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Der Israelit · 1892-02-04 · Heft 10 (4.2.1892) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 10 (4.2.1892)
Date
1892-02-04
Page
– (sequence 21)
Language
German
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193 und erfreute sich der Gunst seiner Vorgesetzten. Im Februar 1890 erhielt er durch Herrn Shestakowsky die Mittheilung, daß er nicht länger im Amte bleiben könne, wenn er sich nicht zur Staatsreligion bekehren würde. Derselbe erklärte ihm gleichzeitig, daß er sich vergeblich bemüht habe, dieses absurde Gesetz gegen die Juden aufzuhcben, da viele seiner besten Lehrer und Schüler Juden seien. Die Regierung ließ sich jedoch in Nichts ein. Der Gouvermm Hnm Dolgoroucky machte zudem noch dem Herrn Shestakowsky einen strengen Vorwurf wegen seines Eifers für die „räudigen Juden", die keines Menschen Achtung verdienten und mit Besen aus dem Lande hinausgefegt werden müßten. Herr Hamburg verließ in treuer Anhänglichkeit an die Religion der Väter das Vaterland und seine zahlreichen Freunde und begab sich nach Amerika. Der Stadtrath von Parejaslaw (Gouvernement Pultawa) mußte jüngst den Rechner I. Goldmann und Schreiber I. Gurowitsch entlassen, weil sie Juden sind. Der Bürgermeister, Herr I. M. Eholodei drückte darüber sein tiefstes Bedauern aus, daß er in Folge höheren Befehls gezwungen sei, so pflichtgetreue Beamten ihres Amtes zu entsetzen und dies umsomehr, da für Herrn Goldmann schwer ein Ersatz zu finden sei. Auch der frühere Bürgermeister Jssajevitch bestätigte, daß beide genannten Herren zu jeder Zeit seine volle Zufriedenheit sich erworben haben. Die Behörden in Novoga Ufhrtze (Gouvernement Podolsk) haben verordnet, daß die Juden sich nicht mehr mit dem Getreidehandel befassen dürfen und daß alle durch Vermittlung jüdischer Agenten abgeschlossene Kontrakte als ungültig zu erklären seien. Bulgarien. Sofia. Der Großrabbiner von Bulgariers, Herr Dr. Dankowitz, welcher, wie früher berichtet, durch Errichtung eines Consiftoriums die Autonomie der Gemeinden aufheben wollte, wurde auf Veranlassung der Repräsentanten der isr. Gemeinden von der Regierung seines Amtes enthoben. Amerika. Im Aufträge eines aus Berliner, Hamburger und Frankfurter Finanzmännern bestehenden Berliner Centralkomites, das hinwiederum mir Baron Hirsch in Paris in Verbindung steht, bereist zur Zeit Herr- Boxer den Staat Sao Paulo, um die Bedingungen für eine Ansiedelung russischer Juden zu ftudiren und vielleicht Ländereien für eine Juden-Kolonie anzukaufen. Man will zu dieser Kolonie blos die tüchtigsten Elemente — Ackerbauer und Handwerker — entsenden, um wo möglich eine Muster-Ansiedlung zu schaffen, die, wenn sie Erfolg hat, späteren Nachschüben als Vorbild und Stützpunkt dienen könnte. vermischtes. Wesel, 25. Jan. Zwei Jahre sind vergangen, seit durch die Initiative des Herrn Lehrers Spier aus Bocholt ein Verein unter dem Namen ll'LwI mry ins Leben gerufen worden, deffen Zweck sein sollte, Glaubensgenoffen, welche durch unverschuldete Verhältniffe in ihrem Erwerbe gestört worden, oder "strechamen das nothige Kapital zur Anschaffung ihres Handwerkzeugs fehlt, durch ein unverzinsliches Darlehen aufzuhelfen und dieselben betriebsfähig zu machen. Vorerst waren es nur Mitglieder der Gemeinden Wesel und Bocholt, welche sich zu genanntem edlem Zwecke verbanden. Durch das eifrige Bemühen des Herrn Spier jedoch wurden in verhältnismäßig kurzer Zeit viele Glaubensgenossen aus den benachbarten Gemeinden für die Sache interessirt und erstreckt sich die Mitgliedschaft nunmehr über einen ansehnlichen Kreis von Ortschaften. Am letzten Sonntag fand im Vororte Bocholt die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereins statt, welche von ca. 50 Mitgliedern besucht war. Nach dem Rechenschaftsbericht zählt der Verein gegenwärtig 252 Mitglieder. Groß Bieberau Auf Veranlassung des hiesigen Lehrers, Herrn Hausmann, wurde vor Kurzem dahier ein Frauenverein gegründet, an deffen Spitze Frau R. Levi als Präsidentin und Herr Hausmann als Rechner stehen. /X Kattowitz, 21. Jan. Am jüngsten Montag ist hier nach dem Muster ähnlicher Vereine an anderen Orten und unter Zugrundelegung des Beuthener Status, das einigen Abänderungen unterworfen wurde, ein neuer Verein unter dem Namen „Israelitischer Iungfrauen-Verein" gegründet worden. Der rege Wohlthätigkeitssinn unserer Gemeindemitglieder hat sich von Neuem bewährt. Einige 90 Damen hatten sich zu diesem Zwecke im Saale des Stadtgartens eingefunden. Die Verhandlungen leitete unser allbeliebter Herr Rabbiner Dr. Kohn ’"3. Der Zweck des Vereins ist, Hilfsbedürftigen durch Gewährung von Unterstützungen, Zuweisung von Arbeit u. A zur Seite zu stehen, insbesondere auch für eine Ausstattung unbemittelter Bräute Sorge zu tragen, welchen von den Vereinsmitglredern gefertigte Bedarfsgegenstände überwiesen werden sollen. In erhebender Feier fand in Eberswalde die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt, zu welcher sich außer sämmtlichen Mitgliedern der Gemeinde und zahlreichen auswärtigen Glaubensgenossen Vertreter der Behörden, der evangelischen und katholischen Geistlichkeit, der Schulen ic. in dem prächtigen Gotteshause eingefunden hatten. Die „Leipziger Zeitung", ein amtliches Organ der sächsischen Regierung, welche von jeher antisemitisch angehaucht war, ist neuerdings vollständig ins antisemitische Lager übergegangen. Sie brachte dieser Tage einen Artikel, in welchem der Ton der ärgsten Antisemitenblätter angeschlagen und ganz unverblümt zum „Kampfe gegen das Judenthum" aufgefordert wird. _ Belgrad. In den hiesigen Ltadtrath wurden bei den jüngsten Wahlen drei Israeliten gewählt. Unter den zwölf Handelsrichtern des Landes befinden zwei Israeliten. Im höheren Staatsdienste sind gegenwärtig drei Israeliten: Herr Davidsohn, Staatsseeretär im Ministerium des Aeußern, Herr Baruchitsch, Beamter im Ministerium des Innern, Herr Coen Abtheilungschef in der Verwaltung der Residenz.

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