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Der Israelit · 1892-03-03 · Heft 18 (3.3.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 18 (3.3.1892)
Date
1892-03-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. M 18. Der Israelit. Ein AenLrak-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donner ft ag, den S März S652 (1892). Leitender Artikel. Pas Judentum und Egidy. Betrachtung von Dr. Ludwig A. Rosenthal, Rabbiner zu Rogasen. Was in zahllosen Flugblättern seinen Weg durch die Lande nimmt, darf bei uns nicht unbeachtet bleiben. zumal es uns Juden auch mit angebt. Der jüngste Aufruf Egidy's wendet sich nicht an Christen allein, fordert nicht nur dazu auf, „statt der Trennung in Katholiken und Protestanten eine Vereinigung im Christenth um" herzustellen: Er will auch Christen, Juden und Zugehörige sonstiger Glaubensgemeinschaften in der Religion sich zusammen finden" lassen. Die neue Lehre soll „Angewandtes Christenthum" heißen, das Gesetz der Liebe an die Spitze stellen, die Bildung der besonderen Glaubensbegriffe jedem Einzelnen überlassen, Allen Duldung und gleiches Recht verkünden. Dabei bleibt Egidy nicht stehen. Er hofft, durch Mitwirkung des Kaisers und der Reichssürsten auch die übrige Welt für seine Lehre gewinnen zu können und so das lang erwartete Reich Gottes, die Messiaszeit, auf Erden zu begründen. Hätte sich Egidy darauf beschränkt, seine Religionserneuerung seinen eigenen Glaubensgenossen zu verkünden — wir hätten uns in diese Angelegenheit nie gemischt; nun aber wäre das Schweigen ein Geständniß der eigenen Schwäche. Hätte er sich nicht aus das Gebiet des Staatswesens verirrt, so würde Mancher sich vollkommen gleichgültig verhalten haben, während es nun, bei der Anrufung des Kaisers und der Reichsfürsten, eine Pflicht des Bürgers ist, zu reden. In der Hauptsache verspricht Egidy etwas, was er und die Seinen nicht werden leisten können. Nur wem jede Glaubensform gleichgültig ist, wer den lieber gang zur Glaubens losigkeit wünscht, wird sich ihm in d i e A r m e w e r f e n. Nie und nimmer aber wird er mit seinen so unbestimmten Sätzen denen die Gottheit wiederbringen, die sie verloren zu haben glauben. Er tritt zwar mit diesem Ansprüche auf, und es scheint ihm Ernst damit zu sein. Aber vielleicht überzeugt er sich selbst noch davon, daß er mit den bestehenden Glaubensgenossenschaften den Glauben selbst untergräbt. Ja, wenn Religion nichts weiter wäre, als ein bloßer Grundsatz, den man nur auszusprechen braucht, so oft es einem einfällt! Aber hier gilt Egidys eigenes Wort: „Die Religion nicht mehr neben unserem Leben, unser Leben selbst Religion." So soll es sein! Aber diese Wahrheit ist uns keine neue — das Judenthum ist völlig darauf gegründet. Wie oft hat man jenes Wort von der blos äußeren Macht des Gesetzes nachgesprochen und man hat dabei Seitenblicke auf unsere 613 Satzungen geworfen. Man hätte eine Religion gewünscht, die nicht alle Seiten des Menschenlebens regelt, sondern sich mehr mit Sätzen für das Gefühl abfände. Das Judenthum als Lehre will aber nicht nur empfunden, es will jeden Augenblick gelebt werden! Wenn nun bei Egidy auch das Außenleben des Menschen Religion sein soll — was bringt er uns damit Neues? Weshalb sollen wir unsere uralte Glaubensburg einreißen und uns statt derselben mit einem luftigen Bau begnügen, wie ihn Egidy aufrichten will und wie er der Grundlagen völlig entbehrt? Eine Benennung, der Name für eine neue Richtung, ist nämlich nicht belanglos, man kann damit das Richtige bezeichnen, aber auch sich und Andere dadurch täuschen, die Blicke wo anders hinlenken, als die ausgesprochene Absicht ist. Katholiken, Protestanten und sonstige Christen will Egidy „in dem Christenthum vereinen." Was bleibt da dem Juden übrig, den Egidy auch daran mahnt, daß der Begriff „Glaubensgenossenschaft" „einer früheren Vorstellung entnommen ist?" Nur gemach! „Christen, Juden, Zugehörige sonstiger Glaubensgemeinschaften" sollen sich „in der Religion zusammensinden." Also „Christenthum" für die

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