Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1892)
- Date
- 1892-02-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIII. Zahrgang. ■' -<--y M 10. ^-xa^A. Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orlhodoXe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, den 4 Februar 5652 (1892). Leitender Artikel. Hinter de» CouWii des Anlisemiten- Thenlers. Mainz, den 2. Februar. „Der moderne Antisemitismus — recte Fabrikgeschäftsschwindel - Antisemitismus ist für mich „gegenstandslos" geworden. Er belügt sich selbst, um andere zubelügen und zu beschwindeln. Erblüht sich auf wie der Frosch in der Fabel und wird wie dieser Platzen. Set ihm die Erde so schwer als möglich, daß er sobald nicht wieder aufstehen kann!" Wer, meint wohl der geehrte Leser, dürfte diese erbauliche Kritik der Leipziger Hetzsippe niedergeschrieben habend Doch wohl irgend ein hartgesottener Semite, nicht wahr? Du irrst, lieber Leser! Dieses vernichtende Urtheil über die sächsische Antisemitengilde und Eonsorten schrieb einer der berühmtesten Antisemitenhäuptlinge des 19. Jahrhunderts, der nunmehr 70jährige Marr nieder, und der Mann'ist wahrlich ein glaubwürdiger Zeuge. Welch Geisteskinder die modernen Vaterlandsretter sind, das wußte ja jeder anständige Mensch schon Hängst, daß aber leTblt Vte mwusteu Ekel und Widerwillen vor dieser Gesellschaft empfinden, diese Indiskretion nebst anderen erquickenden Enthüllungen haben wir Herrn Hermann Lu cko, vormaligen Chefredakteur des deutsch sozialen Parteiblattes „Leipziger Tagesanzeiger" zu verdanken. Man hat den Aermsten, als er sein Gehalt verlangte, nach allen Regeln antisemitischer Gesittung aus seinem eigenen Redaktionszimmer hinausge wo rs en, man hat an Lucko verübt, was Lucko früher in so malerischen Farben aus antisemitischen Radauversammlungen selbst erzählen konnte, und nun hat der thörichterweise materiell denkende und sein Gehalt verlangende Genosse Rache gesonnen und seine Rache niedergelegt in einem Schriftchen, benamset „Ein Jahr im Centrum de r deutsch-sozialen Partei"*). Lucko schreibt in seinem Vorwort: „Meine Broschüre soll vor allem jene Virtuosen der Verstellung beleuchten, die es so meisterhaft verstehen, unter einem Schwall von Phrasen ihren Charakter zu verdecken und unter dem Deckmantel der Volksfreundlichkeit ihrer Eitelkeit und Selbstsucht zu fröhnen." Und Herr Lucko tritt glänzend seinen Beweis an; er beweist, was wir schon und alle wissen, daß das deutsche Volk sich von politischen Komödianten nnd Gauklern in schändlichster Weise narren läßt. Das erste Kapitel ist überschrieben „Wie ich in's Centrum kam." Die Antisemiten waren Lucko schon längst sympathisch gewesen und so übernahm er die Redaktion des „Tages-Anzeigers". Aber bald sah er ein, da i „nicht nur die Welt der Juden, sondern auch die ihrer vermeintlichen Antipoden sich um den materiellen Vortheil dreht", und daß „gerade im Centrum der Partei an jedem jener Herren die Charaktereigenschaften zu konstatiren sind, die wir als „jüdische" bezeichnen. Das zweite Kapitel behandelt den Punkt, um den sich im Centrum alles dreht, den Parteigötzen Theodor Fritsch. „In seinen Händen sind die Fäden der Bewegung, er dirigirt die Central- Geld, das auch bei den Deutsch-Sozialen der nervus reruin ist." Fritschens rechte Hand ist der bekannte Liebermann von Sonnenberg, dessen Thätigkeit „nicht ganz uneigennützig" ist, der sich schieben läßt und als „Führer" bereits ein „todter Mann" geworden. Der Vorstand des Leipziger Reformvereins — bestehend aus Schullehrern, Commis, kleinen Buchhändlern u. s. w. — bilbet ba& übrige Centrum der Partei, denn von Leipzig aus wird die Bewegung im Reiche, abgesehen von Rheinland und Westfalen (wo Dr. König herrscht) dirigirt. Ueber die „m o r a l i s ch e n D e f e k t e" einiger Vorstandsmitglieder bringt Lucko einige ergötzliche Episoden. Man höre: *) Im Selbstverläge des Verfassers.