur einen Schlüssel zum besseren Verständniß und zur klaren Ausdeutung des Gotteswortes abgeben, sie sollen darum unsere Gottesfurcht nicht erschüttern, sondern womöglich noch mehr kräftigen und befestigen. Wie lautet das bedeutsame Schlußwort jenes philosophischen Werkes, welches den Weisesten aller Weisen, den gekrönten Prediger, zum Autor hat? „ns yavi bon ->21 -pO Disn bD m '2 TDP vmao nwi ny crp^n! Zum Schluffe aber will ich nur ein Wort dir nennen, welches der Inbegriff aller Weisheit ist, es lautet: fürchte Gott und beachte seine Gebote, denn das ist des Menschen Alles!" — Darum führen denn auch die nach der Darbringung des Omer zu zählenden Tage, an denen uns der Genuß jeder neuen, weltlichen Frucht gestattet ist, zum Tage der Gesetzgebung hin, hinsichtlich dessen die Thora sagt: 'ib ntfnn nmo araym, und nun bringt eine neue Huldigungsgabe dar dem Ewigen! Alle Kenntnisse, die wir erwerben, gleichviel an welcher Quelle immer sie geschöpft sein mögen, sie sollen unseren Geist um so mehr erleuchten, um so mehr befähigen, einzudringen in die Gedankentiefe des Gotteswortes, sich zu versenken in die Tiefe der Erkenntniß, um aus dem Meeresgründe der göttlichen Weisheit immer neue Perlen der Wahrheit und Klarheit, immer neue Heilsgedanken, immer neue Forschungsresultate, immer frische min >»nn hervorzuholen, die wir dann am Tage der Gesetzgebung als eine nann nnjD, als eine neue Huldigungsgabe darzubringen vermöchten dem Ewigen. Denn dies 1) Menach. 68 a und b.

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