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Der Israelit · 1892-01-21 · Heft 6 (21.1.1892) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 6 (21.1.1892)
Date
1892-01-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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110 Grasen noch fernerhin für würdig erachten, ihr Vertreter in der Gesetzgebung zu sein." Eydtkunen, 4. Januar. Der Auswanderung der russischen Juden haben sich auch die Mennoniten angeschlossen, die aus der Gegend der Wolga kommen, um im fernen Amerika eine neue Heimath zu suchen. Herzzerreißend ist oft der Anblick solcher Familiendie mit ihren meist kranken Kindern den hiesigen Bahnhof passiven. Hungrig, durstig und halbnackend besteigen sie die Züge in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Viele dieser Auswanderer erreichen ihr Ziel gar nicht, sondern werden unterwegs von dem Erlöser ihrer Leiden, dem Tode, ereilt. Stettin, 4. Januar. (Russisch-jüdische Vertriebene.) Im Mai vorigen Jahres hatte sich hier ein „Comile für die russischen Juden" gebildet, dem aus allen wohlthätigen Kreisen unserer Stadt Gaben zugegangen waren. In geräuschloser, aber ununterbrochener Thätigkeit hat inzwischen das Counts seines Amtes gewaltet. Mehr als zehntausend russisch-jüdische Auswanderer haben in den letzten sechs Monaten unseren Ort auf der Durchreise berührt; davon haben über siebentausend die Hülfe des Comitös in Anspruch genommen, und zwar wurden etwa viertausend Personen über Hamburg, dreitausend direkt von hier nach Amrrika befördert. Alle diese Leute wnrden hier beherbergt, verpflegt und mit den nöthigen Kleidungsstücken und mit dem Reisegelde versehen: die zur Verfügung stehenden Mittel sind nun aber völlig erschöpft, während die Ansprüche an das Komitö nicht nachgelassen haben. Trotz der winterlichen Jahreszeit haben die Bedrückungen der Juden in Rußland nicht ausgehört und sind die Aermften in Folge dessen auch jetzt noch gezwungen, zu flüchten und jenseits des Meeres eine Heimath zu suchen. Das Comitö wird sich daher nochmals an alle wenden, die Mitgefühl empfinden für unverschuldetes Leid, und es darf sicher erwartet werden, daß auch diesmal die Beiträge reichlich flteßeu werden. Frankreich. Paris, 11. Januar. Baron Hirsch erklärt, daß die Nachricht wegen Aufgabe des jüdischen Kolonisationsplanes in Argentinien unbegründet sei. Die argentinische Regierung sei dem Plane freundlich gesinnt und die Verhandlungen wegen Erwerbung neuer Ländereien seien nur bis zur Ankunft des Direktors Oberstlieutenant G o l d s ch m i d aufgeschoben. Die argentinische Regierung habe sich schon bereit erklärt, fünf Millionen Acres (von den 7 Millionen, um welche er, Baron Hirsch, etngekommen sei) zu gewähren. Die jüdische Kolonisation in Argentinien gedeihe. In der Provinz Buenos Aires seien 130,000 Acres vollständig besetzt und die jüdischen Kolonisations-Gesellschaften beabsichtigten, in diesem Jahre 20,000 Juden zu befördern, für deren Unterbringung neue Ländereien nöthig seien. vermischtes. Tanger, 8. Januar. Nicht nur die mohamedanische, sondern auch die jüdische Bevölkerung hier befindet sich jetzt in großer Aufregung, da drei stunden östlich von hier ein mehrere hundert Mann starkes Nebellenheer lagert, das die Absetzung des hiesigen Gouverneurs fordert, da es sonst die Stadt erstürmen und plündern wolle. Der Gouverneur soll nämlich, was in Marokko übrigens nichts Seltenes ist, mehrere Stämme in unserer Umgegend stark gebrandschatzt haben, um sich mit dem so erpreßten Gelde einen Palast in der Hauptstadt Fez erbauen zu können. Pretzburg, 11. Januar. Unter den zahlreichen Vereinen, deren sich die hiesige rQ'£" zu erfreuen hat, ragt besonders die □mm müy nrnn hervor, welche den hohen Zweck verfolgt, die gründliche Kenntniß des rHNycE' zu verbreiten. Die Mitglieder vereinigten sich vorige Woche Donnerstag Abend zu einer wahren msc K5J' rmyD, welche einen sehr animirten Verlauf nahm. Der beste Tm der rp’ttf’, Herr Ahron Schwed wurde zum Ehrenpräsidenten erwählt; derselbe hielt eine zweistündige zündende Rede von niB’in nmyn KHpDm "J1D3 und nUN. Der Beifall, der seiner Rede folgte, war ein wahrhaft stürmischer. I. G. /X Breslau, 3. Januar. Eine sonderbare Statistik wird gegenwärtig, wie die „Voss. Ztg." mittheilt, im Oberschlesischen Jndustriebezirke angestellt. Ein den Bergverwaltungen zugegangener Fragebogen enthält, wie der Vorsitzende des „Vereins zum Schutze des Handels in Oberschlesien" in der Beuthener Versammlung mittheilte, u. a. die Fragen, wo reeller gekauft wird: a) bei christlichen, b) bei jüdischen Kaufteulen und o) in Consumvereinen. — Ich wende mich sofort um weiteren Aufschluß über diesen etwas mpsteriösen Vorfall an den Vorsitzenden des genannten Vereins, der übrigens unser Glaubensgenosse ist, und werde Ihnen ev. weitere Mittheilungen hierüber machen. Berlin. Die Aller-Bersorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde erhielt von Herrn Julius Bleichröder 15000 M. und von den Frauen Kopetzky und Nelke 10000 M. Budapest. Der König hat zum Präsidenten jenes Schiedsegerichls, welches in Angelegenheit der „Adria" evenluell zu fungiren haben wird, lnr 1892 unseren Glaubensgenossen den Abgeordneten Moritz Wahr m a n n ernannt. Wien. Der hiesige Hos- und Gerichtsadvokat Herr Dr. Gustav Ko hu wurde zum Mitgliede des nieder österr. Landesschulrathes für die nächste dreijährige Funktionedauer ernannt. Das^Literarisch-Artistische Bureau in Wien IX, Grüne Thorgaffe 8, hat das lebenstreue Portrait des Baron M. Hirsch hergestellt und hat zugleich damit einen wohlthätigen Zweck in Verbindung gebracht, indem ein Theil des Reinerträgnisses den russischen Juden zugeführt wird. Durch die Beliebtheit, der sich Baron M. Hirsch als Philantrop erfreut, läßt es sich erhoffen, daß das Resultat ein günstiges werden dürfte, indem sein Portrait gerne von jedem Menschenfreunde erworben werde. Das Bureau hat sich mit dem Vorstand der „Alliance Israelit" in Wien in Verbindung gesetzt, daß dieser die Beträge für die russischen Juden von ihm entgegennimmt und so an die richtige Stelle gelangen läßt.

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