Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1892)
- Date
- 1892-02-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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224 nicht versagen werden. Der Geist, der das Gesetz durchweht, erhebt sich über andere Entwürfe durch den freundlicheren Ton, den derselbe anschlägt. Nichts war uns peinlicher, als immer wieder die Formel von den „geduldeten Religionsgesellschaften" vor Augen zu bekommen. Dieser mittelalterliche Zopf, dieser Hohn auf die moderne Gesellschaft ist verschwunden. Das ist unstreitig ein rühmenswerther Fortschritt für das Judenthum. Für diese und andere Errungenschaften, deren wir uns durch das Volksschulgesetz erfreuen, zu danken, ist Aufgabe der jüdischen Publicistik und Pflicht und Schuldigkeit der Rabbiner aller Richtungen. Jchenharrfeu 5. Febr. Die Nachricht von dem Hinscheiden des Herrn Oberrabiners Dr. Elieser Lob in Altona hat auch in hiesiger Gemeinde, dem Orte seiner ehemaligen langjährigen Wirksamkeit die tiefste Trauer hervorgerufen, und die sich überall bekundende Theilnahme zeigt so recht, welch' ein inniges und liebevolles Andenken dem edlen Verblichenen und seiner geehrten Familie in hiesiger Gemeinde bewahrt geblieben ist. Die telegraphische Trauerbotschaft ist hier leider mit Verspätung eingelaufen, so daß es unserem verehrten Rabbiner in Begleitung eines unserer Herren Vorsteher nicht mehr möglich war, zum Leichenbegängnisse rechtzeitig eintreffen zu können. Dagegen versammelte sich die ganze Gemeinde am vergangenen Sonntag Nachmittag zu einer Gedächtuißfeier in der Synagoge: der Eindruck, den diese Feier aus alle Anwesenden machte, war ein überwältigender, der die Gemüther nicht nur mit Schmerz, sondern auch mit einem edlen Stolze erfüllte. Die geehrten Leser des „Israelit" haben schon von Mainz, Altona und Hamburg aus vernommen, welch' ein hervorragender Talmid Chochom und außergewöhnlich edler Mensch der Betrauerte gewesen; unser geehrter Rabbiner, Herr Dr. Cohn '"o, der Trauer über den großen Todten in tief empfundenen Worten Ausdruck gebend, legte uns dar, wie Dr. Löb in hiesiger Gemeinde cmon ni^o:n mW mm in ausgedehntestem Maaße zur Entfaltung brachte und wie es hauptsächlich seiner großartigen Wirksamkeit zu danken sei, daß heute noch echt jüdisches Leben in hiesiger Gemeinde n"a pulsire. Die tief durchdachte Trauerrede ausführlich und getreu wieder zu geben, bin ich nicht im Stande; im Anschlüsse an dieselbe wurde von unserem Kantor, Herrn Perlmutter, das ü*öm 'x in herzergreifender Weise vorgetragen. Die meisten Mitglieder der hiesigen Gemeinde haben das Glück gehabt, Dr. Löb y'si persönlich gekannt zu haben und ich kann mit wahrhafter Freude konstatiren, daß die Hochachtung und Liebe, welche sich der Verblichene durch seinen edlen Charakter, sein ehrliches, wahrheitsliebendes Wesen und seine unbegrenzte Mildthättgkeit — lauter Produkte seiner echten und wahren Frömmigkeit — erworben, in den Herzen Aller feste Wurzel gefaßt haben. Das Andenken eines wahrhaft Frommen bleibt unvergessen und die Erwähnung seiner Tugenden gereicht der Welt zum Segen, wie es der weise König b"t mit den Worten lehren: pna -m H. L. Ulm, 2. Februar. Die israelitische Oberkirchenbehörde zu Stuttgart reichte laut „Ulmer Zeitung" einen Strafantrag gegen die antisemitische „Ulmer Schnellpost" ein. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie: Wien. Der akademische Verein „Kadimah" forderte die an der Wiener Universität studirenden Mediziner aller Länder auf, behufs Gründung eines Unterstützungs-Vereins für jüdische Mediziner zu einer berathenden Versammlung in Robitscheks Restaurant, I., Wipplingerstraße 47 ein. Man kann es nicht genug beklagen, schreibt die „N. fr. Pr.", daß die bekannten Spaltungen in der Wiener Studentenschaft selbst bei Humanitären Bestrebungen zu einer Trennung nach Konfessionen führen sollen, während doch, wenn es sich um Unterstützung dürftiger Kameraden handelt, alle politischen, konfessionellen und nationalen Gegensätze schweigen sollten. An keiner Universität Europas haben die in verschiedenen Formen auftauchenden Differenzen unter Studenten zu solchen Folgen geführt, weil überall die Leidenschaften vor den Aufgaben der Humanität Halt machten. Es ist auch fraglich, ob in Wien eine derartige Situation auf die Dauer von Bestand sein wird. Es bleibt vor Allem noch zu untersuchen, ob die am vorigen Samstag abgehaltene stürmische Versammlung in der That der richtige Gradmesser zur Benrtheilung der Stimmung der Wiener Studentenschaft ist. Es hat damals eine Partei die Oberhand behalten, welche die extremen Tendenzen Schönerer's zu vertreten scheint, eine Richtung, welche sich an der Universität überlebt hat und selbst einem großen Theile der Studentenschaft, welche ihr früher huldigte, längst nicht mehr sympathisch ist. Die Vertreter dieser Richtung an der Universität treten hie und da noch sehr geräuschvoll auf, aber ihre Zahl ist sehr gesunken. Wenn es auch nach der beliebten Sprengtechnik antisemitischer Agitatoren einer Anzahl von turbulent auftretenden Hörern am vorigen Samstag gelungen ist, die Liberalen im Berathungssaale zu majorisiren und die Gründung des Humanitären Vereins unmöglich zu machen, so beweist das nichts für den Geist der nach Tausenden zählenden deutschen