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Der Israelit · 1892-02-22 · Heft 15 (22.2.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 15 (22.2.1892)
Date
1892-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIO. Jahrgang. M 15. Der Israelit. Ein Hentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von I>r. Lehmann tu Drain;. Montag, den 22. Februar 5652 (1892). Leitender Artikel. Z>rei wichtige Zeugnisse gegen die Ktutbeschutdigmlg. Mitgetheilt von D. Wertheim, Gera, Neuß j. L. In unserer Zeit, in welcher der Antisemitismus seine Orgien feiert, in welcher der Geist der Lüge und der Bosheit einen Theil der Bevölkerung aller Länder ergriffen, in welcher die Wahrheit wider besseres Wissen verdreht wird, ja die Blutbeschuldigung, dieses Schreckgespenst mittelalterlicher Geburt — man sollte es nicht für möglich halten — selbst in unserem geliebten Vaterlande gläubige Seelen findet, da ist es an der Zeit, durch vollwichtige Beweise namhafter Kirchenlehrer und Staatsmänner darzuthun, daß die Beschuldigung: die Juden schlachten namentlich vor dem Passahfeste Chrifteukinder zu rituellen Zwecken, in das Reich der Fabel gehört. Ach wie oft und glänzend ist dieser Beweis geführt worden, und ach, wie wenig haben unsere Feinde dem Worte der Wahrheit Gehör geschenkt und immer wieder aufs Neue das Märchen der Blutbeschuldigung aufgefrischt. Uns Allen sind noch die greuelhaften Judenverfolgungen auf Korfu im Gedächtniß, auch noch die Hetzereien der Antisemiten und ihrer Schmutzorgane, welche die Flamme der Zwietracht und des Glaubenshasses schürten; und in kanten am Rhein, in unserem deutschen Vaterlande, da konnte beinahe dasselbe möglich sein, was auf Korfu nicht unmöglich war: — eine Verfolgung der Juden wegen eines angeblichen Ritualmordes. Kommen wir zu den Zeugnissen, die sich zum Theil nicht nur gegen die Blutbeschuldigung allein, sondern gegen den Antisemitismus überhaupt wenden. Es sind dieses drei: das erste ist von dem Dr. der Theologie I. F. von Meyer, das zweite von dem gelehrten Professor Molitor. Diese beiden, welche anläßlich der Judenverfolgungen in Damascus entstanden, sind abgedruckt im zweiten Theil des „neuen Pitaval" vom Jahre 1842 und später in der zweiten Auflage desselben Werkes vom Jahre 1858. „Der neue Pitaval", herausgegeben vom Kriminaldirektor Dr. E. Hitzig und Dr. W. Häring (Wilibald Alexis) ist „eine Sammlung der interessantesten Kriminalgeschichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit." Fortgesetzt wird diese Sammlung von Dr. A. Vollert, Geh. Regierungsrath, welcher im Fürstenthum Reuß j. L. noch jetzt den Ministerposten für Kultus und Justiz bekleidet. Das Zeugniß desselben werden wir am Schluffe unseres Artikels bringen. I. F. von Meyer schreibt „Erklärung über den angeblichen Blutgebrauch der Jude n." „Ich werde auf das dringendste ersucht, über die seit einiger Zeit wieder laut gewordene greuliche Beschuldigung der Juden, daß sie Christenblut zu gottesdienstlichen Zwecken gebrauchen, daher Christen oder deren unschuldige Kinder schlachten, meine Ansicht zu äußern. Da man auf meine Stimme einigen Werth legt, so nehme ich keinen Anstand, zur Ehre der Wahrheit und meinen Mitmenschen zum Wohl, nach meiner gewissenhaften Ueberzeugung Folgendes zu erklären: Daß ein Jude einen Christen ermordet, ist leider nichts Neues, gleichwie auch umgekehrt ein Christ einen Juden. Jener aber handelt hierbei unstreitig nicht als Jude, dieser nicht als Christ. Von den Juden haben wir das göttliche Gesetz gegen Menschentödtung, die richterliche ausgenommen, welche verordnet ist, Blutvergießen mit Blutvergießen zu strafen. Eine fernere Ausnahme macht der obrigkeitlich angeordnete Krieg, welcher auch in der Christenheit noch nicht wie er sollte, in den ewigen Frieden begraben ist. Mosaischer Jude und Mörder ist ein Widerspruch und der Talmud nebst allen Rabbinen haben meines Wissens niemals den Todtschlag gutgeheißen. Eine natürliche Folge hiervon würde gewesen sein, daß man diese Mordstifter wenigstens verbannt und ihre Schriften dem Feuer übergeben hätte. Was aber den angeblichen

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