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Der Israelit · 1892-01-07 · Heft 2 (7.1.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 2 (7.1.1892)
Date
1892-01-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 2. XXXIII. Jahrgang. Der Israelit. Sin Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 7, Januar 5652 (1892). Leitender Artikel. Iur Würdigung des SchulchanAruch. Von Bezirks-Rabbiner Dr Ehemann in Baden (Schweiz). I. Der Schulchan Aruch zählt nach dem Talmud zu den bestgehaßten Büchern. Seine Gegner setzen sich aus Juden und Nichtjuden zusammen. Die letzteren interessiren uns hier nicht, oder nur in ganz untergeordnetem Grade. Sie kennen den Schulchan Aruch, den sie angreifen, entweder gar nicht, oder höchstens aus tendenziös gefälschten Uebertragungen. Sie schlagen den Schulchan Aruch und meinen den Juden. Indem sie aber ihren Judenhaß mit ihrer Gehässigkeit gegen den Schulchan Aruch, wenn auch mit sehr fadenscheinigen Vorwänden begründen, legen auch sie unwillkürlich Zeuguiß für den innigen Zusammenhang ab, der zwischen der Jndenheit und diesem ihrem Codex tatsächlich besteht. Dieser gehässigen Gesinnung mit Erfolg entgegen zu treten, ist schwierig, wenn nicht geradezu unmöglich, weil sie immer leichter geneigt sein wird diesen Fälschungen als einer wahrheitsgemäßen Darstellung Glauben zu schenken. Diese Gehässigkeit, so dreist und brutal sic auch auftreten möge, dürfte von jüdischer Seite vielfach überschätzt werden, und ebenso auch der Werth der gegen sie gerichteten publicistischen Kundgebungen. Wohl mögen der Wahn, die Verkennung und das Vorurtheil gegen das Iudenthum, gegen die Jndenheit uns ihre Bekenntnißschriften uns mit Schmerz erfüllen, aber wenn es einen Trost dafür giebt, so ist cs der, Unglücksgenossen gerade in den Reihen unserer Gegner zu haben. Verbitterter und heftiger haben doch entartete Bekenner des Christenthums uns Juden, unsere Moral, unseren Talmud und Schulchen Aruch niemals angegriffen, wie sich z. B. Katholiken und Protestanten selber untereinander befehden und ihre religiösen Bekenntnißschriften, Charakter, Sitte, Welt- und Lebensanschauung zum Gegenstand gegenseitiger Angriffe machell. Wenn unsere Gegner unter sich selber voller Unduldsamkeit und Vorurtheil sind, können wir von ihnen verlangen, daß sie uns mit anderem Maaße messen? So wenig diese Unduldsamkeit in den Reihen unserer Gegner, wo sie schon mörderische Kriege entflammt hat, durch Schrift und Wort sich beseitigen läßt, so wenig läßt sich das Vorurtheil gegen Juden und Iudenthum aus der Welt reden oder schreiben. Die Versöhnungsschriften nehmen den Charakter von Streitschriften an und geben dem Brand neue Nahrung, den sie löschen wollen. . Dazu kommt noch, daß unsere red- und schreibselige Zeit genug gethan zu haben glaubt, wenn sie geredet und geschrieben hat. Dadurch wird sie aber abgelenkt von dem, was allein von uns zur Besserung unserer Lage geschehen kann. Leiden wir, weil wir Juden sind, und sind wir wirklich nicht in der Lage, etwas dagegen zu thun, so sollten wir wenigstens Juden, ganze Juden sein. Verfehmt man die Schriften des Judenthums, aus welchen wir die Norm für unser Thun und Lassen schöpfen, weil wir sie daraus schöpfen, so sollen wir uns mit diesen Schriften recht innig vertraut machen, wenn wir doch nun einmal für sie verantwortlich sein sollen. Aber als Jude verkannt und verbrannt zu werden, ohne es in Wirklichkeit zu sein, als Talmud- und Schulchan-Aruch-Jude verhöhnt zu werden, ohne von diesem Schriftthum auch nur irgend welche Kenntniß zu haben, das ist in der That unerträglich. Diese Unerträglichkeit haben einige weltkluge, jüdische Abböes, welche Rabbinatsstühle inne hatten, beseitigen zu können geglaubt, indem sie allen Ernstes den Vorschlag machten, das Iudenthum zu Gunsten der Judenheit Preis zu geben. Sie haben einen Kreuzzug gegen Talmud und Schulchan Aruch eröffnet, um vor aller Welt zu constatiren, die heutige Judenheit stände gar nicht mehr ans dem Boden, der uns bis jetzt getragen und erhalten hat. Sie haben eine Scheidung zwischen biblischem und rab-

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