Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1892)
- Date
- 1892-01-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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87 besser situirten Elemente, nach wie vor, ihre Kinder in hörere Schulen schicken. Da „lediglich wegen der Religionsbekenntnisses einem Kinde die Aufnahme in die Volksschule seines Wohnortes nicht versagt werden kann," so wird es also da, wo keine 30 Schüler sind, beim Alten bleiben. Daß die Minimalzahl 30 ist, muß entschieden bedauert werden. — Indessen ist bei einer Schülerzahl vom. 15 jüd. Kindern die Commune angewiesen „möglichst" für den Religionsunterricht zu sorgen. Das Wörtchen „möglichst" ist sehr bedenklich, doch hoffen wir, daß es gestrichen werden wird. — Es ist nun an der Zeit, daß Männer, denen das Wohl und das Wehe unserer religiösen Institutionen am Herzen liegt, in die Bresche treten, um alles dar zu erwägen, was der jüd. Schule zumNutzen, oder zumSchaden sein kann, bevor es zu spät ist. Uns lag nur daran, in Kurzem auf das Wesentlichste in dem neuen Entwürfe hinzuweisen und als Solches erscheint uns das, was in den Paragraphen, die wir angeführt, erwähnt ist. — Sehr erfreulich ist übrigens die Würdigung der Lehrer, wie sie denselben durch die §§. 51—75 zutheil werden soll, und nach der Rede des Herrn Ministers, hat dieser ein warmes Herz für den Lehrstand — eine erfreuliche Aussicht auch für den j ü d. Lehrer. S. Bachenhe ime r. Königsberg i. Pr., 7. Januar. Wie alljährlich, so veranstalteten die beiden hiesigen jüdischen Waisenanstalten auch in diesem Jahre, am 2. d. M. eine gemeinsame Feier, um ihre Zöglinge durch Beschenkung und festliche Bespeisung in besonderer Weise zu erfreuen. Die Feier fand unter Theilnahme einer großen Zahl geladener Gäste statt. Einer besonderen Beachtung erfreute sich die mit dem Feste verbundene Ausstellung von Handarbeiten der Waisenzöglinge, sowohl der schulpflichtigen als auch derjenigen, welche bereits bei hiesigen Handwerksmeistern in die Lehre gegeben sind. Die Feier darf als in jeder Hinsicht gelungen bezeichnet werden. Rußland. Das „Frankfurter Journal" schreibt: Die Inden im Kaukasus. Es ist sehr zu wünschen, daß ein mit den religiösen Bräuchen der Juden genau vertrauter und ethnographisch gebildeter Mann die Juden im Kaukasus gründlich erforsche. Was wir bisher über dieselben erfahren, genügt nicht und läßt veile Fragen unbeantwortet. Gustav Radde kennt sie als Lachamuli unter den Schwanen in den höchsten Thälern, Klaproth als Uria in Georgien, Juda Tscherni hat 1870 in den Nachrichten über kaukasische Bergvölker über sie geschrieben. Nicht überall stimmt er überein mit Anisimow, einem Glaubensgenossen, dessen Arbeit uns C. Hahn (Aus dem Kaukasus, Leipzig 1892) zugängig gemacht hat. Danach tritt ein großer Unterschied gegenüber den europäischen Juden hervor. Die Bergjuden, nach dieser Quelle 21,000 Seelen, sind eifrige Anhänger des Talmud, stehen in bürgerlicher Beziehung den übrigen Bergvölkern gleich und reden eine iranische Sprache. In den Städten sind sie Kaufleute, auf dem Lande Ackerbauer. Das interessanteste ist, daß ihre Religion stark mit heidnischen, polytheistischen Elementen durchsetzt ist. Es wird eine ganze Anzahl sichtbarer und Unsichtbarer Götzen aufgeführt, denen zu Ehren sie Feste veranstalten und die theils gut, theils böse sind. Ganz abweichend vom europäischen Juden, der gern zur Schule geht, verhalten die Bergjuden sich gegen unsere Bildung ablehnend; der Gottesdienst ist ähnlich wie bei unseren Juden, doch hat das Weib keinen Zutritt zur Synagoge. Der Typus dieser Bergjuden hat sich durch Vermischung mit den kaukasischen Völkern so geändert, daß sie äußerlich heute den Lesghiern, Tscherkessen u. f. w. gleichen, denen gleich sie gekleidet und bewaffnet sind. Viel abweichendes, aber auch viel gleiches wie bei unfern Juden. Die Geschichte dieses versprengten jüdischen Splitters ist noch wenig aufgehellt, ein Zusammenhang mit den verlorenen zehn Stämmen nicht gauz von der Hand zu weisen, zumal, wenn man eine spätere Einführung des Talmuds bei ihnen annimmt. Anm. der Red. „Eifrige Anhänger des Talmud" und dabei ein ausgebreiteter Götzendienst!? Man sieht, daß der Berichterstatter des „Frankfurter Journal" aus den verschiedenartigsten Quellen geschöpft hat. England. London, 12. Jan. Heute wurde der wegen seiner Frömmigkeit und außerordentlichen Wohlthätigkeit allgemein beliebte und hochgeachtete Diamanthändler Baruch van Staveren zu Grabe getragen. Er erreichte das Alter von 62 Jahren; in Amsterdam geboren, war er langjähriges Mitglied des ComitLs der Great Synagogue (Dukes Place) und des Comitcs der Ilniteä Synagogue und Vorstand mehrerer Wohlthätigkeitsvereine. Der edle Dahingefchiedene hinterläßt eine Wittwe und zwei Kinder. Der Vorstand der Dukes Placs-Gemeinde und eine große Menge von Freunden wohnten dem Leichenbegängnisse bei. mxjn. Vermischtes. Wien, 6. Januar. Ter Großindustrielle Wilhelm Ritter v. Gutmann, (5hef des Hauses Gebrüder Gutmann, feierte heute sein vierzigjähriges Geschäfts-Jubiläum. An der Feierlichkeit betheiligten sich sowohl jene industriellen Körperschaften, in welchen die Brüder Wilhelm und David Gutmann hervorragend betheiligt sind, als auch eine große Anzahl von humanitären Anstalten, welche durch Wohlthätigkeitsarte der genannten Großindnstriellen bedeutende Förderung erhalten haben. Von größeren Beträgen, welche dieselben erst in den letzten Jahren wohlthätigen Zwecken zugewendet, seien