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Der Israelit · 1891-12-28 · Heft 101 (28.12.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 101 (28.12.1891)
Date
1891-12-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Beilage,«M101 i»s „Israelit Ieschurim" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 8. Frankfurt a M, 23. Dezember. Heute fand unter zahlreicher Betheiligung geladener Gäste die Einweihung des neuen Schulgebäudes der „Israelitischen Volksschule" statt. Eine einfache und schlichte, aber herzerhebende Feier war es, die in den hellen Räumen des schön sreigelfgenen ''und architektonisch schmucken Schulhauses abgchaltcn wurde; herzerhebend, weil es sich hier wieder zeigte, wie Edelmuth und Humanität wiederum sich in den Dienst der Menschenliebe gestellt, indem den Kindern der Minderbegüterten und Armen eine freundliche Stätte für ihr Schulleben bereitet wurde, so recht geeignet ihnen dasselbe zu einem glücklichen zu gestalten. — Die Feier wurde durch einen Gesang der Schulkinder eingeleitet, und alsdann die Versammlung, in der wir die Herren Stadtrath Grimm und Herrn Stadtschulrath Bornemann als Vertreter der Behörden bemerkten, von dem Vorsitzenden der Verwaltung, Herrn Emanuel Schwarzschild begrüßt, welcher in kurzen und übersichtlichen Zügen die Geschichte der Schule — entwickelte. Dieselbe wurde im Jahre 1882 mit einer Klasse eröffnet uud erweiterte sich alsdann zu einer achtklassigen Schule, in deren vier unteren Klassen Knaben und Mädchen gemeinschaftlichen, in den zwei oberen, die je zweijährige Kurse haben, getrennten Unterricht genießen. Mit der Zeit wurden die bisherigen Räume, die frühere Realschule der israelitischen Religionsgcsellschaft, welche der Schule gratis zur Verfügung gestellt worden war, zu eng; da fand sich ein edelherziger Wohlthäter, welcher eine namhafte Schenkung zum Neubau einer Schule machte. Der Bau wurde dem Architekten Phil. Striegler und den Bauunternehmern Herren Gebr. Helffmann übertragen, der dann zur vollen Zufriedenheit der Auftraggeber ausgeführt wurde. Mit dem Danke für alle, welche die Sache der Volksschule gefördert, schloß der Redner. Hierauf entwickelte Herr Direktor Dr. Hirsch, der auch die Leitung dieser Schule in Händen hat, in längerer Rede die Bedeutung der jüdischen Volksschule. Er erinnerte daran, daß gerade vor zehn Jahren die in der Nähe liegende Realschule der isr. Religionsgesellschaft, deren Bau derselbe Architekt zur größten Zufriedenheit geleitet, eingeweiht wurde, daß aber auch die Volksschule demselben Prinzips wie die Realschule diene: pa yn Dy min Erziehung im Geiste der Thora und zum unverbrüchlichen Festhalten an derselben zugleich mit der Erziehung für das praktisch bürgerliche Leben. Nicht in einseitiger Beschränktheit findet die wahrhaft jüdische Erziehung ihr Genüge, sie zieht alles Wissenswerthe in ihren Kreis. Vor allem aber erzieht sie zur Menschenliebe, die keine Rasse, kein Religionsbekenntniß von ihrer edlen Werkthätigkeit ausschließt. Ist es ja die Thora, die in allen Menschenkindern das gottähnliche Ebenbild sieht, ist es ja der jüdische Grundsatz, daß alle Menschen, die ihrer Pflicht genügen, welcher Abstammung sie auch seien, der ewigen Seligkeit theilhaftig werden. So betont die jüd. Schule nicht das, was die Menschen trennt, sondern,! was sie eint. Dieser Gedanke bildete dann den Uebergang zu dem der Erziehung zum Patriotismus. Dem Lande feiner Geburt mit Siebe anzuhängen, sein Wohl zu fördern, an seinem Gedeihen mitzuarbeiten, ist dem Juden religiöse Pflicht, dafür werde die Jugend erzogen, dafür solle sie in diesem Hause erzogen werden und so schloß denn der Redner mit einem dreifachen Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser, dessen Bild auch den Saal im Blumenschmuck zierte, und die Versammlung stimmte begeistert ein, um dann stehend die von dem Chor der Schulkinder gesungene Kaiserhymne anzuhören. Ein zweiter Gesang „Stimmt an mit hellem hohen Klang" schloß die Feier. Dem edlen Wohlthäter, Herrn Selig Goldschmidt, dessen hochherzige Schenkung den Bau des Schulhauses ermöglichtete, wurde nun allseitig gratulirt, und die Besichtigung de- Hauses, die nun stattfand, sagte jedem, daß daS Lob, welches den Baumeistern aus dem Munde der Redner gespendet wurde, nicht übertrieben war. Wir wollen auch nicht zu erwähnen vergessen, daß das Büffet, welches in einem der Zimmer ausgestellt war, reichlichen Zuspruch fand. Crefeld, 11. Dez. Aus Anlaß der Stadtrathswahlen hat hier eine Versammlung stattgefunden, auf welcher der Stadtverordnete Direktor Dr. Wollseiffen Veranlassung nahm, das Treiben der Antisemiten mit scharfen, aber gerechten Worten zu geißeln und für die „Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz, welchen Glauben sie auch bekennen, und welcher Rasse sie auch durch ihre Abstammung angehören mögen", einzutreten. Er schilderte die Agitation, welche auf den „bösen Instinkt der Menge" spekulirt, und erwähnte, wie er die Angegriffenen vertheidigt habe, obgleich manche Umstände ihm eine gewisse Furcht Hätten einflüßen können. „Den Hetzereien öffentlich gegenüber zu treten, fühlte ich mich verpflichtet als Lehrer und Leiter einer Reihe von israelitischen Schülern, die durch Fleiß und Tüchtigkeit eine Zierde des Gymnasiums waren und namentlich hinsichtlich der dankbaren Gesinnung, mit der sie ihrem alten Lehrer

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