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Der Israelit · 1891-12-17 · Heft 98 (17.12.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 98 (17.12.1891)
Date
1891-12-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII Jahrgang. fötftt Beilage,»M 98 in* „Israelit & Ieschurun- Leitender Artikel. UercK Schirah. Fortgesetzt von Lieprnan Philip Prins. (Der Lobgesung der Ströme.) Frankfurt a. M., 14. Dezember. XX. urp n'nn tp *p idtnv' rrnro onot« nnpii Die Ströme sprechen: (sie rufen laut uns zu.) „Die Ströme werden in die Hände schlagen, die Berge allesammt werden jauchzend jubeln." Mit welche hehrer Begeisterung schildert der königliche Sänger (Psalm XOVIII) die so heiß ersehnte Zukunft, deren Herbeiführung sein ganzes Streben geweiht war! Seine reiche Phantasie führt seinem poetischen Geistesblick eine völlige Veränderung aller Verhältnisse, sowohl der politischen wie der sozialen vor, die Naturgesetze sind ganz anders gestaltet, alles ist anders, wie er es sich vorgestcllt, wie es sein Inneres je geahnt. Israel ist wieder das Gottesvolk. Alle Völker der Erde erkennen es, daß über Israel der ewige Schutz der göttlichen Vorsehung waltet. Nicht mehr erblickt man in der fortschreitenden Bildung und Civilisation der Menschheit den Quell ihres Heils und Segens, ihrer Wohlfahrt und ihres Glückes, sondern in jedem menschlichen Gemüthe, in jeglichem Innern dämmert immer mehr, die es mit regem Bewußtsein erfüllende und durchdringende Erkenntniß aus iv-ip jn-rn uns' 'h nyttnn. Es war Gottes, des Herrn, Wille, nur seine starke Rechte, nur sein heiliger Arm hat dabei geholfen. Die ganze Erdenrunde jubelt und jauchzt, verkündet laut die regsten Gefühle heißesten Dankes, und Posaunenklang und Schofarruf wecken die Huldigung vor Gott, dem König, freudig braust das Meer, Ströme schlagen in die Hand, Berge freuen sich. Wohl ward manch' schönes Lied gedichtet, jene Zukunft, welche die erhabenen Gottesmänner und begeisterten Propheten verkünden, besingend, und von deren sicherem Eintreffen man überzeugt war, jene Zukunft, in der ein allgemeiner Friede sowohl das ganze All, wie die gesammte Menschenwelt in inniger Harmonie umschlingen wird, wo das schwache sanfte Lamm mit den ehedem blutdürstigen Raubthteren friedlich weiden wird; aber die herrliche Zukunft, wie sie das poetische Gemüth des lieblichen Psalmsängers erschaut, haben die Sänger nicht geahnt und so viel Begeisterung, so viel poetische Gluth sich auch in all den herrlichen Gesängen, die wir besitzen, bekundet, sie bringen nicht das erquickende Bild, welches die vom holden Liedersänger David erschaute Zukunft in Wirklichkeit darbietet, zum Ausdruck. Darum *nn '-6 nw. Neue Lieder müssen verfaßt werden, neue Melodien erklingen, dem begeisterten Innern entströmend, '2 rwy Gott hat Wunderthaten geübt. Und „jedesmal", wenn unser Geistesblick betrachtend bei den Strömen weilt, lehrt uns der Verfasser deS rrv» j?ib, rufen uns laut diese Ströme zu nnru w onn NN' *p wno»! Verstehen wir diesen Ruf, wird er uns klar und deutlich durch tiefe Betrachtung d Wohl, wenn wir auf den durch grünende Fluren und blühende Auen sich dahinschlängelnden Strom Hinblicken, die Pfade bewundern, welche Gottes schöpferische Allmacht geschaffen, auf denen Segelschiffe und Dampfer die Welt durchziehen und die Produkte der entfernten Länder mit sich führend die verschiedenen Völker und Staaten verbinden, ja, wenn wir auch darin Gottes Allmacht erkennen, daß es seine weise Vorsehung gefügt, daß das eine Land nunon „Fehlendes" habe und diese nuron als Bedürfnisse aus anderen Ländern herbeizuführen 'N psj ori3 nvnrfr, um dadurch auf natürlichem Wege alle Weltenbürger und Erdenbewohner zu ernähren, durch Handel und Industrie zu verbinden. Da wird unS immer klarer und klarer jener Ruf der Ströme, ihr freudiges Jauchzen und wonniges Jubeln. Ja, wir glauben, selbst dann diesen freudigen Ruf der Ströme zu verstcheu, wenn sie ihre Ufer über-- schreiten, und überfüllt von dem Wasser der von den Bergen herabrüselnden Bächlein und kleinen Flüssen, Felder und Wnsc üorschwemmt; gehen wir hin an den uralten N-t; heute noch ist er derselbe Segen für die Bewohner seiner Ufer, wie zur Zeit, da er unsere Väter in ihrer tiefsten Erniedrigung erblickte, fruchtbarere Breiten als die Ufer des Nils mag die Welt nicht hegen; ein Theil der Aecker werden von der Ueberschwemmungsfluth durchweicht uud gedüngt und selbst die höher gelegenen Fluren erhalten ihre künstliche Bewässerung durch den Fluß. Dem Fellah am Zieheimer (Schadüf) begegnen wir in Ober-Egypten, hier werden die Aecker durch Schöpfräder oder durch Hohlräder getränkt; Büffel und Kameele drehen die weithin knarrenden Wasserwerke. Hier wird das Wasser gehoben, um das seiner Zeit mit Blüthen, die denen der wilden Rosen gleichen, bedeckte Gesträuch von Baumwollenplantagen zu begießen, dort um Indigo-, Hanf- und Kornfelder zu tränken. In bunten Farben blüht auf den wetten Flächen der „Vater des Schlafs" (adu-u-nüm), wie die Araber den

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