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Der Israelit · 1892-03-31 · Heft 26 (31.3.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 26 (31.3.1892)
Date
1892-03-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. M 26. Der Israelit. Ein KenLrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von I>r. Lehmann in 'Mainz. Donnerstag, den SL. März L«SS (H8S2>. Da mit dem 1. April 1892 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Ncueiugctrctene Abonnenten erhalten die bis jetzt erschienenen Kapitel der beiden Erzählungen: „Der Günstling des Czaren" u. „Die Familie y Aguillar" aus Verlangen gratis und franco nachgeliesert. Die Expedition des „Israelit". Leitende Artikel.! Der Antrag der KWWgeil-Gemeilide! ßuinticnbura bei dem deutsch isr. Gemeindetag. 8. Die Synagogen - Gemeinde Brandenburg stellte beim 6. Gemeindetage, der jetzt in Berlin versammelt ist, den Antrag, eine Peiition sämmtlicher deutschen Gemeinden an die resp. Regierungen um die Einführung des obligatorischen Religionsunterrichts an den höheren Schulen zu veranlassen. Dr. Makower sprach gegen diesen Antrag in überzeugender Weise, nichtsdestoweniger überwies der Gemeindetag den Antrag an den Ausschuß mit befürwortender Empfehlung zur Erwägung. Es bedarf keines großen Scharfsinns um zu erkennen, daß, sollte dieser Beschluß zur Inangriffnahme und Ausführung der geplanten Peiition kommen und dieselbe bei den Regierungen Erfolg haben, der Gemeindetag das zweifelhafte Verdienst für sich in Anspruch nehmen dürfte, eine Vergewaltigung der Gewissensfreiheit im größten Style ins Werk gesetzt zu haben. Welche Entrüstung hat es bei jedem freidenkenden Menschen hervorgerusen, als der vormalige Minister v. Zedlitz anordnete, die Dissidenten zu zwingen, ihre Kinder am Religionsunterricht theilnehmen zu lassen. Wie stellt sich die Sache nun, wenn der jüdische Religions-! unterricht obligatorisch an den höheren Lehranstalten wird? Der Anhänger der Reformpartet kann ge-! zwungen werden, sein Kind in die Religionsstunde des orthodoxen Lehrers, und der Orthodoxe sein Kind in den Unterricht des Reformers zu schicken. Dem Reformer wird es nicht angenehm sein, daß sein Kind das als Todsünde schildern hört, was es seinen Vater tagtäglich begehen sieht, und der Orthodoxe kann nichts dagegen machen, wenn Sabbatverletzung und Speisegesetze als antiguirte vor seinem Kinde behandelt werden. Es ist ja keine Frage, daß Orthodoxe und Reformer im Judenthum in ihren religiösen Anschauungen viel schroffer sich gegenüberstehen als Katholiken und Protestanten. Wenn dies auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht stört, wenn wir auch willig und gern anerkennen, daß Verschiedenheit der religiösen Anschauung die Einigkeit unter unfern Glaubensbrüdern nicht hindert, sobald es gilt für das menschlich Gute zu wirken, und auch unsere Mitbrüder, die der Reform huldigen, in liebevoller Weise Mitwirken, selbst wenn cs gilt, strengreligiöse Zwecke zu fördern, so bleibt nichtsdestoweniger die Kluft in der religiösen Anschauung für das praktische Leben bestehen, und sicher wird eine Gegnerschaft sich offenbar zeigen, sobald Versuche gemacht werden, die darauf htnauslaufen, Opfer der Ueberzeugung zu bringen. Darum lädt der eine große Verantwortung auf sich, der die Hand dazu bietet, eine Vergewaltigung an der Ueberzeugung zu versuchen. Der obligatorische

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