Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1892)
- Date
- 1892-02-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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263 von ihren zuständigen Behörden das Recht oder Versicherungspflicht abgesprochen wird, wurde ich am 17. Jan. 1891 vom hiesigen Herrn Bürgermeister ausgesordert mir eine Karte zu holen. Meine Gemeinde ist sogar so coulant, die 30 Pfg. wöchentlich aus der Gemeindekasse zu zahlen. Dieses löbliche Verhalten der Gemeinde sollte andern Gemeinden zum Vorbilde dienen. Cantor N. Lev y. Feuilleton. Der Hünstting des Hzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Io«. Lehmann, vr. phil. (18. Fortsetzung.) „Nein, nein!" rief Iwan im Innersten erschrocken darüber, daß man seinen Gefangenen, den er zur Ausführung seiner Zwecke noch nothwendig gebrauchte, hinwegnehmen könnte. „Ich glaube nicht, daß er ein Nihilist ist, sondern nur, wie gesagt, ein Unzuverlässiger. Welch' ein schöner Triumph wäre es nun für Euch, mein Vater, wenn Ihr diesen jungen Menschen, der von Politik liberal, und von Religion ein Jude ist, zu einem Orthodoxen und einem schwärmerischen Anhänger unseres erhabenen Kaisers umgestalten würdet. Durch Hunger und Entbehrungen ist er sicherlich kirre geworden und sein Widerstand wird kein allzu heftiger sein; so könnt Ihr mit Leichtigkeit die Reihe Eurer edlen Werke bei Diesem beginnen. Hier ist der Schlüssel zu seiner Zelle, der Gefängnißdirektor wird Euch gern den Weg zeigen. Aber gebt den Schlüssel nur in meine Hand zurück. Denn Ihr wißt ja, die geheiligte Person des Czaren, die mir vertraut, hat mir so manchen geheimen politischen Auftrag gegeben und mit diesem steht auch der junge Mensch in Verbindung. Darum muß derselbe unbedingt in meiner alleinigen Gewalt bleiben. — Ferner hat jener Gefangene eine Schwester, die ich sehr wohl kenne. Es bestehet ein Verhältniß der Zuneigung zwischen uns Beiden, natürlich in allen Ehren und nur insoweit als es die Vorschriften meines Glaubens mir gestatten. War es doch für mich der einzige Grund mit der Jüdin in ein näheres Verhältniß zu treten, daß ich die Hoffnung hegte, sie für den wahren Glauben zu gewinnen. Ich hatte Erfolg, sie liebt mich. Indessen ein schwacher, unbedeutender Jüngling, wie ich, dem die Gewalt der Rede trotz allen heiligen Eifers nicht zu Gebote steht, vermochte nicht sie von ihrem religiösen Wahne zu heilen. Euch, mein Vater aber, der Ihr wie ein Bild der Himmlischen auf der Erde wandelt. Euch wird es ein Leichtes sein, die verstockte Jüdin zu bekehren. Glaubt nicht, daß ich aus weltlicher Lust rede, obgleich es auch für mich ein befriedigendes Gefühl ist, daß eine Person, für die ich mich interessire, von der einzigen Wahrheit überzeugt, von ewiger Höllenqual befreit wird. Mich treibt nur der Kampfesmuth auf dem Felde Gottes zu pflügen. Gern bin ich bereit, die Jungfrau einem Kloster zu überlassen, sei es nun, daß sie sich schon vorher bekehrt, oder sei es, daß man sie erst der Bekehrung halber dorthin verbringt. Befinden sich ja in hiesiger Stadt Nonnenklöster genug und Ihr könnt Eines derselben auswählen." Iwan hielt einen Augenblick in seiner Rede ein. „Gut so" dachte er bei sich „jetzt weiß er von meinen Beziehungen zu Rosa und wenn ein Anderer die Heiligkeit meines Eifers in Zweifel setzen will, indem er dem Großpopen von diesem Liebesverhältniß Mittheilung macht, so weiß der Priester aus meinem Berichte, was er davon zu Hallen hat." Er athmete tief und fuhr fort zu sprechen: „Ich bin nun der Ansicht, daß wenn erst die beiden Kinder des jüdischen Fabrikanten sich zum Christenthum bekehrt haben werden, auch er und sein Weib unbedingt Nachfolgen müssen, und durch das gute Beispiel bewogen, ebenfalls die Wahrheit erkennen werden. „Sollten indessen diese Juden so furchtbar böse und verstockt sein, daß alle unsere Liebesmühe vergeblich war, dann beginnen wir an diesem Hause ein Exempel zu statuiren, dann hetzen wir den Pöbel auf dieses stolze Gebäude, lassen es von Grund aus zerstören und seine Einwohner ermorden. Werden diese Juden nicht für die Anderen ein Beispiel edler Bekehrung und weiser Erkenntniß sein, so sollen sie wenigstens durch einen schrecklichen Tod ihre jetzigen Glaubensbrüder verhindern, daß auch sie unserem guten Willen trotzen." Mit einem leichten Lächeln der Befriedigung hörte der Pope die Auseinandersetzung des Jünglings mit an. Was jener ihm sagte, war dem Priester, als ob es aus seiner eigenen Seele käme, besonders da die Redewendungen Iwans ihm sehr bekannt sein mußten. Der Jüngling bot ihm eine Handhabe dar, nach der der Abgesandte schon seit einigen Tagen vergebens gesucht hatte. Nun wußte er doch, wie er sein Vorhaben beginnen sollte." „Ich danke Dir von Herzen, Du hast mir einen großen Die-nst geleistet, mein guter Sohn", sprach der Priester in salbungsvollem Tone, „ich werde ganz nach Deinen Intentionen handeln und Du hast das große Verdienst, ein gottgefälliges Werk sehr gefördert zu haben." „Der Wille ist gut, die Kräfte sind schwach," entgegnete Iwan bescheiden. „Hallet Ihr es der Mühe werth, mein heiliger Vater, mir gelegentlich mitzutheilen, welchen Erfolg Euer Liebeswerk ge-