Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 7 (25.1.1892)
- Date
- 1892-01-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIII.'*«|rgang. M V. Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenlhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 25 Januar 5652 (1892). Leitender Artikel. Zur Würdigung der SchulchanAruch. Von Bezirkr-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). VI. '2 nnaiMon rmniPDtr po’1 *n-iu pnnr6 crDrcn n^n rpo^i nWn '*rbv ’W 72p ].icy .mxn p-rn~ by npn \r\'K2 bbvn'w nVsnw 8 2. Wer in der Nacht aufsteht, um Gnade vor seinem Schöpfer zu erflehen, achte auf die Stunden, um welche die Nachtwachen wechseln. Das ist nach dem ersten Drittel der Nacht, am Ende des zweiten Drittels der Nacht und am Ende der Nacht. Denn das Gebet, das man um diese Stunden betet um die Zerstörung (unseres Tempelhciligthums) und wegen unserer Verbannung, ist (Gott) wohlgefällig. Wie der Tag nach dem Aufgang, Niedergang und Untergang des Tageslichtes sich in dreiTheile gliedert und wie der Morgen, der Mittag und der Abend uns betend vor Gott ruft, so auch die Nacht. Während aber die Gliederung der Tageszeit für Jeden kenntlich ist, entzieht sich die der Nacht unserer Wahrnehmung. In ihren dunklen Flor gehüllt, erscheinen alle ihre Theile gleich und wir verdanken erst dem Hinweis unserer großen Meister die Beobachtung, daß diese Gleichheit nur eine scheinbare ist. Einen äußeren Anhaltspunkt dafür bietet höchstens der Wechsel der Sternbilder in den verschiedenen Phasen des Nachthimmels. Die aufklärenden Andeutungen unserer Weisen erscheinen selber dunkel, wie der Gegenstand, dem sie gewidmet sind. — Die unserem Paragraphen zu Grunde liegende Ueberlieferung lautet: „Es giebt eine Gliederung der Nacht in geschiedene Nachtwachen, die sich am Firmament, wie es eine solche giebt, die sich auf Erden vollzieht. So lehrt in einer Boraitha R. Elieser: Drei Nachtwachen hat die Nacht und über jede einzelne Nachtwache ruht der Heiliges gesegnet sei Er, und ruft klagend wie ein Löwe, denn so ist es gesagt (Jirmijahu 25, 30): „Gott aus der Höhe, ruft er, und von seiner heiligen Stätte gibt er seiner Stimme (freien Lauf), er ruft und ruft klagend wieder ob seiner Wohnung." Das äußere Zeichen dafür (für diese Dreitheilung auch auf der Erde) ist: In der ersten Nachtwache wacht der Esel, in der zweiten bellen die Hunde, in der dritten trinkt der Säugling an der Mutterbrust und die Frau spricht mit ihrem Manne." *) Das Verftändniß dieser Stelle dürfte sich aus einer Erwägung dessen ergeben, was dem Juden die Nacht bedeutet. Das Sprüchwort, nach welchem die Nacht keines Menschen Freund ist, hat im jüdischen Kreise keine Berechtigung. — In herrlicher Weise gibt dieser Wahrheit die folgende Erklärung des Psalmverses Ausdruck: ■pjj ’npys di» »njn»» 'n '“i Gott, Gott meiner Hilfe! Tags schrie ich, Nachts bin ich vor Dir. (Ps. 88, 2.) Habe ich am Tage „geschrieen" — ’npyx oi», nicht Tipys —, Halle ich am Tage mit allen Qualen meiner Stellung unter den Völkern zu kämpfen und zu leiden, die Nacht findet mich aufathmend vor Dir, als dem Gott meines dauernden Seins. In der That, am Tage hatte der Jude zu kämpfen mit der Sorge ums Brod für Weib und Kind, mit den Feinden seiner Existenz, mit dem Hohn und der Verachtung, mit den böswilligen Plackereien, die man ihm allerorts in seinen ohnehin dornenvollen Lebensweg streute. Wie aber der Tag zur Rüste ging, rief die sinkende Sonne *) Talmud Berachoth, Fol. 3a.