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Der Israelit · 1891-12-10 · Heft 96 (10.12.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 96 (10.12.1891)
Date
1891-12-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1803 neben, ihr Auge folgte jeder Bewegung ihres Kindes. Die Arme war blaß und niedergeschlagen. Ohne ein Wort zu sprechen, reichte sie dem Galten ihre zitternde Hand. Dieser kannte die Zärtlichkeit, mit welcher sie an dem Kinde hing und erschrack daher nicht über die auffallende Veränderung in ihrem Aussehen. Salomon untersuchte genau das Kind, und trotzdem er sehr besorgt war, gab er sich doch alle mögliche Mühe ruhig zu scheinen, um Esther, deren Auge ängstlich seine Züge beobachtete, nicht noch mehr zu beunruhigen. Er gab ihr auch die besten Hoffnungen, sagte, es sei blos vorübergehend, eine gastrische Krankheit, vielleicht ein Ausschlag, der bald vorübergehcn werde, und anderes mehr, als plötzlich das Kind hustete, Dr. Salomon erblaßte und begann am ganzen Körper zu zittern, seine Augen traten aus den Höhlungen und die Hände fielen ihm schlaff herab. Dieser Mark und Beine erschütternde, bellende Husten, welchen keiner derjenigen, die ihn nur einmal vernommen, je vergessen, gab dem erfahrenen Arzte die niederschmetternde Gewißheit, daß sein einziges, geliebtes Kind, von dem schrecklichen Würger der Kleinen, von der Bräune erfaßt sei. Keines Lautes mächtig, stand er da und starrte ins Leere. Esther erschrak über das Gebühren und Aussehen ihres Gatten, sie konnte nicht begreifen, was mit ihm vorgehe, da doch der Knabe scheinbar munter war. „Salomon, was hast du?" fragte sie, ihre Hand auf seinen Arm legend. „Was ich habe?" schrie er, „nichts Hab' ich mehr, mein ganzes Lebensglück ist zerstört, ich habe kein Kind mehr!" „Mensch, bist du wahnsinnig worden?" sagte Esther, ihn entsetzt eine Weile anstarrend, doch setzte sie dann händeringend und wie ermahnend fort: „Salomon, Vater, Arzt, ermanne dich, hilf', rette mein Kind, unser Kind." Der Apell an seine ärztliche Pflicht brachte ihn wieder zu sich selbst; er eilte ins naheliegende Schloß, bat seinen Gönner händeringend, er möge einen seiner Diener schleunigst nach der einige Stunden entfernten Stadt senden, damit er von dort den ihm befreundeten Arzt herhole. Während für den Courier das Pferd gesattelt wurde, eilte er zurück nach Hause, bereitete in seiner Hausapotheke die nöthigen Brech- und fieberstillenden Mittel und eilte damit ins Krankenzimmer. Esther kam ihm entgegen. „Du hattest Unrecht, Dich so zu ängstigen, Salomon, glaube mir, die Mutter sieht schärfer als der Arzt". Er trat zu dem Bette: sah wie der Brustkorb des Knaben sich krampfhaft hob und senkte, wie er l am ganzen Körper zitterte. Die Nasenflügel des I Kindes erweiterten sich und mit Gewalt zog er den Athem ein: er bemerkte den kalten Schweiß auf dessen Stirne, und wußte, was dies Alles bedeute. Salomons Züge waren verfallen, sein Aussehen, gewöhnlich ruhig und heiter, nahuAetzt einen peinigenden Ausdruck von Ironie an; der Gram lagerte auf seinen zusammengepreßten Lippen, sein ganzes Aeußere bot das Bild der Verzweiflung, die jetzt auf einen so fürchterlichen Grad.gestiegenwar, daß sich Esther schaudernd von ihm wandte. „Der Arzt, sagtest Du", schrie er mit einer Art von Raserei, „da sieh her wie erLdasteht und sich und seinem einzigen geliebten Kinde nicht zu helfen weiß, Du glaubst, hoffst etwa auf meine ärztliche Kunst; Du täuschest Dich, sowie die ganze Welt sich täuscht, in uns, die wir uns^alle Aerzte nennen, — unser ganzes Wissen ist nicht einen Pfifferling werth; und wenn sie Alle hieher kämen, sie hätten nur Worte, kunstgemäße Ausdrücke, aber keiner — hörst Du, Weib — keiner würde Dein Kind retten. Es ist verloren, rettungslos verloren! Höre", setzte er fort> indem er krampfhaft ihre Hand ergriff, „wie der Athem kürzer wird; sieh wie das Kind im Todeskampf sich windet, noch einige Stunden, und er ist todt^—.todt und Alles ist vorüber". Bei der Bitterkeit, mit welcher der Unglückliche dies sprach, glaubte Esther, ein momentaner Wahnsinn habe sich seiner bemächtigt, und sie suchte ihn von der düsteren Wahnvorstellung abzulenken : „Sieh doch, unser Joseph ist so munter, so lebhaft, Du siehst zu schwarz, Salomon, betrachte nur wie schön roth feine Wangen sind, die blonden Haare, o, er ist ein Engel, der Stolz und die Freude meines Lebens!" Salomon warf ihr einen Blick zu, in dem die ganze fürchterliche Wahrheit' lag, und erwiederte langsam, mit hohler Stimme: „Es ist die Bräune, er muß sterben, muß in der kürzesten Zeit ersticken! O, welch eine bittere Verhöhnung ist die Wissenschaft, sie läßt mir nicht einmal die Täuschung!" Ein wahnsinniges Lachen begleitete diese letzten Worte. Es war wirklich die Wissenschaft, die ihm diese niederschmetternde Gewißheit gab. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten der Redaetion. A. B. C. in Aachen. Wenn im dreizehnten Jahre der Geburtstag auf rctP fällt, so kann der Junge an demselben rottf mSE "12 werden. Briefkasten der Expedition. D. E. in N. Bez. bis I. April 1892. I W. in Speyer. M. 5.— empfangen.* Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich,

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