Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1892)
- Date
- 1892-03-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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470 Thatsache ist, daß den .Hospitälern, Gefängnissen und Arbeitshäusern von den Juden verhältnismäßig weniger Insassen geliefert werden, als von irgend einer andern Rasse. „Man muß die Juden bekehren!" Wir thäten besser, dies zu unterlassen und zunächst unsere modernen Christen zum wahren Christenthume zu bekehren. „Man unterdrücke die Juden!" Auch eine Legion von Tyrannen ist dazu nicht im Stande. Jedes Volk auf Erden hat dies versucht und ist dabei unterlegen. Sie haben die Tudors und Plantagenets überlebt wie die Romanoffs, die Tyrannei Spaniens, die Dynastien Frankreichs, Karl den Großen, Constantin, die Cäsaren, die babylonischen Könige und die egyptischen Pharaonen. Israel war Gottes eigenes Volk 4000 Jahre lang und die schreckliche Verfolgung, die es während der anderen 2000 Jahre überstanden, stempelt es zu einem Volke, welches immer noch in mysteriösen Beziehungen zu den Plänen des Ewigen steht. „Aber der Jnde ist listig!" Ist er das? Hast Du jemals das Wort eines Mannes rascher geglaubt, weil er Baptist oder römisch-katholisch war? Hast Du niemals einen zwanzigpfündigen Stein in einem Ballen Baumwolle gefunden, den Du von einem Südländer gekauft? Hast Du niemals Schweineschmalz in der Butter entdeckt, die Dir von einem Puritaner aus 'Neuengland verkauft worden war? Der Glaube, daß der Jude unehrlicher ist als der Nichtjude ist zur Hälfte Unsinn und zur andern Hälfte Vorurtheil und Falschheit. Das judenfeindliche Gefühl, welches gegenwärtig auch am Horizonte unseres Landes anfzntauchen scheint, ist unchristlich, unmenschlich, unamerikanisch. Niemand kann dieses Gefühl theilen, der an die allgemeine Vaterschaft Gottes und an die allgemeine Brüderschaft der Menschen glaubt. Es ist eine Ausgeburt der Hölle und deßhalb der Verachtung werth!" Vermischtes. Aus dem Kreis Offenbuch. Dieser Tage feierte der Kaufmann HerrJ. Fürth zu Isenburg in seltener Rüstigkeit sein 85. Wiegenfest. .Herr F. ist als Israelit und Mitbürger in weiten Kreisen hochgeachtet und geehrt. Ueber 40 Jahre hat derselbe das Amt des 1. Vorstehers in Heusenstamm mit äußerster Gewißheit zum Wohle der ganzen Gemeinde geführt. Es war der Begründer des ü’t^n rran; seiner Initiative war es zu verdanken, daß daselbst eine neue Synagoge hergestellt wurde. Möge er den Abend seines Lebens wie bisher in ungestörter Ruhe im Kreise seiner Lieben verbringen. rw ."INC "!>’! Halberstadt. Herr Hermann Jchenhäuser, der Ihren geehrten Lesern bereits bekannte jugendliche Dichter, der auf dem Boden des gesetzestreuen Jndenthums steht, hatte aus Anlaß des jüngsten Geburtstages Sr. Majestät des deutschen Kaisers für die Festlichkeiten eines hiesigen Kriegervereins einige Gedichte verfaßt, die wie seine früheren politischen Poesien Sr. Majestät zur Kenntniß kamen. Vor einigen Tagen nun erhielt Jchenhäuser wieder ans dem kaiserlichen Kabinet ein Schreiben, worin dem Dichter in schmeichelhaften Ausdrücken die Anerkennung Sr. Majestät für die wohlgegelungcnen Gedichte und der innigste Dank Allerhöchstderselben dafür ausgesprochen wurde, daß sich in diesen so warme Vaterlandsliebe bekunde. Wien, 14. März. Bekanntlich brachte vor kurzer Zeit ein hiesiger antisemitischer Buchhändler, Teinhaltstraßc l, in seiner Geschäfts-Auslage ein Schandbild betitelt „Berliner Inden" zur Ausstellung, welche ganze Ansammlungen und Verkehrsstockungen in der Straße, lvo sich diese Bude befand, verursachte. Das „Wiener Tagblatt" brachte Tags darauf eine geharnischte 'Notiz, in welcher cs die Aufmerksamkeit der Polizeibehörde auf den aufreizenden Inhalt dieser Schunderzeugnisse zu lenken versuchte. Einige Tage darauf waren diese Bilder aus der Auslage verschwunden. Ob dies in Folge polizeilicher Intervention geschehen, wissen wir nicht bestimmt, doch ist dies sehr wahrscheinlich. Warum wir auf diese von mehreren Blättern gemeldete Affaire zurückkommen, dazu veranlaßt uns der Umstand, daß die obenbenannte Buchhandlung den Titel Hof- Buchhandlung führte und wir seit dieser Woche eine neue Firmatafel sehen, auf welcher derTitel Hofbuchhandlnng fehlt. Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir dieses Factum mit der Ausstellung dieser antisemitischen Bilder in Verbindung bringen. H. L—r. Jener ehemalige preußische, dann österreichischeLieutenant Ferdinand v. Levetzow, welcher vor geraumer Zeit durch seine antisemitische Schmähschrift gegen die österreichisch-ungarische Armee peinliches Aufsehen machte, wurde kürzlich in Berlin wegen 13 kleinere Betrugsfälle und wegen Körperverletzung zu 270 Mark Geldstrafe verurtheilt. Die groben Unwahrheiten, die das Stöckersche „Volk" über die städtische Schuldeputation in Berlin berichtet, machen jetzt die Runde durch die sächsischen Amtsblätter. Die dreiste Erfindung, daß in der städtischen Schuldeputation unter 24 Mitgliedern nur 11 Christen sitzen, findet sich sogar in der amtlichen Zeitung des sächsischen Ministeriums, der „Leipz. Ztg." Bekanntlich sind unter den 30 Mitgliedern der Schuldeputation nicht 11, sondern 27 Christen. In den sächsischen Blättern wird auch, um die Sache zur Inden- Hetze brauchbar zn machen, Dr. Otto Hermes als Israelit bezeichnet. (Jl!ustrirnng eines Rcsormgottesdienstes.) In Heilbronn ist unter den Synagogensängerinnen ein Strike ausgebrochen; eines abgesagten Balles wegen haben sich diese am letzten Freitag und Samstag nicht bereit finden lassen, beim Gottesdienst zn singen. Wrescherr, 27. Februar. Heute vor 25 Jahren hat die Amtstätigkeit des Herrn G. I. Czechanow i cz als Kantor in hiesiger Synagogen-Gemeinde begonnen. Um die Erinnerung an diesen Tag festlich zu begehen, hat die Gemeinde-Vertretung den Jubilar mit einem werthvollen Gescheute erfreut. Auch seitens der Gemeindcmitglieder gestaltete sich der Jubiläumstag durch die zahlreich dargebrachten Glückwünsche zu einer großartigen Feier. New-Aork, 6. März. Gestern Abend schoß ein russischer Flüchtling Namens Jose Messesheki auf den Rabbiner Dr. Henry Mendez von der Synagoge an