Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 31-32 (21.4.1892)
- Date
- 1892-04-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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599 das Ausreichen der Mittel, welche erforderlich find, um das Ziel zu erreichen. In unmittelbarer praktischer Wendung lautet die Maxime: Keine das öffentliche Recht berührende Agitation kann als konservativ, ja nicht einmal als legitim gelten, welche ihre letzte Absicht nicht in die Form eines Gesetzentwurfs zu bringen vermag. Mögen doch die Antisemiten, welche die revolutionäre und demagogische Eigenschaft ihrer Agitation ableugnen wollen, sich beeilen, und einmal kurz und bündig den Antrag stellen: „Jeder Jude wird durch die Polizeibehörde seines Wohnsitzes aufgegriffen und spätestens binnen vierzehn Tagen über die Grenze gebracht." Wenn den Agitatoren bis jetzt wirklich nicht klar geworden sein sollte, daß in einem Staatswesen von der Kulturhöhe unseres deutschen Vaterlandes der einzig greifbare Kernsatz ihrer aufreizenden Reden von allen Seiten jetzt und immerdar zurückgewiesen werden muß, so könnte ihnen die Antwort, die sie sich auf einen derartigen Antrag holen würden, jedenfalls keinen Zweifel darüber lassen. Auf verfassungsmäßigem Wege ist das Ziel des Antisemitismus, wie er sich heute gestaltet hat, nicht zu erreichen. Die Verwirklichung desselben würde einen Umsturz bedingen, womöglich noch tiefgreifender als derjenige, welchen der Sozialismus plant." — München. Der Synagoge der orthodoxen Mitglieder hiesiger Gemeinde, in der Kanalstraße gelegen, die vor Kurzem eingeweiht wurde, ist am zweiten Tage des verflossenen Festes eine hohe Auszeichnung zu Theil geworden. Se. Excellenz der Cultusminister Dr. von Miller beehrte dieselbe mit seinem Besuche in Begleitung eines Referenten seines Ressort und widmete ihr in fast einstündiger Anwesenheit die eingehendste Betrachtung. Herr Dr. Deutsch, Mitglied des Vorstandes, machte den Führer, und gab die gewünschten Erläuterungen, die mit sichtlichem Interesse entgegengenommen wurden. Wie wir hören, hat sich Se. Excellenz über Anlage und Ausstattung des Baues äußerst anerkennend ausgesprochen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Boskowitz (Mähren.) Der verflossene 7. März war ein Tag der Freude für unsere altehrwürdige Gemeinde, denn an demselben hielt unser neugewählter Rabbiner, Herr Dr. I. Hirsch, Sohn des Hamburger Oberrabbiners "\i, seinen Einzug in die Stadt seines nunmehrigen Wirkungskreises. Der Einzug gestaltete sich sehr feierlich und legte Zeugniß ab von den Hoffnungen, die man allseitig auf das Wirken des neuen Rabbiners setzt. An der Bahnstation in Skalitz von einer Abordnung der Gemeinde, an deren Spitze unser Vorsteher und der Vorsteher der Nachbargemetnde Zwittau sich befand, begrüßt, fuhr derselbe mit einem Geleite von 10 Wagen nach dem eine halbe Stunde entfernten Boskowitz, hier wurde er am Thor der Judengasse von der twmp «nan empfangen. Von da aus bis zur Wohnung des Rabbiners wurde der Weg zu Fuß zurückgelegt. Zu beiden Seiten der Gasse, die festlich illumknirt war, bildete die Schuljugend und die jüdische Feuerwehr mit Fackeln in der Hand Spalier. Nachdem der Zug in der Wohnung angelangt war, wurden an den Rabbiner mehrere Ansprachen gehalten, auf die er in geistvoller Weise erwiederte, in dem er anknüpfend an das Midraschwort zu tu m irri "inn die Segnungen des Friedens und seine Bedeutung für die gedeihliche Entwickelung des Gemeindelebens und für die Pflege der Thorakenntniß pries. Bei dem nun folgenden Festesfen zu Ehren des Rabbiners herrschte die animirteste Stimmung. Am ^run na«? hielt der Neuerwählte seine Antrittspredigt, bei der er seine Zuhörer in dreiviertelstündiger Rede zu fesseln und zu begeistern wußte. Sein geistvoller Vortrag wurde unterstützt durch ein schönes, klangvolles, sympathisches Organ und durch eine gewählte, schwungvolle Sprache. Nachmittags war kurzer Vortrag über ein talmudisches Thema, der den Kennern den Beweis erbrachte, daß unser Rabbiner auch auf diesem Gebiete seinen Mann steht, trotz seiner Jugend. Unsere Gemeinde, in der ’Ji«: gewirkt haben, Männer, die dem Judenthum zur Zierde gereichten, darf sich augenscheinlich Glück wünschen zu der guten Aquisttion, die sie gemacht. Es besteht die gegründete Hoffnung, daß unser neuer Rabbiner, der seine Aufgabe mit lobenswerthem Eifer und mit heiligem Ernst erfaßt, auch die Kraft und Fähigkeit besitzt, die Pflichten seines Amtes zum Heile der Gemeinde auszuführen. Mit Bezug darauf rufen wir ihm ein paw p:n zu. > Vermischtes. Aus Unterfrankerr Am 24. Adar ist Frau Fanni Kissinger in Rödelsee, eine echt jüdische Frau, gestorben. Mit vielen herrlichen Tugenden ausgestattet, zierte sie ihr royos, eine Eigenschaft, die leider gegenwärtig bei vielen Frauen vermißt wird, am meisten. Freitag, den 26. Adar, wurde die Entschlafene bei großer Betheiligung von Verwandten und Bekannten beerdigt. Herr Distriktsrabbiner Adler von Kitzingen hob in herrlicher R.ede rühmend hervor, wie die Heimgegangene als ntw in jeder Beziehung lebte und strebte, wie sehr deren Verlust zu beklagen ist, in einer Zeit, in der es an nropn» leider gebricht. Sodann gab ein Sohn der Verewigten, Herr Lehrer S. Kissinger ans Urspringen, den Gefühlen des Schmerzes innigen Ausdruck. Sie war es, die ihren frommen, für Erhaltung unserer hl. Thora und deren Studium stets so begeisterten und thätigen Mann ermunterte und ihm hilfreich zur Seite stand. Trefflich hatte sie es verstanden, ihre sämmtlichen Kinder durch eine musterhafte Erziehung zu wahren und frommen Jehudim und Jün-