Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-01-28 · Heft 8 (28.1.1892) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 8 (28.1.1892)
Date
1892-01-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448227--33547-2481445
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

189 Diener auf und eilte zu seinem Herrn in den Salon. Dröhnend warf Iwan Alexandrowitsch die Thüre wieder in das Schloß. Einige der Bediensteten waren längst schon hinaufgeeilt zu dem Hausherrn und hatten ihm berichtet, was da unten vorgegangen. Alexei Chaimowitsch und auch Fürst Michail, bei dem die Langsamkeit seines Behabens ganz besonders hervorzutreten Pflegte, wenn er in Angst oder Schrecken sich befand, waren augenblicklich nicht im Stande hinunterzugehen. Rathlos blieben sie oben und wußten nicht, was sie beginnen sollten. Inzwischen fluchte Iwan Alcxandrowitsch in dem Salon umher; er ließ die Diener des Hauses etntreten und fragte sie aus, in welchem Zimmer sich das junge Mädchen befände. Die vor Furcht nicdergeschmetterten Knechte und Mägde hatten nicht das Herz, ihm die Wahrheit vorzuenthalten und auf seine Drohungen hin beschrieben sie ihm genauestens den Weg, auf welchem er zu dem Zufluchtsorte Rosas gelangen konnte. Eben war er im Begriff, dorthin zu stürmen, als Alexei Chaimowitsch sich so weit gefaßt hatte, daß er zu dem jungen Mann in das Empfangszimmer zu treten vermochte. „Wer ist dieser da?" schrie Iwan die Diener an. „Der Herr, Euer Gnaden!" gaben mehrere Stimmen in angstvoll stöhnendem Tone zurück. „Hinaus, ihr Pack!" rief Iwan den Dienern zu, und als ob der Wind Spreu fortwirbelte, so liefen die Leute, sich wild durcheinander drängend, eilig davon. Wie ein angeschossener Eber stürzte Iwan auf den Hausherrn los und faßte ihn mit den Fäusten bei den Schultern. „Du Hund, Du Jud, Du Bestie," schrie er, „ich wollte Dich behandeln nach Gentelman Art, ich sehe aber daß man nur die Knute für Dich gebrauchen darf!" „Verzeiht Euer Hoheit!" stammelte der also Angeredcte, dessen Knie unter den brutalen Fäusten Iwans zu wanken begannen. „Schweig!" donnerte der Günstling ihm zu, „wo ist Deine Tochter, bring' sie hierher." „Gnädigster Herr!" stöhnte der Mann. „Bring' sie hierher!" schrie der Andere wüthend, während weißer Schaum auf seine Lippen trat, „sonst bei Gott schwöre ich Dir zu, ich will Dich niederwerfen und durchpeitschen lassen, daß Dir die Seele aus dem Leibe quillt!" Der Edelmann schüttelte den Alten so gewaltig, daß dieser auf seine Kniee zu Boden sank. „Ich weiß nicht, wo sie ist, meine Rosa," jammerte er. „Das lügst Du, Hallunke, komm mit, ich will, Dir den Weg zeigen," rief Iwan hohnlachend und den alten Mann mit sich fortreißend, raste er die Treppen empor zu dem Zimmer, wo er die begehrte Beute wußte. Bald hatte er sie aufgefunden; wie ein scheues Reh vor dem Jäger stand Rosa zitternd da, als ihr Verfolger heranstürmte, Afka aber hatte den linken Arm um sie geschlungen und schien bereit, die Geliebte gegen eine sie umtosende Welt zu vertheidigen. Bet dem Anblick des jungen Mädchens beruhigte sich das erregte Blut Iwans ein wenig. „Habe ich Dich erschreckt, mein Täubchen," sprach er zu Rosa gewandt, „verzeihe mir, es ist nicht gern geschehen. Dein Vater hat mich beleidigt und ich gerieth darüber in Wuth. Ich will Dir nichts Böses thun. Setze Dich zu mir, wir wollen nur ein wenig miteinander plaudern. Komm her!" Iwan trat näher, und ohne sich um den Bräutigam Rosas irgendwie zu bekümmern, erfaßte er ihre Hand. Jakow riß seine Braut um einige Schritte rückwärts. „Ruhe, Ruhe. Afka!" rief Alexei bittend. Der junge Mann hielt sich mühsam zurück. „Gebt Frieden, Herr!" sagte er flehend, indem er das junge Mädchen fest an sich drückte. „Sie ist meine Verlobte und wir lieben uns innig." „Pah, Judenjunge! Schweige, wenn ich reden will!" entgegnete wegwerfend der Günstling. Jakow, der um das Glück seines Dasein bangte, zwang seinen stolzen Charakter zum Bitten. „Habt Erbarmen, Hoheit!" bat er nochmals in weichem, demüthigem Tone. „Wir sind so glücklich in unserer Liebe, wir wollen ja weiter Nichts als uns lieben, seid gnädig, vernichtet uns nicht!" Einen Stein haue cs erbarmen mögen, wie die beiden bildschönen jungen Leute nun die Hände falteten und die Arme flehend zu Iwan erhoben. Der Günstling des Czaren aber kannte kein Erbarmen, wenn es galt, eine seiner Leidenschaften zu befriedigen. „Was soll das verächtliche Gewinsel?" frug er hohnlachend, „nochmals sag' ich Dir, gehe weg, Judenjunge, oder Du sollst meine Reitpeitsche verspüren." Mit Blitzesschnelle riß er eine kurze Peitsche mit Lederriemen hervor, die er unter seinem Oberrock verborgen getragen hatte und klatschte damit in der Luft. j

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.