Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1892)
- Date
- 1892-02-18
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XXXlil. Jahrgang. Wissenschaft!. ßtilnge M14 des „Israelit“. Aus dem Rellhe der alWischen Fabel. Von Bernhard Künigsberger, Kattow itz. (Fortsetzung.) Greifen wir ans dem Fabelschatze der talm. Literatur nun einiges heraus. Da wird von R. Akiba erzählt, daß er trotz des Verbotes der Regierung — es war zur Zeit der hadrianischen Verfolgung — öffentlich Thora lehrte. Paphus ben Jehuda, der ihn bei dieser Beschäftigung antraf, machte ihn auf das Gefährliche seiner Handlung aufmerksam. „Ich will dir eine Fabel erzählen," entgegnete R- Akiba. „Einst bemerkte ein Fuchs, der am Ufer eines Flusses spazieren ging, wie die Fische in großen Haufen von einer Stelle zur anderen eilten. Warum flieht ihr? rief er ihnen zu. — Wir flüchten uns vor den Netzen, die die Menschen uns legen! — Kommt doch lieber heraus zu mir aufs Trockene, da können wir in Frieden bei einander wohnen, wie einst auch unsere Väter friedlich zusammen lebten. — Bist du wirklich das Klügste unter den Thieren, wie man dich nennt? Du bist nicht klug, du bist ein Thor. Wenn wir schon in unserm Lebenselement nicht sicher sind, wievielmehr wird uns der Tod ereilen an dem Orte, wo uns jede Bedingung zum Leben fehlt! So geht es auch Israel; wir können nur, wie die Fische — ein Symbol für Israel — im Wasserbett der Thora in Freiheit leben, bis Gott anders beschließen würde."‘) Nennen wir die eben erwähnte Fabel: „Der Fuchs und die Fische." Es folgt: Der Fuchs im Weiberg: „Ein Fuchs fand einst einen ringsumhegten Weinberg, an dessen Zaun er eine Oeffnung bemerkte. Diese war aber zu klein, um ihn hindurchzulassen. Der Schlaukopf fastet drei Tage, wird mager und schlüpft hindurch. Als er aber sich an den Früchten des Weinbergs gesättigt, kann er nicht wieder heraus, so daß ihm, da er sich vor einer Gefangennahme fürchtet, nichts Anderes übrig blieb, als von Neuem drei Tage zu fasten und wieder all' sein Fett einzubüßen, das er durch seinen diebischen Fraß gewonnen. In seinem Galgenhumor ruft er dann aus: Weinberg, Weinberg! Wie schön bist du und wie herrlich sind deine Früchte! 1) Berach. 61 d. Wenn auch hier die Verordnung von einem p' ausgeht, so bestätigt schon das Fehlen dieses Namens im Jalkut I § 837 und En Jakob z. St-, daß hier von ]l’ 'D durchaus nicht die Rede sein kann. (Die Lebenszeit R. Akiba's spricht auch dagegen.) Wie diese Lesart entstand dürste sich aus dem Wortlaut im Midr. Mischle Cap. 9 ergeben, wo es heißt: nyitnn HD7D mu. Nun war aber dieses Epitethon für Syrien sehr gebräuchlich, vgl. das bekannte njwin p> 'd moyBO, und so stahl es sich in unsere Fabel hinein. — Back a. a. O. Jhg. 1880, S. 2472, hat trotz seiner sonst sehr weitläufigen Untersuchung diese Frag» nicht näher behandelt. — Vollständig verfehlt aber ist es, wenn B. annimmt, R. Akiba habe die ähnliche Fabel der Indier vom Kranich und Krebs gekannt und umgearbeitet!? Und doch kennt das jüdische Gefühlsleben all' die Acteure, welche in der Fabel auftreteu. Man vgl. das talmudifche n»? T1D 'Uiyu n?yn mit Bezug aus die röm. Herrschaft- Doch was bleibt mir davon?"1 2) In folgender Erzählung geifeit R. Josua b. Levi die Unüberlegtheit: Der Kopf und der Schweis der Schlange. „Es war einmal eine Schlange. Deren Schweif sprach zum Kopse: Bisher ziehst du voran, nun will ich es thnn! Und so geschah es. Doch bald führte der Schweif die Schlange in eine Wassergrube, bald ins Feuer, bald in ein stechendes Dorngestrüpp. Das waren die Folgen davon, daß der Kopf dem Schwänze folgte." ') Ein Zeitgenosse des Vorgenannten, R. Iudan bar Simon, sieht sich, wie Back *) meint, genöthigt, in jener Abhängigkeitsperiode des jüdischen Volkes gegen das um sich greifende Denunziantenwesen zu protestiren und bedient sich zum Zwecke seiner Mahnrede folgenden Gleichnisses: Der Steppenhund und der Wolf. „Einst raubte ein Wolf ein Schaf aus einer Herde. Ein Hund aus der Ferne sah dies, fing zu bellen an und wollte den Wolf beißen. „Warum stteitest du mit mir?" rief ihm der Wolf entgegen. „Nahm ich etwa ein Schaf von der Steppe, zu der du gehörst? Nein, nur von der Herde des hier ansässigen Hirten. Was ficht das dich an?" — Es ist nicht einzusehen, wie diese Fabel das Unwesen der Delatoren geifein soll. Es scheint vielmehr, daß sie nur zur Erläuterung der Bibelexegese gedient hat. Lehnt sich doch auch der Midrasch an die Erzählung der Schrift von der offensiven Stellung an, welche Balak, der Moabiterfürft, nach der Besiegung der ostjordanischen Könige einzunehmen entschlossen war. Israel aber mußte sein Beginnen befremdlich erscheinen, zumal es Moab's Gebiet nicht einmal zu betreten gewillt war. — In verschiedenen Variationen tritt uns eine Fabel entgegen, welche eine bescheidene Thätigkeit empfiehlt: „Einst sprachen die Ströme zum Euphrat: Warum fließest du so ruhig dahin? — Weil ich's anders nicht nöthig habe; denn an meine Ufern gedeihen die Saaten zur rechten Zeit und in üppiger Fülle. — Da sprachen sie zum reißenden Tigris: Warum stürmen deine Fluthen so aufregend gewaltig? — Ach, erwiderte er, möchten sich doch auch ihre guten Wirkungen zeigen!" 3) Auch diese Erzählung dürste zur Schriftexegese für die Erklärung der in Gen. 2, 14 erwähnten Ströme des Paradieses verwendet worden sein. Daß nur diese beiden eingehender besprochen wurden und (vergl. Back a. a. O.) zwar schon in früher Zeit, erklärt sich nicht nur daraus, daß die Israeliten einst an Babel's Strömen saßen und oft mit wehmüthigem Tröste an ihren dortigen Aufenthalt zurückdachten (vergl. Ps. 137), sondern vielmehr daraus, daß diese beiden 2) Kohel. r. zu 5, 14. Back's Ausführungen a. a. O. S. 31 ff. sind recht intereffant und einleuchtend. 3) Debar. r. zu 1, 13. Dgl. Back S. 34 u. Bacher, Ag. d. paläst. Amor. I, 174. Die von letzterem voraeschlagene midraschische Bocalisirung des defektiven muß, zumal das Jodam Ende fehlt, in corrigirt werden. 4) Dgl. Jalkut Abschn. Balak. Mit etwas verändertem Schlußsätze ib. II § 961 Back, 188b—68 ff. 5) Ber. r. 16 u. a. a. St. Back 1876 (130 u. die beiden parallelen Kabeln S. 128 u. 131).