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Der Israelit · 1892-03-10 · Heft 20 (10.3.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 20 (10.3.1892)
Date
1892-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXin. Jahr,«»,. M SO. Der Israelit. Ein Genlrat-Krgan für das orlkodore Iudenthum. Begründet von Or Lehmann in Mainz. Donnerstag, den IO. März 5652 (1892). Leitender Artikel. Ein Stoßseufzer. Bert in, im Adar. Zur Feier des jüdischen Freudenmonats schlendre ich heute in eine Eonditorei und verlange den Kladderadatsch; er wird gerade gelesen, der Ulk, er leidet unter dem gleichen Schicksal, und auch die Fliegenden Blätter sind jetzt nicht zu haben, wie der dienstthuende Kellner bedauernd meldet. Ich gehe selber auf btc Suche und finde richtig alle Blätter belegt. Nur in der Ecke hängt eine immergrüne Erscheinung; es ist eine jüdische Zeitung. Daß sich die Parteien im Judenthum wenig um sie kümmern, gesteht sie mit rührender Naivität selber ein, indem sie sich ein unparteiisches Organ nennt. Denn daß diese Bezeichnung nicht den gewöhnlichen Sinn habe, das Blatt kümmere sich um die Parteien nicht, verräth sofort sein erster Aufsatz: „Eine G e f a h r", welcher für das Reformjudenthum zittert, „daß es nicht versumpfe und unstergehe", wie es da wörtlich heißt. „Versumpfen und u n t e r g e h e n? Das fürchten also wirklich die Anwälte des Reformjudenthums für ihre Klientend Es muß schon schlimm stehen, wenn das so frank und frei in einer reformjüdischen Zeitung saus phrase eiugestanden wird, resp. in einem unparteiischen Organ. Denn eine reform-jüdische Zeitung giebt es meines Wissens in ganz Deutschland nicht. Wohlverstanden, wir haben Zeitungs-Organe genug, die bewußt und unbewußt im Dienste der Reform stehen, aber nicht eine einzige, die dafür gehalten sein und es offen eingesteheu möchte. Wenn aber schon die Ratten das Schiff verlassen, so pflegt das ein bedenkliches Omen für den unaufhaltsamen Untergang des Schiffes zu sein. Ob die Gefahr des Versumpfcns und Untergehens, wenn sie nach den: Geständnis der eigenen Wortführer nun einmal vorhanden ist, wirklich durch solche Leid-Artikel gebannt werden kann? Ob sie, falls sie nicht vorhanden wäre, gerade durch dieses an die Wand malen nicht wirklich eintreten könne, das mag das Reformjudenthum mit seinem enkant. terrible selber ausmachen, wenn es schreibt: „Einer der schwersten von den Schäden, die die antisemitische Bewegung dem Judenthum zugefügt hat, ist der, daß durch dieselbe die innere Entwickelung, das Werk der Reform gehemmt und auf Jahre hinaus unterbrochen wurde. Seit der Augsburger Synode ist nach dieser Richtung so gut wie nichts geschehen. So hat es den Anschein, als sei die Reform des Judenthums eine abgeschlossene Periode. In gewissen Kreisen ist cs sogar Mode geworden, von einem Fiasko der Reform zu reden." Zu diesen Kreisen zählt ohne Zweifel, wer, wie es hier weiterhin geschieht, wörtlich schreibt: „Die Gefahr aber, von welcher wir heute sprechen wollten, liegt darin, daß die Idee der Reform in dieser langen Zeit des Kampfes gegen den Feind, der uns von außen her bedroht, nicht versumpfe und nicht u n ter g e h e." Wenn es nur wenigstens wahr wäre, daß die antisemitische Bewegung es ist, welche die Hemmung des Reformwerks verschuldet hat, dann hätte diese betrübende Erscheinung doch wenigstens e i n tröstliches, erfreuliches Moment aufzuweisen. Aber es stimmt nicht. Die antisemitische Bewegung datirt unter dieser Form aus dem Jahre 78, während die Augsburger Synode im Jahre 70 stattfand. Sie hätte also noch 8 Jahre Zeit gehabt, etwas zu wirken, wenn sie nicht eben längst impotent wäre. Die Augsburger Synode war der Schwanengesang des deutschen Reformjudenthums. Das können seine Anwälte selbstredend nicht so ohne Weiteres gelten lassen, und sie suchen daher nach Feigenblättern, um ihre Blöße so gut es geht zu verhüllen, richten aber bei dieser Sache

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