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Der Israelit · 1892-04-11 · Heft 29-30 (11.4.1892) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 29-30 (11.4.1892)
Date
1892-04-11
Page
– (sequence 22)
Language
German
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verstand und vor Freude laut aufjauclj.ue. Da cniiljltc er von den vier Arten von mindern, die es ^tcbt; er erzählte, wie sie sich in ihrem Wesen nnterscheiden nnd wußte den kleinen Mann so zu intcressiren, daß er über den Ginfältigcn herzlich lachte nnd dem Böscwichtc eine Faust machte. Die Wunder nnd Zeichen, die sich beim Auszüge ans Ggppten ereigneten, die Strafen, welche den verstockten Pharao nnd sein Volk trafen, alles, alles wollte der Sinabc wissen, nnd die Gütern konnten kaum fertig werden zn erzählen. Von dem in Salzwasser getauchten Girant aß er ebenso wie von dem mit Ollino8e> bedeckten Bitterkrant, nnd andächtig sprach er die Segenssprüche nach, welche die Gütern ihm vorsagten. Nun wurde das frugale^Abendmahl ansgetragen: es bestand ans einer schlechten Klippe, ans einem Stückchen mageren Fleisch und Salzkartoffeln, aber es schmeckte den Dreien gut, als ob cs ans den thencrsten Delikatesten bestanden hätte. Auch das Stiuti aß noch eine .Kleinigkeit und nippte an dem saueren Weine, dann deckte Stella den Tisch ab nnd Daniel begann das Tischgebet zn sprechen. (5t sprach es mit großer Andacht; seine hübsche Stimme erfüllte den kleinen Raum und als Stellas Stimme nun auch dazu erklang, da klatschte der Sinabc in bk Hände nnd rief freudig aus: „Schön, Vater, wie schön, Mutter: darf ich das auch lernen?" lächelnd nickte der Vater Gewährung nnd glückselig streichelte die Mutter das Haupt ihres Lieblings. Das Tischgebet war beendet, und che der zweite Theil des Vortrags beginnen sollte, wollte Stella den Knaben zur Ruhe legen, aber er war damit nicht zufrieden und Daniel bat, ihn noch eine Weile am Seder thcilnehmen zu lassen. Beim Beginn des letzten Theiles des Vortrags wird die Thüre geöffnet nnd einige Verse ans der heiligen Schrift werden gefügt. Wir wollen dadurch, daß wir die Thüre öffnen, tnstere Furchtlosigkeit trotz der Verfolgnng seitens unserer Feinde beweisen und das Vertrauen, welches wir in den göttlichen Schutz setzen, bethatigen. Der Sedertisch war wieder geordnet und Daniel wollte beginnen. „Geh hin, mein Schatz", wandte er sich an den .Knaben, „nnd mache nun die Thüre auf." Gilig erfüllte der Knabe den Befehl des Vaters. Gr öffnete die -rhür nnd Daniel begann: „Schefauch chamosclio. —u Weiter kam er nicht. Die folgenden Worte blieben ihm in der Kehle stecken, denn als er nun zur Lbnre blickte, sah er den Geheimpolizisten im Nahmen der Thüre stehen und hinter ihm blickten Gewehrläuse und die Uniform von Geusdarmen. Geschreckt lies der.Knabe zn seiner Mutter, die mit einem leichten Schrei aufsprang und sich vor Daniel stellte, mit ihn vor der ihm drohenden Gefahr zu schützen. Daniel war, als er den Beamten erblickte, furchtbar erschrocken. Todesbleich erhob er sich von seinem Sitze, schob seine Frau und sein Kind rasch zur Seite, trat ans den Beamten zn und fragte: „Sie wünschen, mein Herr? Womit kann ich dienend" „Die Pflicht zwingt mich", antwortete der Beamte. „Sie noch so spät am Abend zn stören. Sie feiern heute Abend das Passahfest?" „Fa, mein Herr", erwiederte Daniel. „Und sind Sie mit der Feier zn Gnde?" „Nein, wir wollten gerade mit dem zweiten Theil beginnen, als Sie eintraten." „So darf ich mir wohl Ihren Tisch nnd Ihre Wohnung einmal ansehen?" „Gewiß; treten <^ie, bitte, näher." Während der Beamte näher trat, wollte Stella mit dem Knaben in die Schlafkammer gehen. Der Beamte hielt sie jedoch zurück und sagte: „Bleiben Sie, bitte im Zimmer, bis ich meine Pflicht erfüllt habe." Stella blieb. Bange blickte sie auf den Beamten, der sich jetzt dem Tische näherte. „Sie können mir meine Arbeit erleichtern", sagte der Beamte, „wenn Sie mir den Becher Blut zeigen, den Sie zur Passahfeier bedürfen." „Blut?" fragte Daniel erschrocken: „Blut? Wer hat sich mit Ihnen diesen schändlichen Witz erlaubt?" „Witz? Gs ist kein Witz, es ist blutiger Grifft. Zeigen Sic mir das Blut!" „Wie kann ich zeigen, was nicht vorhanden ist! Sehen Sie", und er wies ans den Tisch, „hier ist nur ein geringer Wein, den wir zur Passahseier bedürfen." Der Beamte blickte in die beiden Gläser, er versuchte deren Inhalt nnd schüttelte den Kopf. Dann zog er einen Zettel ans der Tasche, las denselben durch und fragte: „Und wo ist das Glas für den Propheten Gliah? Gr soll ja der Grausame, Blutdürstige sein, der seinen Durst mit diesem besonderen Safte löscht?" „Das Glas für den Propheten Gliah?" Verlegen sah Daniel sich um, während ihn der Beamte scharf sirirte; „das Glas für den Propheten Gliah ist nicht da, wir haben es nicht gefüllt." „Das ist doch sonderbar", cntgegnete der Beamte mißtrauisch, „und warum haben Sie gerade dieses Glas nicht gefüllt?" Gine Helle Nöthe flog bei diesen Worten über das Antlitz Daniels, er senkte den Blick beschämt zur Grde nnd sagte leise: „Weil ich keinen Wein dafür hatte nnd kein Geld, um mir solchen zu kaufen." „Wein, Wein, dieses Glas muß ja doch mit Blut gefüllt werden. Ich lasse Ihre Ausrede nicht "gelten, nnd wenn Sic mir nicht freiwillig dieses Glas ausliefern, muß ich es von meinen Leuten suchen lassen." „Durchsuchen Sie ineine ganze Wohnung; wenn Sie ein Glas mit Blut finden, will ich der sein, als den man mich verdächtigt." „So muß ich ineine Pflicht erfüllen." Gin Wink nnd die Geusdarmen besetzten das Wohnzimmer und hielten Wache, während der Beamte in Daniels Beisein jeden Winkel seiner Wohnung aufs Peinlichste untersuchte, ohne jedoch etwas zu finden. Sie kehrten ins Zimmer zurück, woselbst Stella ihre Rückkehr klopfenden Herzens erwartete.

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