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Der Israelit · 1892-01-04 · Heft 1 (4.1.1892) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 1 (4.1.1892)
Date
1892-01-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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12 „Das Aeußere des genannten Wesens ist das einer Mähre, die Gefühle und Handlungen aber rein menschlich. Uebrigens muß man dieses Doppelding nicht als ein Wunder betrachten, denn schließlich kann man auch da sagen, „es gibt nichts Neues unter der Sonne" und auch solche Sachen sind schon dagewesen. Denn, was sind denn beispielsweise die Parias in Indien? Eine gewisse Menschenklasse, die als Vieh behandelt wird. Und was waren die Leibeignen? Weder Mensch noch Thier. „Aber ich will mich in keine Reflexionen entlassen, sondern nur Thatsachen constatiren nämlich dieses Doppelgeschöpf, welches in unserer Gegend lebt, kommt täglich mehr herunter. Es muß seinen Kopf unter dem Joche beugen, muß Lasten tragen, die zehnmal seine Kräfte übersteigen und für all diese Arbeit erntet es gar keinen Lohn. Ueberall wird es mit Schmach und Schande zurückgedrängt, als wäre es von einer Seuche befallen, wird es gewaltsam von der übrigen Heerde getrennt, und wenn es wagt, um eine erträglichere Existenz zu bitten, wird ein Zetergeschrei erhoben und es regnet Schläge auf die unglückselige Schindmähre nieder! Sie wird als vogelfrei betrachtet und selbst viele Mitglieder unseres Vereins, die Augenzeuge sind, wie dieses arme Geschöpf drangsalirt wird, drücken die Augen zu, als ginge sie das gar nichts an. Drum erachre ich es für meine Pflicht, dies zu Ihrer Kenntniß zu bringen, denn abgesehen von all den Umständen, die das fragliche Wesen berechtigen, eine menschenwürdige Existenz zu verlangen, ist es doch jedenfalls ein göttliches Geschöpf, nicht schlimmer als eine andere Mähre, und als solches kann sie Schutz von Ihrem Thierschutzverein beanspruchen... Und deßhalb bitte ich Sie, meine Herren vom Vereine, da Sie doch Ihre Interesse für alle Thiere bekunden, erbarmen Sie sich auch dieser armen, von Allen verlassenen Mähre. Nehmen Sie sie unter Ihre schützenden Fittiche, daß sie nicht mehr wie vogelfrei und herrenlos umherirre! Lassen Sie auch ihr Ihre Hilfe angedeihen, damit sie an ihrem armen, geschundenen Leibe erfahre, daß ein Thicrschutzverein existirt." Der Schlußpassus meines Briefes, „daß sie erfahre, es cxistire ein Thierschutzverein", harte ich mit kräftiger weithinschallender Stimme vorgetragen, daß es im ganzen Walde wiederhallte. Das Völklein im Walde schien hievon hoch erfreut, erhob, hüpfend, springend und fliegend ein Gejohle und ließ den Verein hoch leben! Nur die arme Mähre nahm an dieser allgemeinen Freude keinen Antheil, sie beobachtete ein Schweigen, schüttelte mit dem Kopfe und schaute mir lächelnd in's Gesicht, als wollte sie sagen: „Ach, bist Du ein Phantast." Das hat mich sogar einigermaßen verdrossen, ich sagte mir aber zu ihrer Entschuldigung, sie hat leine Idee von einem Briefftyle, ist sie doch jahrelang eine Mähre. Ich zog ein zweites Papier hervor und begann die vom Vereine empfangene Antwort vorzulesen: „Antwortlich des an uns gestellten Ansuchens betreff der Schindmähre, oder des unglücklichen, undefinirbaren Geschöpfs, geben wir Ihnen, geehrter Herr, hiermit kund, daß in dieser Angelegenheit auch von anderer Seite bei uns Klagen eingelaufen sind. Diese Berichte melden, mit Ihren gefälligen Mitthetlungen übereinstimmend , daß die Mähre ohne jeden Grund von ihren Peinigern geschunden wird und bitten gleichfalls um unsere Intervention, um deren elende Lage zu mildern. Sie bitten, daß wir an unsere Vereinsmitglieder die Weisung ergehen lassen, daß wir die Mähre unter unser« Schutz genommen, sie sei deßhalb gleich andern zu behandeln, und daß jeder Zuwiderhandelnde zur Verantwortung gezogen wird. Manche Rapporte weben gar um die Schindmähre eine ganze Legende, daß ihr Haupt von einer Gloriole umflossen erscheint. Aber auch gegentheilige Meldungen sind uns zugegangen, nämlich, „daß sie es nicht verdiene, unter unser« Schutz gestellt zu werden, daß sie kein Erbarmen und Rücksicht beanspruchen darf und wenn man ihr hie und da einen Rippenstoß versetze, hätte das nichts zu bedeuten, da man auf andere Weise mit ihr nicht auskommen könne!" Laut Aussage dieser Herren, soll ihre ganze Lebensweise keine correcte sein, man muß sie die Peitsche fühlen lassen, denn sonst kann man sie weder leiten noch bändigen. Man kann es auch nicht verargen, meinen sie, wie man ein Zusammenleben mit den andern nicht gestaltet, da ihr solche Gebresten anhafteu, die das nicht rathsam erscheinen lassen. Auch soll sie zu einer producriven Arbeit nicht gut verwendbar sein u. ihre sonstigen Beschäftigungen bringen der Gesellschaft eher Schaden, als Nutzen u. f. w." (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 9. Januar, 9. Thebet. Sabbat-Anfang 3 Uhr 50 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 10. Januar, 10. Thebet. Sabbat-Ausgang 5 Uhr 10 Min. (Mainzer Uhr.) Sonntag, 11. Januar, 11. Thebet. man mttfy. Briefkasten der Redaktion. A. B. in Frankfurt a. M. Der Betrag recrutirt sich grösUentheils aus Sammlungen bei Hochzeiten und sonstigen Familienfestlichkeiten. Briefkasten der Expedition. Huttenheim. Betrag empfangen. B. R. in Pressburg fl. 3.— empfangen.

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