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Der Israelit · 1892-03-10 · Heft 20 (10.3.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 20 (10.3.1892)
Date
1892-03-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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386 jüdischen Spekulanten Drcyfuß. Man wird kaum fehlgehen, wenn man seine Anwesenheit mit den Tumulten in Zusammenhang bringt. Drei Juden sind es auch gewesen, welche im Thiergarten, als der Kaiser vorüberritt, überlaut den frechen Ruf: „Arbcet, Arbeet" . . . anstimmten und darin durch eine wohlorganisirte Louis Claque verständnisvoll unterstützt wurden. Eine ihrem Ansehen nach offenbar jüdische Dirne rief am Alexanderplatz mehrfach: „Hoch Singer!" Ueberhaupt mischten sich unter die „Ballonmützen" auffallend viele Judenjünglinge. Und wenn elftere auch einige Judenläden geplündert haben, so könnte sich daraus höchstens ergeben, daß den hinter den Coulissen arbeitenden Regisseuren nur daran lag, dadurch jeden etwa aufkeimenden Verdacht sofort im Keime zu ersticken. Man weiß ja, wie das gemacht wird." Gewiß „Kreuzztg." und „Reue Deutsche Ztg." beweisen es. — Uebrigens hat die „Neue Deutsche Ztg." am Montag mehrere Beschlagnahmungen erfahren. „Am Schalttag-Nachmittage — so schreibt sie selbst — erschien die Kriminalpolizei in unserem Geschäftslokal und beschlagnahmte die Nummern 146. (27. Juni 1891), 254. (31. Oktober 1891) und 27. (3. Febr. 1892) der „Neuen Deutschen Ztg."; elftere Nummer wegen des Artikels „Einst und jetzt", die zweite wegen des Artikels „Der Kaiserliche Erlaß und das preußische Staatsministerium", die dritte wegen des Artikels „Der Fall Sternberg." Es handelt sich um einen Strafantrag wegen Beleidigung, welchen der preußische Justizminister v. Schelliug gegen die „Neue Deutsche Ztg." bei der hiesigen Staatsanwaltschaft gestellt hat." Bad Nauhcim, 2. März. Es ist beabsichtigt, hier eine Heilsanstalt für israelitische Kinder beiderlei Geschechts ins Leben zu rufen, in welcher rituelle Beköstigung verabreicht wird. Die für diesen Zweck zur Verfügung stehenden Mittel sollen beträchtlich sein. Herlbronn, 8. März. Wir erhalten folgende Zuschrift: Von befreundeter Seite werde ich auf eine Correspondenz aus Heilbronn in der Beilage zu Nr. 19 des „Israelit" aufmerksam gemacht, des Inhalts: Rabbiner Kahn, bisher in Laupheim, wurde zum Rabbiner dahier ernannt. Der bisherige Vertreter des verstorbenen Dr. Engelbert, N. Einstein, geht als Rabbiner nach Laupheim. Ich habe nicht die Ehre, den Namen Ihres hiesigen Correspondentcn zu kennen, ich vermuthe aber, daß das ein „sehr eingeweihter" Herr ist. Die Ernennung des Herrn Rabbiner Kahn, die im Hinblick auf die in Württemberg zur Geltung kommenden Avancements-Verhältnisse mit Sicherheit zu erwarten steht, ist thatsächlich noch nicht erfolgt und von meiner Versetzung nach Laupheim ist mir nichts bekannt. Dr. Berthold Einstein. Hamburg, im März. Der Israelitische Feuerungsverein von 1855 konnte im letzten Jahre bei einer Mitgliederzahl 1012 im Ganzen 300 Portionen im Werthe von 5450 Mk. zur Vertheiluug bringen. Das Vermögen des Vereins ist im letzten Jahre auf 29 300 Mk. zurückgegangen gegen 31 130 Mk. im Vorjahre. Die Mitgliederzahl ist leider ebenfalls zurückgegangen und erhielt der Verein auch keine Legate, während 1890 im Ganzen 1250 Mk. gezahlt wurden. Die Einnahmen des Vereins beziffern sich im Ganzen auf rund 12000 M. Oest er r. - Ungar. Monarchie. AuS Ungarn, 4. März. In Angelegenheit der „Rezeptionsfrage der isr. Confession" fand am 2. d. M. in Budapest eine von den Preßburger, Puluoker, Mesö Csüther, Püszökladäuger und Beregßaßer Oberrabbinen und mehreren angesehenen Laien besuchte Versammlung statt. Se. Hochwürden der Preßburger Oberrabbiner. R. S. B. Schreiber " j, eröffuete als Präses der Versammlung die Conferenz mit einer feierlichen Rede, in der er die auf der Tagesordnung stehende Angelegenheit eingehend besprach und alle Einzelheiten derselben ausführlich beleuchtete. An diese Eröffnungsrede knüpfte sich ein reger Ideenaustausch, als dessen Resultat Folgendes ausgesprochen wurde: In Anbetracht dessen, daß die bezüglich der „Rezeption" imitirte Bewegung den Juteress.n der ungarländischen Orthodoxie nicht nur nicht entspricht, sondern denselben — wenn es auch in Abrede gestellt wird — zuwiderläuft, und in Anbetracht des Umstandes, daß die jüngste Kundgebung der Kongreßparrei*) hierüber keinen Zweifel mehr obwalten läßt, daß diese Bewegung gegen die konfessionelle Autonomie der Orthodoxen benützt wird, faßt die Versammlung den Beschluß: daß an sämmtliche orth. Gemeinden des Landes ein Rundschreiben gerichtet werde, in welchem dieselben auf die schädlichen, ja gefahrvollen Bestrebungen unserer Neologen aufmerksam gemacht werden sollen. Amerika. NewAork, 19. Februar. Der Ausbruch des Hungertyphus unter den per Dampfer „Massilia" am 30. Januar c. hier eingetroffenen russischen Juden hat die Einwanderungsbehörden veranlaßt, bei der Untersuchung des Gesundheitszustandes und der sonstigen Verhältniffe der im hiesigen Hafen eintreffenden Immigranten in weit rigoroserer Weise, als dies bisher geschehen, zu verfahren. Die Schiffe, auf welchen rnsstsche Juden eintreffen, müssen *) Hierunter wird das von uns vor Kurzem erwähnte Memorandum der „Landes-Kongreßkanzlei" verstanden.

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