Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1892)
- Date
- 1892-02-25
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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824 mit Recht behaupten: Auch bei religiöser Bildung wirkt das Vorbild weit mehr, als das gesprochene Wort. Selbstverständlich erkenne ich den vollen Werth der biblischen Erzählungen an, die dem Kinde zeigen, wie unsere Voreltern gelebt und gestrebt; die Vorführung biblischer Musterpersonen ist nicht hoch genug anzuschlagen, aber dieses alles kann seinen Zlmck nicht erfüllen, wenn nicht der Lehrer in sittlicher und religiöser Beziehung einen Vergleich mit den vorgcführten Personen aushalten kann. Daß das Kind eine Parallele zwischen den ihm vorgeführten Musterpersonen und seinem Lehrer zieht, liegt auf der Hand. Fällt dieser Vergleich für den Lehrer günstig aus, dann Heil ihm und Heil seiner Schule! Aber noch einen anderen Punkt dürfen wir nicht unberücksichtigt lassen, der sowohl für das Haus als auch für die Schule von Bedeutung ist. Herbart sagt: „Alles, was sich der Religion nähert, fordert viel Diskretion." Wir wollen hier die Diskretion in Bezug auf die eigene Religionsübung unberücksichtigt lassen, und nur erwähnen, daß jede fremde Religionsübung mit Diskretion zu behandeln ist. Gerade in der heutigen Zeit, wo die Wogen des Antisemitismus so hoch gehen, und wo sich die Spitze der Bewegung nicht gegen den Einzelnen, sondern gegen die Juden als Gcsammtheit richtet, den Einzelnen aber wohl etwas mehr als gewöhnlich aufregt, haben wir dafür zu sorgen, daß nicht vor dem Ohr des Kindes eine Kritik .über fremde religiöse Anschauung geübt wird, die das Kind, das alle Menschen als Kinder Gottes und deßhalb als Brüder betrachtet, irrcführt und von seinem Ziele entfernt. Gerade dadurch, daß wir dem Kinde zeigen, wie wir zur Zeit der Noth nicht nur unseren Glaubensbruder, sondern alle unsere Mitmenschen durch Rath und That unterstützen, fördern wir nicht nur in unseren Kleinen die allgemeine Menschenliebe, wir regen sie auch dazu an, daß sie bet fremdem Leide Mitgcfühl zeigen und so das Gebot Gottes erfüllen „Stehe nicht zurück bei der Gefahr Deines Nächsten." Wir wissen aber, daß die religiöse Lebensanschauung des Kindes noch nicht fest begründet sein kann, sondern immer noch der Anregung und Stärkung bedarf. Anfangs genügte das Familienleben zu dieser weiteren Anregung, aber: „Es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken." Würde das Heranwachsende Kind mit seinen Religionsübungen allein bleiben, so könnte die ihm eiligeflößte Ehrfurcht und heilige Scheu vor dem Göttlichen nicht die gewünschte Höhe erreichen. Erst durch den gemeinschaftlichen Gottesdienst wird auch diesem Ansprüche genügt, indem das Kind einsieht, daß noch viele Glaubensbrüder demselben Ziele zustreben, und deßhalb dieses Ziel ein gutes und löbliches sein muß. Hat es nun die Schule dahingebracht, daß das Kind mit den einzelnen gottesdienstlichen Handlungen vertraut ist und den Inhalt der Gebete versteht, halten es die Eltern zum Besuch des Gottesdienstes an nnd gchen ihm hierin mit gutem Beispiel voran, dann werden wir die durch die religiöse Erziehung zu erhoffenden Früchte nicht vergeblich erwarten, wir werden unserer heiligen Religion treue Bekenner zuführen, die — wenn sie auch das Elternhaus verlassen — durch keinerlei Versuchung sich von ihrer Religion entfernen, oder dieselbe vernachlässigen. Haben wir selbst unsere Freude daran, wenn unsere Nachkommen religiös gebildet sind, so ist dieses doch gar nichts gegen den großen Nutzen, den diese selbst davon haben. Sie werden wegen ihres religiösen Vertrauens nicht nur von den gutgesinnten Mitmenschen geachtet, sondern können sich auch in allen Lagen des Lebens zurecht finden; n ag Freude oder Leid kommen, sie wissen, daß ein Gott im Himmel ist, der keines seiner Menschenkinder vergißt, wie cs auch in Jes. 49,''' treffend heißt: „vergißt denn eine Mutter ihres Säuglings, Daß sie sich ihres Kindes nicht erbarmtes Und tvknn auch diese vergäße, So wollte ich doch Dein nicht vergessen," Preis der dreigcspaltenen . ~\ „ n p r v Der Preis jedes Inserats Petitzeile oder deren Raum v» ist demselben in seckigens Klammern In dieser Rubrik werden nur Inserate betr. An- und Verkauf alter Bücher ausgenommen. Inseraten-Aufträge an die Expedition des „Israelit", Schottstraße 2. Labe ein sehr gut erhaltenes yp zu verkaufen. W. Hirnheimer, Lehrer, 7301) Weiden (Oberst.) Bücher abzugebeil: DN nV? ")DD Erkl. auf die Thora, geb. 2.20, riDpn “D 1ED geb. M. 1.50, -ß"n "lED v. Rabbenu Tam deutsch 1.—, Caro, DDl^ nnjO Erkl. auf Pirke Aboth, deutsch, geb. M. 2.50, Fest- und Sabbatpredigten v. Hause 2.50. N. Niedermann, Lehrer, 1241) Neckarbilchofsheim. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.