Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1892)
- Date
- 1892-02-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIII. Jahrgang. M 11 Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe AudenIHum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 8. Februar 5652 (1892). Leitender Artikel. Professor Carl Uogt über das KchWen. Die Agitation gegen das Schächten hat vielfach dazu geführt, das Votum hervorragender Fachgelehrter über die jüdische Tödtungsart einzuholen. Es ist bekannt, wie dieselben ausnahmslos zu Gunsten des Schächtcns eintraten. Als kürzlich die Angelegenheit die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft beschäftigte, wandte sich Herr Prof. Grand-Rabbin Wertheim an seinen College« Herrn Prof. Carl Vogt in Genf um seine Aeußerung darüber. Dieselbe wurde den Mitgliedern des Schweizerischen Nationalrathes zugestellt und machte einen tiefen Eindruck auf dieselbe. Obwohl gleichbedeutende Capacltäten sich in demselben günstigen Sinne über das Schächten schon früher ausgesprochen haben, so sichert doch die ganze Art und Weise, mit welcher hier der Gegenstand behandelt wird, den Ausführungen des illuftren Gelehrten ein besonderes Interesse. Das Votum ist in der Form eines Briefes an Hrn. Prof. Wertheimer in französischer Sprache abgefatzt, und lassen wir dasselbe hier in deutscher Uebersetzung folgen: Sie fragen mich um meine Meinung betreff Tödtung der Schlachtthiere nach jüdischem Gesetz. Der Gestenstand verlangt eine eingehende Auseinandersetzung. Man hat aus einer Sache, die an sich selbst unbedeutend ist, eine Staats frage geschaffen. Die Schriften, welche diesen Punkt behandeln, sind unzählbar. Durch die vielen verschiedenen Petitionen sind die öffentlichen Gewalten selbst ganz confus. Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen meine Meinung, welche ich schon lange darüber habe und die, wie ich glaube, auf ernsten Erwägungen beruht, hiermit kund zu thun. In Wahrheit kann ich die Agitation, welcher man dieser Frage wegen, in Szene setzt, nicht begreifen. Dieselben Leute, die über die Schmerzen so gerührt sind, welche ein Ochs leiden soll, dem man auf rasche Weise den Hals durchschneidet, haben keine Ohren für das Geschrei der zahllosen Schweine, welche man auf eine viel mangelhaftere Art tödtet. Dieselben Leute, welche ein durch einen momentanen Schmerz getödtetes Rind bedauern, ergötzen sich beim Kosten des Fleisches eines Thieres, welches man einer grausamen Operation unterwarf, um es zu einem erbärmlichen Leben und einem gewissen Tode zu verurtheilen. Alle unsere Schlachtthiere sind kastriert verstümmelt, nur um unserem Gaumen zu huldigen. Wir essen keine Stiere, Widder oder Eber, wohl aber Ochsen, Hämmel und Schweine, welche verstümmelt und gemästet wurden, ganze Millionen von Thieren werden alljährlich in unseren civilisirten Ländern gemartert, aber man schweigt, weil die Feinschmeckerei weit über deren Mitleiden steht. Wie dem nun sei, die Agitation ist da, und man muß prüfen, auf welchen Gründen sie fußt. Ich muß voruusschicken, daß ich schon viele Ochsen und Schafe nach jüdischem Gesetz tödten gesehen habe. Diese Tödtungsart war die einzig gebräuchliche in meiner Geburtsstadt, wo die Metzger, übrigens alle Christen, in ihren, Jedermann zugänglichen Höfen schlachteten, da kein Schlachthaus da war. Ich habe auch auf anderer Weise tödten gesehen, theils mit der Axt oder mittelst der Maske oder auch mittelst Geuickfang. Ich habe bei den Lappen ein Rennthier schlachten gesehen, welchem man mittelst mehrmaligem Schlagen ein Messer ins Herz trieb. Ich spreche somit nur von Selbftgesehenem. Ich kann sagen, daß ich gefehlten Axtstrcichen oder mittelst Maske verfehlten Tödtungen beigewohnt habe, aber niemals unter Hunderten von jüdischen Tödtungen auch den kleinsten Unfall bemerkte. Durch einen einzigen Schnitt des Messers waren alle Weichtheile des Halses so durchschnitten, daß das Blut stromweise entfloß und der Tod augenblicklich erfolgte. Wenn ich über die Tödtungsart der Schlachtthiere betreff Sicherheit der Tödtung zu entscheiden hätte, würde ich die jüdische Schlachtart als die Sicherste wählen. Leidet das Thier durch diese Schlachtart mehr als durch eine andere?