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Der Israelit · 1892-03-31 · Heft 26 (31.3.1892) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 26 (31.3.1892)
Date
1892-03-31
Page
– (sequence 28)
Language
German
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524 und in richtiger Würdigung dessen bewirkte die israelitische Gemeinde die Entsendung eines gewiegten, tüchtigen Geheimpolizisten zur Entdeckung des Schuldigen und Aufklärung des geheimnißvollen Mordes. Daniel war, da man ihm nichts beweisen konnte, wieder aus der Hast entlassen worden, doch hatte er sich durch die furchtbare Aufregung, in welcher er sich bei seiner Vernehmung befand, in einige Widersprüche verwickelt, so daß nur seine vorläufige Entlassung verfügt werden konnte. Aber auch dafür war er dem lieben Gotte dankbar. Stand doch das Passahfest vor der Thüre, jenes Fest, welches so recht eigentlich die Religion in das Haus trägt, an welchem jedes jüdische Haus zum Gotteshause, jeder Tisch darin zum Altar, jeder Familienvater zum Hohepriester wird, der im eigenen Heiligthume den Dienst versieht und in die Herzen seiner Hausgenossen jenen edlen Samen säet, der seit Jahrtausenden in Israel die herrlichsten Blüthen getrieben, die edelsten, köstlichsten Früchte gezeitigt hat. Passah! o welches jüdische Herz schlägt nicht höher bet Deinem Nahen! Wie ein Frühlingshauch so zieht der Hauch der Freiheit auch durch unser Herz und Freiheit und Erlösung bringt er dem Volke, welches schon länger denn ein Jahrtausend ruhelos einherwandert unter den Völkern, duldend und leidend. Passah, du Frühlings- und Freudenfest für das jüdische Haus, für die jüdische Familie, wann wirst du das Völkerfrühlings- und Freudenfest aller Nationen werden? Wann wird die Freiheit, die Du Israel gebracht und noch alljährlich bringst, Eigenthum aller Menschen werden? Ja, das Brod des Elendes, welches wir genießen, ist nicht minder bitter, wie jenes, welches unsere Väter einst in Egypten genossen, aber wir vertrauen trotzdem auf unfern himmlischen Vater, hoschato afdei, leschonoh habooh benei chorin noch sind wir geknechtet, aber bald sind wir frei!' (Schluß folgt.) Der? UVurher?. (Nach Midrasch Rabboth 149 b.) Alles in der Schöpfung ist Harmonie, Alles ist ein Austausch gegenseitiger Dienstleistungen. Der Tag leiht von der Nacht, die Nacht vom Tag; der Mond von den Sternen, die Sterne vom Mond; die Sonne vom Licht, das Licht von der Sonne; die Vernunft von der Wissenschaft, die Wissenschaft von der^ Vernunft; die Mildthätigkeit von der Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit von der Mildthätigkeit. Alle diese Geschöpfe Gottes leihen eines vom andern, und sind'Freunde, und in, Frieden. Bloß der Mensch leihtjdem Genossen, und sucht ihn durch den Wucher und durch den Betrug zu Grunde zu richten. Diese Wucherer sagen gleichsam zu Gott: Warum nimmst Du keinen Zins von Deinen Darlehen an die Menschen? Du tränkest die Erde, Du befruchtest die Felder, Du erleuchtest, Du hauchst den Lebensoden ein, Du erhältst: Warum lässest Du Dich nicht bezahlen? Gott sagt: Sehet, wie viele Sachen Ich leihe, und nehme keinen Zins. Wehe dem, der Zins nimmt, er wird nicht leben.*) Ein König öffnet seinem Freunde sein Reich; der Freund tritt ein, tritt die Armen nieder, tödtet die Wittwen, zerstört, verheert, und erfüllt Alles mit Betrug und Unrecht. So trägt der Wucherer, dem Gott das Reich seiner Schätze eröffnet hat, überallhin das Unrecht und den Tod. Liebermann und Weibertreu. Man schreibt der „Fr. Ztg." aus Heilbronn vom 22. ds.: Sie haben im vorigen Herbste einige Verse abgedruckt, die Herr Lieber mann von Sonnenberg in das Fremdenbuch der sagenreichen Burg Weibertreu bei Weinsberg geschrieben hat: „Bald reiten in mächtiger Schaar wir an, Wir dulden nichts Laues, nichts Halbes, Erlösen die Herzen von hartem Bann, Vom Dienste des goldenen Kalbes!" Nun hat sich an jenem idyllischen Ort ein poetischer Streit entwickelt, dessen Kämpfer die Reiterschaar des Herrn Liebermann nicht zu fürchten scheinen. Wir lesen neben seiner schrecklichen Drohung: „Wie oft riefst Du selber, o Liebermann — Oder hast Du es ganz vergessen? — Die Priester des goldenen Kalbes an, Wenn Du in der Patsche gesessen? So wenig wie sie, die mächtige Schaar, Ihr Geld wird je wieder kriegen, So wenig wirst Du — 's hat keine Gefahr — In dem Kamps gegen Windmühlen siegen'. Eine deutsche Frau, die Dich aber nicht von der Weibertreu heruntergetragen hätte!" Darunter ein halbes Dutzend „Ich auch nicht" von ebenso vielen Mathilden, Paulinen u. s. f. - *) Jecheskel Eap. 18, V. 13. Verantwortliche Rcdaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aktien-Gesellschaft in Mainz.

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