Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 33 (25.4.1892)
- Date
- 1892-04-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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618 den Rabbinatscandidaten Herrn Duckes aus Wien. Derselbe, ein Zögling der Preßburger Jeschirvoh, hat es verstanden, seiner großer Aufgabe in unserer Kehilloh nmn zu sein, nach jeder Richtung hin gerecht zu werden. Sehr anerkenneswerth ist das eifrige Bestreben unseres jüngsten Klausrabbiners, besonders die israel. Jugend zur Thoraquelle heranzuziehen. Zu diesem Zwecke fanden im Laufe des gegenwärtigen Winters jeden Freitagabend lehrreiche Erläuterungen über pD2 statt, die sich einer zahlreichen Zuhörerschaft erfreuten und die unter der Leitung des Herrn Duckes von den Schülern selbst in erfolgreicher Weise vorgetragen wurden. Außerdem rief Herr Duckes vor kurzer Zeit einen Gemoroverein in's Leben, woselbst junge Leute allwöchentlich zu eineni "ny’ff sich versammeln und abwechselnd jedes Mitglied einen Abschnitt vorlernt, dem sich dann noch eine kleine exegetische Uebung über das Buch Hiob anschließt. Fassen wir ins Auge, daß Herr Duckes seine Zeit auch noch älteren und verheiratheten Leuten zum Zwecke des Thorastudiums widmet, so dürfen wir wohl mit Recht behaupten, daß unsere „Klaus" mit der Erwählung des Hrn. Duckes eine recht glückliche Acquisition gemacht hat. Nicht unerwähnt möge bleiben, daß uns Herr Duckes gelegentlich schon einmal mit einer begeisternden Ansprache beehrte, die tiefen Eindruck auf die Zuhörer machte und zweifellos von großem Talente zeigte. Wir wünschen aufrichtig, (vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei), daß Herr Duckes in letzterer Beziehung häufiger hervortreten und namentlich bei besonderen passenden Gelegenheiten seiner feurigen Beredsamkeit Ausdruck verleihen möge. oh. Aus Ungar», im Apiil. Ein Glaubensgenosse, der im ungarischen Freiheitskampfe eine hervorragende Rolle spielte, Herr Marion Diosy, der gewesene Sekretär Ludwig Kossuts ist — wie „E—g" meldet — dieser Tage in London aus den Reihen der Lebenden geschieden. Derselbe war in seiner Jugend Talmudschüler zu Gro ß wa rd ein und erwarb sich nebstdem auch allgemeine Bildung, wodurch er befähigt ward, im Freiheitskampfe der ungarischen Nation große Dienste zu leisten. Nach dem ungünstigen Ausgange des Aufstandes mußte er jedoch nach England flüchten, wo er als Kaufmann ein bescheidenes Leben führte. Erwähnt sei noch, daß dessen beiden Brüder orthodoxe Rabbincn sind. — L. G—g. Mattersdorf, 30. März. Gestern fand in der unter der Leitung des Herrn Bezirksrabbiner S. B. Ehrenseld >".3 stehenden Schule nCN min HlD’ fron die Prüfung statt, die überaus glänzend ausgefallen ist. Im verflossenen Wintersemester wurde in der unteren Abthcitung dnrchgenommen: 13 Blatt von Anfang Ny’Sß N33 mit mCDin, 8 Blatt bom 2’ p“lD von DTID5 rDDD, die leweiligc m“ID mit »&y"i und 40 Jtapitel von Die obere Klasse lernte: 12 Blatt vom p"® ,-lM mit Q’JIÜ'N") und D’:nriN; 19 Blatt vom rottf rODD; t£/Din mit '’Kn und “pn. Der Kaiser von Rußland hat Herrn Israel R atner in Mohilew in Anerkennung seiner hervorragenden Wohlthäligkeit den Annenorden 3. Klasse verliehen. Der Schüler Jecheskel Zwir vom Breslauer Rabbinerseminar erhielt von der Universität Breslau den großen Preis für seine Arbeit über slavische Sprachen, und die unentgeltliche Doktorpromotion. Zwir ist ein armer junger Mann aus Czenstochau, russisch Polen. Der Rektor verkündete seine Ehrung öffentlich vor der Festversammlung. Feuilleton. Z>er Hünjlking des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Bon Jon. Lehmann, Or. phil. (35. Fortsetzung.) Der Bote erzählte, daß er mit dem Pflegevater Rosa's in Slobotka zusammengekommen sei und daß Alexei wohlbehalten und ohne jeden Schaden den Plünderern entkommen wäre. Sogar sein baares Geld habe er gerettet. Er ließ ihr nun sagen, sie möge sich ganz ruhig in ihrem Zufluchtsorte verhalten, bis er selbst käme, um sie abzuholen. Einstweilen aber möge sie den Knecht Boleslaw bei sich behalten, denn er habe eine treue Seele, auf die man sich unbedingt verlassen könne. Der alte Mann legte die Hand auf's Herz und blickte treuherzig zu Rosa empor. „Und warum wollt Ihr nicht zu Eurem früheren Herrn zurückkehren?" fragte das junge Mädchen. Dem alten Manne traten die Thränen in die Augen, als er antwortete: „Ach, wie gern möchte ich das, Herrin, aber die elenden Bauern, Gott verdamme sie, haben das Haus meines Herrn verbrannt, und ihn aller seiner Habe beraubt. Jedenfalls muß ich mich noch einmal zu ihm begeben, und mich nach seinem Wohlergehen erkundigen, aber ernähren kann er mich leider nicht mehr, und ich wäre glücklich, wenn ich durch Eure Fürsprache in diesem Hause ein Unterkommen fände." Rosa versprach sich für den Alten bei dem Herrn des Schlosses zu verwenden, und sie hoffte mit Bestimmtheit, daß sie ihm, wenn er in einigen Tagen wiederkäme, gute Nachrichten geben könne. Freudig zuckte es auf in dem Gesichte des Alten, als er diese Worte Rosa's hörte. „Wißt Ihr nicht, ob mein Vater schon in Petersburg ist?" fragte nun Rosa noch. „Er sagte mir nur, daß er nach Petersburg gehen wolle, um gegen seinen Feind, den Günstling des Czaren, Klage zu führen, weiter weiß ich nichts; der Himmelsherr wird ihn sicherlich strafen, diesen schändlichen Menschen, der sich einbildet, weiß Gott was, zu sein, weil der Czar zufällig ein freundliches Auge auf ihn geworfen. Nicht wahr, Ihr glaubt auch, daß er an allem dem Bösen schuld ist, das Euch und uns betroffen? Ihr haßt ihn wohl sehr, den Günstling?" frug der alte Mann mit lauerndem Blicke.