Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-03-28 · Heft 25 (28.3.1892) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 25 (28.3.1892)
Date
1892-03-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448244--33915-2481829
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XXXIII. Jahrgang. SeUllge zu M 25 des „Israelit". Neueingetretene Abonnenten erhalten die bis jetzt erschienenen Kapitel der beiden Erzählungen: „Der Günstling des Czaren" u. „Die Familie y Aguillar" ans Verlangen gratis und franco nachgeliefert. Die Cxpe-ition des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Mainz. Der 31. März dieses Jahres ist ein wichtiger Gedenktag. Es sind nämlich an diesem Tage 400 Jahre, daß die Juden aus Spanien vertrieben worden sind. In manchen Ländern wird an diesem Tage eine Erinnerungsfeier von solchen Glaubensgenossen veranstaltet, welche Nachkommen jener Vertriebenen sind. Frankfurt a. M, 27. März. Vergangene Woche fand an der Realschule der israel. Reltgionsgesellschaft die Abiturientenprüfung statt. Von dem mündlichen Examen dispensirt wurde der Abiturient Joseph Hackenbroch. Als königlicher Prüfungscommissar fungirte Herr Direktor Dr. M. Hirsch. Berlin, 26. März. In der heutigen Reichstagssitzung sprach Abg. v. Stumm über die Berliner Krawalle, worauf Abg. Richter erwiederte: Wenn Herr von Stumm die Krawalle bespricht und die Frage der Urheberschaft, so hätte er doch auch die Antisemiten erwähnen sollen, deren Betheiligung bei denselben gestern erst gerichtlich festgestellt worden ist. Abg. Stöcker (kons.): Abg. Richter hat die Berliner Krawalle den Antisemiten in die Schuhe schieben wollen; aber weil ein Angeklagter gerufen, haben soll „Juden raus!" ist jene Behauptung noch nicht richtig. Abg. Lieb er mann v. Sonnenberg (Antisemit): Hinter den Krawallen haben nicht die Antisemiten, sondern hat die Börse, haben die Juden gesteckt. Auch das Judenthum arbeitet mit agents provocateurs. Der Antisemitismus ist ein Feind des Thron und Altar untergrabenden Semittsmus, in die Sozialdemokratie ist er auch schon eingedrungen. Sollten die Beiden dann, was ich nicht hoffen will, zusammen operiren, so wird die Judenfrage sehr schnell nach dem umgeschriebenen Gesetz gelöst sein: Wer einen Juden todtschlägt, beerbt ihn. (Gelächter links.) Der Zusammenhang zwischen Kommune und Sozialdemokratie liegt offen zur Hand. Die Unterstellung, daß der Antisemitismus sich in irgend einer Weise betheiligen könne an revolutionären Bewegungen in Deutschland, muß ich mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Wir sind Royalisten durch und durch, wenn der Augenblick gekommen sein wird, wird man uns um den Thron geschaart finden. Hätte es in Hannover 1866 Antisemiten gegeben, die hätten ihren König nicht verlassen. Abg. Prinz zu Carolath-Schoenai ch (wild): Der Thron würde mir leid thun, der sich auf den Antisemitismus stützt und glaubt, dadurch gehalten zu werden. Ob der Antisemitismus zur Gesittung gehört, das beantworten Sie, Herr Liebermann v. Sonnenberg. (Abg. Ltebermann v. Sonnenberg: Anders als Sie.) Ja! Ich glaube, daß Kaiser Wilhelm I. das nicht gemeint hat und daß die Meinung des größten Theiles des deutschen Volkes auf meiner Seite ist. (Der Präsident ersucht den Abg. Liebermann v. Sonnenberg den Redner nicht fortwährend zu unterbrechen.) Ich halte es ferner mit dem anderen Kaiser, der gesagt hat: „Alle meine Unterthanen sind meinem Herzen gleich lieb." Die widrigen Zustände in anderen Ländern rufen in mir keine Neigung hervor, den Reichstag zum Tummelplatz dieses Kampfes zu machen. Abg. Richter (freis.): Daß die Baissespekulationen der Börse die Krawalle verschuldet haben, ist ein Märchen, für das auch der Schatten eines Beweises fehlt. Dagegen ist durch die gestrige Gerichtsverhandlung erwiesen, daß die antisemitische Bewegung mit den Krawallen in Zusammenhang steht. (Redner verliest die betreffenden Stellen, auS denen hervorgeht, daß „Juden raus" u. s. w. bet den Aufläufen gerufen worden ist.) Freilich, Herr Stöcker ist ja nicht mit einer Fahne voraufgezogen, aber von den Rockschößen der Antisemiten ist die Sache nicht abzuschütteln. Berlin, 23. März. Die Juden und ganz besonders die orthodoxen Juden, gehören und gehörten stets und in allen Ländern den königstreuen Parteien an. Das gebietet ihnen das Gesetz ihres v:el geschmähten Talmuds. Um so schmerzlicher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.