Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-12-21 · Heft 99 (21.12.1891) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 99 (21.12.1891)
Date
1891-12-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448214--33324-2481211
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1864 zu diesem Ende alljährlich 250 1'. St. solange beizusteuern, als Herr Schächter diese Stelle einnimmt. Das Profefforencolleginm empfahl die Annahme des Anerbietens von Herrn de Montefiore und befürwortete die Errichtung einer Professur für Talmud mit einem jährlichen Stipendium von 850 L. unter der Voraussetzung, daß 250 L. St. zu diesem Zwecke durch Privatschenkung oder Vermächtniß aufgebracht werden. Mit der Leitung der Kolonisation in Argentiirieu ist — wie aus Paris berichtet wird - seitens der vom Baron Hirsch gegründeten internationalen ziolonisations-Gesellschaft ein in Buenos-Ayrcs wohnhafter Ungar, Dr. Adolf Roth definitiv betraut worden. Gin Helüöde. < Nach einer Familien-Tradition von Alathias Kisch. (Schluß.) Den nächsten Tag erbat sich Salomon von der Herrschaft die Erlaubniß, da kein jüdischer Friedhof in der jNähe war, sein Kind in den Garten begraben zu dürfen. Der Zimmermann des Ortes brachte bald den aus sechs rohen Brettern gezimmerten Sarg. Die unglückliche Mutter erblaßte; sie warf einen Blick voll unaussprechlicher Bitterkeit auf den kleinen Raum, der nun ihr Liebstes verschließen sollte, dann schritt sie zur kleinen Leiche, um selbe zu bekleiden. Es war ein das Innerste der Seele ergreifender Anblick, die Mutter zu sehen, wie sie mit aller Sorgfalt an der Leiche hantirte, die das Grab in wenigen Stunden schon unwiederbringlich verschlingen sollte. Sie richtete den todt n Körper auf ihrem Schooße auf, unterstützte den Kopf mit ihrem Arm, kämmte sorgfältig die Haare, dann bekleidete sie diese mit weißen Linnen, Hemdchen und Hosen, die sie erst kürzlich für den Kleinen genäht hatte, hierauf legte sie das Kind, ohne eine Klage laut werden zu lassen und eine Thräne zu vergießen, in seine letzte Behausung und — stürzte ohnmächtig zu Boden. Indessen hatte der Vater mit Hilfe eines Arbeiters draußen im Garten unter einem schattigen Lindenbaum, das Grab fertig gemacht. Nun kam die Reihe an ihn, die letzte schmerzliche Pflicht zu erfüllen. „Auch ich will mich stark zeigen," sagte er, „wir haben es uns in dieser Nacht geschworen." Er gab seinem tobten Kinde den letzten Kuß, legte das Deckbrett aus den Sarg, hob mit sträubenden Haaren, starren Blicken, den Angstschweiß aus der Stirne, den Sarg auf, und eilte damit, wie von einer unsichtbaren Gewalt getrieben, aus dem Zimmer. — Eine halbe Stunde später warf er auf ihn die ersten Schollen jener Erde, welche nun beider Glück umschloß. Kein Stein, keine Blume schmückte das Grab, nur der schweigsame Lindenbaum zeigte die Stelle, wo ihr Alles ruht. Einige Wochen später verließ Doktor Salomon Kisch und Esther, reich mit Empfehlungen von der Herrschaft versehen, den Ort, wo sie soviel Freude und noch mehr Leid erfahren hatten. Salomon wanderte zurück nach seiner Geburtsstadt Prag. Eingedenk dem Gelübde hatte er seiner ärztlichen Kunst gänzlich entsagt. Mittels der Empfehlungen an mehrere hohe Adelige und an den Erzbischof in Prag .'gelang es ihm, sich das Recht zur Führung einer Apotheke in der Judengasse zu erwerben, mit dem Beisatze, daß er stets einen christlichen Provisor halten müsse, der besonders die für Christen bestimmten Medikamente zu bereiten habe. Einige Jahre, nachdem er nach Prag zurückgekehrt, beschenkte ihn seine Esther wieder mit einem Sohne. Salomon, der trotz seines voreiligen Gelübdes die ärztliche Kunst, ohne sie auszuüben, hoch hielt, faßte den Vorsatz, diesen Knaben einst Mediciner werden zu lassen, welcher Wunsch auch erfüllt wurde. Die ersprießliche Thütigkeit der beiden Prager Aerzte D o kt or I onas K i sch und Baruch Jeiteles steht noch heute nach fast 100 Jahren im besten Angedenken im Prager Ghetto. Wochen - Kalender. Freitag, 25. Dezember, 24. Kisleiv. Sabbat-Anfang 3 Uhr 40 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 26. Dezember, 25. Kisleiv. .TDUfi .ITTDE 3K’" Sabbat-Ausgang 4 Uhr 50 Min. (Mainzer Uhr.) Briefkasten der Redaktion. S. 'S. lOO. Wir entsprechen gern Ihrem Wunsche. Mehrere Leser des „Israelit" in Frankfurta. M. Wegen Raninmangel konnten wir seiner Zeit — da wir gleichzeit g den aussühriichen Bericht der in Berlin tagenden Dcle girtcri-Bersarninlimg für die russischen Juden brachten — betressende Rede nur im Auszuge znm Abdruck gelangen lassen. Wir haben derselben auch eine solche Wichtigkeit nicht beigelegi. Wenn Sie den Wortlaut der Rede zu lesen wünschen, so sind wir gerne bereit. Ihnen solche an eine voir Ihnen auszngebende Adresse zu senden. Druckfehler-Berichtigung. _ In dem Artikel: „ Die Schächtfrage vor dem Schweizerischen Nationalrath" in Nr. 97 soll es heißen: Das Abstimmung^ verhältniß lautet: 80 gegen 43. — Von den Namen der Red ner sind zu berichtigen: Cavat, Decourtins und Merkte. In der Auslösung des Preis-Rärhsels in voriger 'Nummer soll es statt NLV: Enge, N2Q: Stirn e und statt ÜNl2 : Stirne, }>n£: Wunde heißen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.