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Der Israelit · 1892-02-18 · Heft 14 (18.2.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 14 (18.2.1892)
Date
1892-02-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXHI. Jahrgang. Jmntt Beilage ju m 14 des --Israelit.^ Literarische Mm schau. 8. Der Dichter H. von K l e i st sagt einmal: „Das einseitige Spezialtstenthum des deutschen Geisteslebens der Gegenwart ist die Vorstufe einer künftigen weitern und freieren Geistesentwickelung." Spezialisten haben wir auch in der heutigen jüdischen Literatur. Einer behandelt mit Erfolg die Geschichte im Besonderen, der Andere die Midraschim, ein Dritter die Erziehungsgeschtchte und Entwickelung der Juden. Auch der Verfasser des obigen umfangreichen Werkes ist ein Spezialist auf dem Gebiete der jüd. Liturgie und. Homiletik, oder besser gesagt, er schafft und sammelt Materialien für die gottesdienstlichen Verrichtungen und Kasualien, damit unsere Kultusbeamten außerordentliche Gebete, Programme rc. gebrauchen. Soweit sich seine zahlreichen Arbeiten auf dieses Gebiet beschränken, wie z. B. die erste Agende — Jahrzeits- und Trauungs- Agende, dieselbe für den Gottesdienst, die Festtage (IV. Auflage bei I. Kauffmann, Frankfurt a. M.) konnten wir seine Bestrebungen und seinen Bienenfleiß nur anerkennen, was wir bei der Erwähnung seines Kulturbilds „Das Stiefkind" nicht im Stande waren. Hier hat der Verfasser, der sonst auch in anderer Beziehung Vieles für die Kultusbeamten geleistet — über das Ziel hinausgeschossen, was wir in der betr. Besprechung scharf getadelt, wenn der Verfasser auch sonst, wie wir gerne bekennen, ein begeisterter Jehudt ist. Es gibt gewiß kein schwierigeres Unternehmen, als das Bestreben, es allen recht machen zu wollen, denn sobald einer ein solches auszuführen sich unterfängt und glaubt, daß ihm der kühne Wurf gelungen sei, so wird er bald erfahren, daß es ihm eben nicht gelungen, daß er es nicht allen recht gemacht hat. Ein beredtes Zeugniß dafür ist die „Universal-Agende für jüdische Kultus beamte des Predigers Lion Wolfs (Berlin 1891. C. Boas Nachf.), die jetzt in „zweiter, vollständig umgearbeiteter und vermehrter Auflage" uns vorliegt. Das Buch soll dem Kultusbeamten zum privaten Gebrauch bei den verschiedensten kultuellen Handlungen dienen, die er in Synagoge, Schule und Haus zu halten hat und bietet in dieser Beziehung in der That eine reiche Fülle Material, das von der Belesenheit, dem Wissen und der Gewandtheit des Vers, ein gutes Zeugniß ablegt. Eine Ucbersicht über den Inhalt wird das Gesagte in betreff der Fülle dem Leser bestätigen. 1. Lehrbuch der Beschneidung, 2. Casualien in der Familie, 3. Handbuch für die Religionsschule, 4. patriotischer Theil, 5. u. 6. Gottesdienst, 7. Einweihungen, 8. Barmizwa, 9. Confirmation, 10. Familienereignisse, 11. Verschiedenes, 12. Tod, 13. Tabellen für Thoravorlesungen. Bei der Durchsicht der Inhaltsangabe wird jedoch eines dem Leser gleich auffallen, nämlich 8 u. 9: Barmizwa und Confirmation. Was soll dies bedeuten? wird Jeder fragen, aber diese beiden Punkte bilden die Signatur des ganzen Buches: Reform und Orthodoxie, beide sollten zu ihrem Rechte kommen. Willst du nach alter Weise für eine Barmizwa vorbereiten und dieselbe leiten, so schlage S. 489 auf, willst du Knaben oder Mädchen konfirmiren, S. 497 bis 530 liefern dir reichliche Auswahl von Ansprachen, Prüfungen, Gebeten und Erinnerungssprüchen. Wünscht Jemand von dir für seinen Sohn oder seine Tochter einen pios für deren Namen, laute er Dirn* oder inD« oder oder gar rfciwy», so findest du S. 538—541 ein treffliches alphabetisches Verzetchniß, das dir aus jeder Verlegenheit hilft. Eines Confirmanden Vater wird aber nach einem piov kein Verlangen tragen, da gibst du deinem Zögling einen deutschen Denkspruch mit, der ähnlich dem pDv mit dem Anfangsbuchstaben des Namen beginnt und dessen Schlußbuchstaben endet, wie „Meide das Böse, übe das Gute, suche das Heil und erstreb' es." Schöner noch ist es, wenn der ganze Name in einzelnen Buchstaben im Satze sich finden läßt, wie für Sali: „Siehe, nach Deinem Gebote verlange ich; in Deinem Heile liegt mein Leben." Das impontrt! Sind solche Sätze, da sie der heiligen Schrift entnommen sind, noch zu jüdisch, so schreibst du in das Erinnerungsblatt einen Vers aus Schiller, Goethe, Schubert, Haug u. s. w., deren dir eine reiche Auswahl geboten wird. So geht in diesem Buche Reform und Orthodoxie friedlich Hand in Hand, Jeder findet Genüge für sein religiöses Bedürfniß. Demnach sind auch die Feiertage, für welche mit peinlicher Gewissenhaftigkeit der alte Ritus angegeben ist, zugleich mit deutschen Gebeten reichlich bedacht: das Interessanteste jedoch bietet ma fo. Es liegt System darin, wenn eine Reform-Gemeinde 'vw bj abschafft und ein Eingangslied in deutscher Sprache dafür einsetzt, wäre es auch nur um der schönen Melodie willen; es ist auch zu verstehen, wenn auch nicht zu billigen, daß eine Gemeinde den ma ho abschafft, ohne sonst an dem Gottesdienst etwas zu ändern; was aber hier außer den verschiedenen Reformschöpfungen an deutschen Liedern geboten

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