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Der Israelit · 1892-01-07 · Heft 2 (7.1.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 2 (7.1.1892)
Date
1892-01-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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84 als er gibt. Den anwesenden Ellern, die als Gäste erschienen waren, empfahl der Redner den pflichtgemäßen Zehnten in vollem Umfange zu spenden, denn die Pflicht des Juden sei es, nicht nur den Zehnten seines materiellen Gewinnes auf dem Altar der Menschenliebe als Opfer niederzulegen, auch den Zehnten der Liebe, die man seinen eigenen Kindern widmet, soll man den Kindern der Armen schenken. Den Ausspruch eines bedeutenden Schweizer christl. Gelehrten citirend, daß viel Elend aus der Welt getilgt und die soziale Frage zum großen Theil gelöst werden könne, wenn man sich entschlösse unsere Gesetzgebung auf der mosaischen aufzubauen, fordert der Redner die Anwesende auf, im Spenden nicht zu ermüden, Geld und Liebe dem so herrlich aufblühendeu Institute zum Opfer zu bringen, da noch viel zu thuu, besonders an ein eigenes Heim für den Kindergarten zu denken sei. Reicher Beifall lohnte den Redner. Nach einem von Herrn Meyer Seligmann Goldschmidt vorgctragenen Oratorium betraten dann die Kinder unter Führung der Leiterin des Kindergartens, Frl. Ellbogen, den Saal. Die vorgeführten Spiele, welche exact ausgeführt wurden, fanden reichen Beifall und brachten der Leiterin allseitigen Dank. Hierauf wurden die Kinder mit Chocolade und Kuchen durch junge Damen bewirlhct, und mit der Berthcilnng der Geschenke schloß die schöne Feier. A m e r i k a. Baltimore, 18. Dez. Aus Ost-New-Aork wird über eine Judenhetze berichtet. Auf Beran-üssn->g von Joseph Morris wurden mehrere junge Raufbolde, welche am letzten Sonntags-Abend eine Anzahl jüdischer Bewohner des Stadttheils insultirt und mißhandelt hatten, verhaftet und vom Richter Kenna zum Verhör fcstgehalteu. Die Polizei steht derartigen Vorfällen insofern machtlos gegenüber, als der 17. Bezirk, welcher durch die 26. Ward gebildet wird, ein Areal von 9 Quadratmeilen umfaßt, welches von den 29 Polizisten, die dem Eapirän Frcnch zur Verfügung stehen, nur in sehr unvollkommener Weise berücksichtigt werden kann. Vermischtes. Berlin, 2t. Dez. Die Herren Landrichter Eichelbaum und Tr. ji'.r. Gnmbinner sind zu Land-Gerichts-Räthen, Herr Amtsrichter Bamberg er zum AmEZ-Gerichts-Nath ernannt worden. Angsbnrg, 29. Dez. Für unsere nothleidenden russischen Brüder wurde dieser Tage in dem schönen Saale der „Geselligen Bereinigung", welche ausschließlich aus isr. Mitgliedern besteht, ein „Bazar" veranstaltet und das Ergebnis; desselben, die beträchtliche Summa von 1970 Mk. abgesandt, — bereit* die zweite Geldsendung von hier. Wien. Das „W. T." schreibt: „Vor Kurzem starb hier in der Zclinkagassc 4 im Alter von 72 Jahren ein bescheiden und zurückgezogen lebender Jungesette: Herr Ignaz Leidesdorf, dessen wenige Bekannten keine Ahnung davon hatten, das; er ein nach Millionen zählendes Vermögen bcsive. Er suchte seinen Stolz darin, als Muster von Sparsamkeit zu gelten. Keine überflüssige Ausgabe, das war sein Losungswort. Niemals besuchte er ein Gast- oder Kaffeehaus und im Theater sah man ihn nur selten und da ans der vierten! Galerie mit einem den Theaterzettel enthaltenden Zeitungsausschnitt in der Hand. Seit sünsnnddrci'ßlg Jahren hatte er Wien nicht verlassen; er fürchtete, daß seine Wvhnnng ansgeranbt werden könnte und auch seine Wvhnnng verließ er selten. Nunmehr erfährt man, daß Herr Lcidesdors ft. 700,000 Haares Geld, eine Million in Norddahn-Aenen und drei schuldenfreie Häuser hinterlaffen hat. Eine in Wien lebende Nichte, die Gattin eines Arztes, ist die alleinige Erbin des bedeutenden Vermögens, welches Herr Leidesdorf besessen, aber nicht genossen hatte". Wien, 80. Dezember. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus theilt Folgendes zur Kennzeichnung des Vorgebens der antisetnitischen Blätter mit: Vor einiger Zeit erschien in einer dieser Zeitungen nachstehende Notiz: „Ans Stanislan wird uns geschrieben, das; unter den dortigen Einwohnern eine große Aufregung gegen die jüdischen Brotbäcker herrscht. Dieser Tage wurde von der städtischen Polizei in allen Straßen ansgctrommelt, „daß man von den jüdischen Brotbäckern rein Brot nrehr taufen soll, weil sie (die Bäcker) zur Erzeugung des Brotes das Wasser benützen, mit welchen die jüdischen Leichen gewaschen werden." Dieser Fall wurde von einem Schnstergcsellen und zwei Ammen unter Schwur beim Gerichte bestätigt, in Folge dessen wurden alle jüdischen Brotbäaereien behördlich geschlossen : die gerichtliche Untersuchung ist angeordnet worden." Es war von vornehccein klar, daß es sich bei dieser Notiz um eine gemeine Fälschung handele, indessen wandte sich der obenerwähnte Bereit! doch an das Bürgermeisteramt der Stadt Stanislan, welche nun folgende Zuschrist gesandt hat: „Es wird Ihnen hiemit initgctheilt, daß die Notiz bezüglich der hiesigen jüdischen Brotbäckereien vollständig unwahr ist. Die städtische Polizei hat niemals verlautbart, daß inan bei den jüdischen Brotbäckern lein Brot mehr kaufen soll, weil sie zur Erzeugung des Brotes das Wasser bcnnnen, mit welchem die jüdischen Leichen gewaschen werden. Es ist nicht wahr, daß dieser Fall von einem Schnstergesellen und zwei Arumcu unter schwur beim Gerichte bestätigt wurde, ebenso unwahr, das; in Folge dessen auch keine einzige, geschweige denn alle jüdischen Brotdackereicn behördlich geschlossen und eine gerichtliche Untersuchung ungeordnet worden sei. Ein derartiger oder mrdi nur ähnlicher Vorfall ist hierorts niemals zur Anzeige oder Kenntnis; gebracht worden und fand niemals eine derartige Verlantbarnng, Einvernahme oder Untersuchung statt." Lemberg, 25. Dez. .Herr Landes-Gerichts-Adjnnkt Dr. S. Scharr ist zum Gerichts-Secretär beim Kreisgcricht in Zloezow ernannt worden.

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