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Der Israelit · 1892-02-15 · Heft 13 (15.2.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 13 (15.2.1892)
Date
1892-02-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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251 nicht blind, gegen manche Gefahren, die das Zustandekommen des Volksschulgesetzes begleiten. Schon die Thatsache, daß die Matadoren des Antisemitismus die Einbringung des Entwurfs mit so ungeheurem Jubel begrüßen und dieselbe als einen Steg ihrer Partei betrachten und mit Recht betrachten, kann uns tief traurig stimmen und wenn die Firma Masse glaubt, daß die Uebereinstimmung mit den judenhetzerischen Blättern contra „Berliner Tageblatt" uns Vergnügen bereitet, so irrt sich dieselbe ganz gewaltig. Daß der Entwurf uns zu einer vom Staate anerkannten Religionsgesellschaft avanciren läßt, daß derselbe in ausgiebigster Weise für den Religionsunterricht unserer Kinder zu sorgen sich bemüht, das sind hocherfreuliche Dinge, daß aber unsere Feinde, den konfessionellen Geist, der in Zukunft das öffentliche Schulwesen beherrschen und durchdringen soll, dazu zu benutzen beabsichtigen, die Judenfrage zu verschärfen und zu vertiefen, das ist für alle Inden gleich beklagenswerth. Hoffen wir, daß unfern christlichen Mitbürgern Religion nicht gleichbedeutend mit dem Haß gegen Andersgläubige sein wird. Uns orthodoxen Juden aber lehrt unsere Thora: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst und unter „Nächsten" sind nach dem Ausspruch unserer Weisen alle Menschen verstanden. Auch der Satz, daß „die Gerechten aller Nationen und Völker, gleich den Gerechten Israels Antheil an dem zukünftigen Leben haben", befindet sich in unseren heiligen Büchern. Je inniger wir uns deshalb unserem Gotte nähern, je freudiger wir seine heiligen Gebote erfüllen, desto duldsamer und vorurtheilsfreier werden wir, das hat die Erfahrung von Jahrtausenden gezeigt und das ist der wahre Liberalismus. England. 8t. London. Wie den Lesern des „Israelit" bekannt sein wird, hat der plötzliche Tod des jungen Herzogs (Duke) von Clarence, ältesten Sohnes des Thronfolgers Prinze of Wales und Enkels Ihrer Majestät der Königen von England große Theilnahme und Sensation in allen Schichten der Bevölkerung dieses großen Reiches herdorgerufen. — In allen Synagogen Londons und der Provinzen wurden Gebete wäh' end der Krankheit und Trauerreden nach dem Tode des hoffnungsvollen Thronerben gehalten. In der großen Synagoge (Dukvs place) in London fand am Tage des Begräbnisses den 27. v. M., ein feierlicher Trauergottesdienft (Memorial Service) bei zahlreichem Besuche, darunter Lord Rothschild und andere hervorragende Männer, statt. — Nach Absingung verschiedener Psalmen in ergreifender Melodie und Verrichtung des Mincha-Gebetes bestieg Se. Ehrw. Herr Oberrabbtner Dr. H. Adler die schwarz-drapirte Kanzel. Von dem Text in Jeremias (12. 18) nni tjn 'in rww. „Ach, mein Bruder; ach, meine Schwester rmn nro ins 'in, ach, mein Herr; ach, sein Ruhm!" ausgehend, schilderte der Redner in meisterhafter Weise das schreckliche Unglück, das das königliche Haus getroffen, die Vorzüge des edlen, bescheidenen und liebenswürdigen Prinzen, dessen nahe bevorstehende Vermählung mit der allgemein verehrten jungen Prinzessin von Teck in eine Vermählung mit Staub und Asche verwandelt wurde. Redner bemerkte auch unter Anderem, daß der erlauchte Verblichene vor ungefähr zehn Jahren auf einer Rundreise durch die Welt, Jerusalem besuchte. Bei dieser Gelegenheit wohnte er der Seder-Fe ier im Hause des Chacham Baschi bei. Drei volle Stunden blieb er dort, und obschon ihm manches fremd erscheinen mußte, beobachtete er die ganze Zeit ein ehrfürchtiges Verhalten. In seinen nachher darauf bezüglichen ntedergefchriebenen Memorien, herrscht derselbe ehrfurchtsvolle Ton und ergeht sich der Prinz in wohlwollenden und werthschätzenden Aeußerungen über unsere Religion. Nachdem der Redner noch die Kürze und Ungewißheit, die Vergänglichkeit und Hinfälligkeit des irdischen Daseins beleuchtete, schloß er mit einem in hebräischer und engl. Sprache verfaßten inbrünstigen Gebet für das Seelenheil des Verklärten. — Die Predigt, die so tiefen Eindruck hervorbrachte, wird auf Anordnung des Vorstandes dem Drucke übergeben und vertheilt werden. Der genannte Herr Oberrabbiner »"j, erhielt ein Schreiben vom Oberstkämmerer der Königin Viktoria von England des Inhalts, daß er von letzterer beauftragt sei, ihm, dem Chief-Rabbi, ihren Dank auszusprechen für die so gefühlvolle Theilnahme, offenbart bei seiner Gemeinde, an dem Kummer Ihrer Majestät. In gleicher Weise dankten ihm der Prinz und die Prinzessin von Wales für sein Belleidsschreiben und das dasselbe begleitende Exemplar der Gebetordnung und der Trauerrede, gehalten in der großen Synagoge zum Andenken an ihren verstorbenen Sohn, den Duke of Clarence. Die erlauchten Eltern sprechen ihre tiefe Rührung über die von der jüd. Gemeinde an den Tag gelegte Hochachtung, sowie ihren aufrichtigen Dank für das Arrangement und die Ausführung der Gedächtnißfeier aus. Ihr tiefer Kummer sei nicht wenig gemildert worden durch den großen Ausbruch der Sympathie, die ihres Sohnes Tod hervorgerusen hat, und keine ist mit mehr Wärme und Ernst bezeigt worden, als die von der jüdischen Nation. — Lord Rothschild hat die neue im Bau begriffene Chewra-Synagoge in London (New Road) mit einer prachtvollen alten Lade p'nt« von herrlicher

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