Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 28 (7.4.1892)
- Date
- 1892-04-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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552 reges Interesse nehmen. Die Zahl der Pfleglinge hat sich im abgelaufenen Jahre ans 44 belaufen, für welche 7641 Mark verausgabt worden sind. Das Aktivvermögen des Vereins belief sich am 1. Januar 1891 auf 125,464 Mark 31 Pfg. Breslau, im März. Die königliche Regierung hat der unter Leitung des Rabbiners Dr. P. Neustadt sichenden, hebräischen Unterrichtsanstalt eine hohe Anerkennung ihres bisherigen Wirkens zutheil werden lassen. Während die Concession bis dahin nur auf bestimmte Fristen von der Gchuldeputation ertheilt ward, hat die königliche Regierung nunmehr aut Antrag der lemeren Behörde die Dauer-Beschränkung ausgehoben durch Eoncessionirung für die Dauer. Damit hat sie auch die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen über den Religionsunterricht für die königliche Negierung erlangt. In den Motiven ist hervorgehoben worden, daß die Anstalt in einem Zeitraum von beinahe 30 Jahren sich das Vertrauen eines großen Theils der Mitglieder der Gemeinde erworben durch Hebung der religiösen Bildung, Verbreitung hebräischen Wissens, Drganisirung von Unterrichtscursen in verschiedenen Stadttheilen, Einrichtung eines Jngendgottesdienstes und nicht znletzt durch Fürsorge für die unbemittelten Klassen in humanitärer und wissenschaftlicher .Hinsicht. Endlich ist die Anstalt auch dadurch, daß sie zugleich Gelegenheit bietet, sich über die Kenntniß der Bibel hinaus in den talmndischen Fächern auszubilden, zu einer Präparandie für das Rabbiner-Seminar geworden. An der Anstalt unterrichten zur Zeit 5 akademisch gebildete Lehrer. Der Magistrat hat ihr Schullokal unentgeltlich in der städtischen katholischen höheren Bürgerschule (Nikolaistadtgraben 20) eingeräumt. Der Unterricht der Mädchen ist von dem der Knaben völlig getrennt. Wien, 24. März. Die Nachricht von dem Tode der Baronin Bettina Rothschild, Gattin des Baron Albert Rothschild, welche im blühenden Franenalter einem tückischen Leiden erlag, hat nicht verfehlt, in weiten Kreisen lebhaftes Mitgefühl hervorzurusen. Das freisinnige Wesen der Verblichenen, die natürliche Bescheidenheit und Einfachheit ihres Auftretens erwarben ihr in der Gesellschaft überall die aufrichtigsten Sympathien. Sie hat für alle wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen stets das ernste Interesse bcthätigt und zahlreiche Unternehmungen aus geistigem Gebiete in munificenter Weise gefördert; ein seiner Geschmack bewahrte sie davor, ihren Namen bei so hilfreicher Wirksamkeit geräuschvoll in den Vordergrund zu drängen. Sie war am 15. Februar 1858 in Paris geboren und hatte von ihren Eltern Baron Alphonse und Baronin Leonore Rothschild eine sorgfältige Erziehung erhalten. In Paris machte sie auch den Stndiengang siir die Erreichung des Grades eines Licencm-es-lettres durch und legte endlich eine Prüfung als Lehrerin und Erzieherin ab. Am 22 März 1876 vermählte sic sich mit Baron Albert Rothschild. In Wien lebte sie nur ihren Pflichten als Gattin und Mutter, und wenn sie den häuslichen Kreis verließ und in die Oeffentlichkeit trat, so geschah es zumeist, um sich an wolthätigen Veranstaltungen zu betheiligen. Man erinnert sich in der Wiener Gesellschaft mit Vergnügen an die Mitwirkung der Baronin Bettina Rothschild bei den Bühnenspielen unserer Aristokratie. Auch als Lady Patroneß des Jndustriellenballcs und anderer Elitefeste waltete sie mit freundlichem Eifer ihres Amtes. Im Stillen entfaltete sie eine ausgedehnte humanitäre Wirksamkeit und leitete dabei mit Ernst und Sachkenntniß die Erziehung ihrer Kinder. Eine besondere Vorliebe hatte sie , siir mathematische und astronomische Studien, denen sie schon in Paris obgelegen war. Den Sommer verbrachte sie zumeist in Waidhofen und Gaming, den Gütern ihres Mannes, wo sie in der ganzen Gegend als Wohlthätcrin der Ariuen wirkte und Kinder-Asyle errichtete, wie sie auch die Stiftung eines Altersversorgungshauses plante, deren Details sie noch vor ihrem Tode lebhaft beschäftigten. Ein schweres Leiden zehrte an ihrer Gesundheit; sic gab sich über den Ernst desselben keiner Täuschung hin, ertrug aber heroisch alle Schmerzen, um ihre Angehörigen nicht zu betrüben. Wien, 25. März. Der Kaiser ließ durch den Obersthosmeister Prinzen Hohenlohe dem Baron Albert Rothschild sein Beileid nusdrücken. Die Kaiserin sendete heute Nachmittag aus Corfu an Baron Rothschild ein in warmen Worten abgefaßtes Beileids-Telegramm. Die Leiche der verstorbenen Baronin wurde heute in einen einfachen lichtbraunen Holzsarg gebettet, worauf in: Sterbegemache die Aufbahrung in ebenso einfacher Weise erfolgte. — Baron Albert Rothschild hat anläßlich des Hinscheidens seiner Gelnahlin dem Bürgermeister Dr. Prir 10,000 fl. und dem Vorstande der israelitischen Cultnsgemeinde 5000 fl. zur vorläufigen sofortigen Vertheiluug au Arme übergeben. Durch Dekret des Bey von Tunis sind die Hrn. David llsan und David Haün Gnöz als Rabbiner in Tunis ernannt worden. Der Prozeß gegen Pansch und Genossen hat seine vorläufige Erledigung dadurch gefunden, daß das Berliner Schwurgericht sich für inkompetent erklärte. Wochen - Kalender. nD£ des Morgens um 8 1/2 Uhr höre man auf 31t essen. Sonntag, 10. April, 13. Nissan, fmn J’pTO. Montag, 11. April, 14. Nissan. DDD iny. Festes-Ansang 6 Uhr 20 Min. Dienstag, 12. April, 15. Nissan. riDDT 'N- Mittwoch, 13. April, 16. Nissan. nDS“I '3 Festes-Ausgang 7 Uhr 35 Min. (Mainzer Uhr.) Donnerstag, 14. April, 17. Nissan. ) s,_ Freitag, 15. April, 18. Nissan. ) Sabbat-Anfang 6 Uhr 25 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 16. Aplll, 19. 'Nissan, d'thm tw ,o"nn rDttf Sabbat-Ansgang 7 Uhr 40 Min. (Mainzer Uhr.) Sonntag, 17. April, 20. Nissan. “lynon :ti. Festes-Anfang 6 Uhr 30 Min. Montag, 18. April, 21. Nissan. riD21 'r. Dienstag, 19. April, 22. Nissan. nDSTI 'n Festes-Ansgang 7 Uhr 45 Min. (Mainzer Uhr.) Mittwoch, 20. April, 23. Nissan, jn DDN Briefkasten der Expedition. Lehrer S. in H. Empfangen.