Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 98 (17.12.1891)
- Date
- 1891-12-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgang. _ Zweite Beilage?»M 98 s-s „Israelit & Ieschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Bockenheim. Der Lehrer unserer jüdischen Gemeinde, welcher noch nicht lange das Seminar verlassen hat, mußte sich in diesem Frühjahr zum Militär stellen. Er glaubte, wie seine Kollegen, die in staatlichen Stellungen sind, nur eine zehnwöchentliche ttcbung durchmachen zu müssen. Allein es wurde ihm mitgeiheilt, daß sür ihn diese Vergünstigung nicht bestehe, da seine Schule nur eine Religionsschule, >jene aber nur für die Lehrer an öffentlichen Volksschulen Geltung habe, er daher drei Jahre dienen müsse, falls er sich nicht nach einer anderen Stellung umsehe. Diese Praxis wird in Preußen allenthalben gehandhabt, und eine ganze Reihe Lehrer war aus diesem Grunde gezwungen, ihre Stellungen zu verändern, oft unter den schwierigsten Verhältnissen. > vermischtes, «k- Aus Ungarn, 1<>. Rovern der. Am ll. dss. Mls. ist der berühmte jüdische Gelehrte :)[. .Shtlnimin Lin - d e n s cl d i’* in G r o H w a rd e i n gestorben. Der Vertllichene. ein Zdfülcr der über die Grenzen unseres Landes rülnnlichft bekannten HJl a f 6 e r imd L i p t«'»- <2 z l.- \Vl iskl 0 e r Rabbiner, erwarb sich noch in der fugend drirch seinen durchdringenden Geist und unermüdlichen Fleiß die Liebe seiner Lehrer und die Achtung weiterer Preise. Als Lehrer au der Großwnrdeiner „Talmnd- Thora-Ansralt" entfaltete er viele Fahre hindurch eine ausgezeichnete Thätigkeit und nicht wenige bedeutende Thoragelehrte nennen sich feine Schüler. Sparer ward er Dajan der orth. ttultnsgeweinde zu Großwardein, in welch ehrenhafter Stellung ihn der nnerhittliche Tod in seinem ö7. Lebensjahre ereilte. rrrjyjn. Am l 1. l. Mts. har der auch im Anslailde bekannte hebräische Schriftsteller Simon Bacher seine Angen in Budapest zur eivigen Ruhe geschlossen. Schon in seinen Fugendjahren begann er zu schriftstellern und hat mehrere Werkchcn in hebräischer Sprache, die er mit einer scltcueu Virtuosität beherrschte, geschrieben, von denen, noch mehr als die selbständigen Dichtungen, seine kunstvollen Ilebersevnngen ungarischer und deutscher Poesien von Petofi und Aranh, Schiller und L e s sing ihm die warme Lluerkeituung der Fachleute ciutrugen. Besondere Verdienste hat sich Simon Bacher, - - und das wird heute in Ungarn allgemein anerkannt, nm die nationale Fdee der Magharen erworben, indem er die kostbarsten Erzeugnisse der ungarischen Dichterkänige Petösi und Arany in hebräischen Lauten erklingen ließ, und hiedurch in den großen Märztagen und zu Beginn der sechziger Fahre für die Sache der Freiheit große Dienste geleistet hat. Seine Arbeiten sind theils in selbständigen Werkchen, theils wieder in verschiedenen hebräischen Zeitschriften erschienen. — Leopold Großberg. 1 * ö 11. v’ Ein Helttöde. -s Zllach einer Familien<Tradition non M a th i a s K i sch.- lßortsepuug.) Esther konnte noch iminer nicht das Schlimmste glauben, sie wollte ihn widerlegen, da mit einem Male verzerrte sich das Gesicht des Kleinen in furchterregender Weise, Esther erstarrte. „Ich will trinken!" rief das Kind mit erstickender Stimme, „trinken, ach Vater, lieber Vater, mach' mich gesund!" „Kann ich's dennV" heulte Salomon verzweifelt. „O, Himmel", setzte er mit wildem Grimme fort, und hob die geballten Fäuste nach oben; „warum gerade mir das, mit was Hab' ich das verschuldet?! Gut denn, ich schwöre bei diesem Kinde hier, daß ich von diesem Momente an meiner Wissenschaft entsage, daß ich nie mehr zu einem Krankenbette trete, um zu helfen. Möge diese meine Rechte verdorren, wenn ich je ein Recept schreibe, ich, der ich mein eignes Kind nicht deni Tode entreißen kann, will Niemanden mehr zu helfen, zu retten versuchen." Es kam der fremde Arzt aus der Stadt, die verzweifelte Mutter fiel vor ihm nieder, umfaßte seine Knie und bat, er möge „um Gotteswillen" Alles thun, nichts unversucht lassen, um ihr Kind zu retten. „Mein Gatte," setzte sie jammernd im vorwurfsvollen Tone fort, „ist in Folge des Schmerzes unfähig zu denken und zu handeln". Der Doktor versprach, das Menschenmögliche anzuwenden. Er ließ dem Kinde zur Ader, legte Zugpflaster an, machte Einschnitte in bk Haut, Alles blieb obne Erfolg. Das arme kleine Opfer schrie in einem fort und jammerte mit halberftickter Stimme: „O, was für Schmerzen! Mutter^ Mutter, geh nicht fort, der böse Mann thut mir so weh!" — und seine Händchen tappten in der Luft herum , als suchten sie die Mutter zurückzuhalten, die nicht daran dachte cs zu verlassen. Als alle Mittel erschöpft waren, zog sich der fremde Arzt zurück. Der Vater, der während der ganzen Operation apatisch in einem Winkel gesessen, und wie geistesabwesend ins Leere gestarrt, und die verzweifelnde Mutter blieben mit dem sterbenden Kinde allein. Der kleine Joseph krümmte sich in schauder-