Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 95 (7.12.1891)
- Date
- 1891-12-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXJL1. Jahrgang. Kellage j» M 95 r>«s „Israelit«. Ieschurun^ ZeiluugSnachrichle« ttttb Correfpo«de«zen. Deutschland. Berlin. Am N-n 'eb ywy wurde aus dem neuen Friedhofe der „Jüdischen Gemeinde" Jakob Egers zu Grabe getragen, ein Mann der sich die Achtung der hiesigen Gelehrtenwelt zu erringen und bis an seinen Lebensabend zu erhalten verstand. Er war ein Sohn des verewigten Rabbinatsassessors Joses Egers in Halberstadt. Der praktischen Ausübung des Rabbinerberufes abgeneigt, widmete sich der Verblichene ausschließlich der jüdischen Wissenschaft. Seine Wirksamkeit als Lehrer begann derselbe an der Religtonschule der hiesigen Hauptgemeinde, die z. Z. vom Dr. Ros i n geleitet wurde. Zugleich lehrte er jüdische Literatur und Hebräisch an der hiesigen Lehrerbildungsanstalt. Nach dem Tode Lebrechts wurde Dr. E. als Docent für Midrasch und neuhebräische Poesie an die Weitel-Ephraim-Stiftung berufen. Durch die Herausgabe des Diwan, des Abraham Jbn Esra, Berlin 1886, hat sich derselbe einen klangvollen Namen in der Gelehrtenwelt erworben. Berlin, 4. Dccember. Der Verein „Esra" der den Zweck erstrebt, die Kolinisation Palästinas zu bewerkstelligen, hielt heute eine öffentliche Sitzung ab. Den Vortrag hielt Herr Dr. Herzberg, der längere Zeit dem Waisenhaus zu Jerusalem Vorstand. Der Redner entwirft ein klares Bild der gegenwärtigen Zustände im heiligen Lande. Das allgemeine, alleLänder durchziehende Strebenden heiligen Boden neu zu bevölkern, sei anzuerkennen. Vor 14 Jahren, als Redner den Boden des gelobten Landes betrat war Jaffe eine kleine Stadt, wenige sefordische und drei aschkenasische Familien lebten daselbst, die Bewohner trieben einen unbedeutenden Handel nach Marseille. In der Nähe der Stadt war eine amerikanische und eine deutsche Colonte. Württembergische Bauern waren unter Führung des Pastor Hoffmann hingezogen, ,>um den Tempel wieder aufzubauen." Von jüdischen Kolonien war nur die Ackerbauschule unter Leitung des sel. Netter vorhanden. Der Sultan hatte zu diesem Behufe ein beträchtliches Stück Land auf 90 Jahre geschenkt und für die ersten 10 Jahre die Steuer erlaffen. Dennoch konnte die Anstalt nicht gedeihen, da sich die Bewohner des heiligen Landes sehr reservirt verhielten, indem sie aus Mangel an Vertrauen zu den iüdischen Führern, denselben ihre Kinder nicht überlassen wollten. Demzufolge mußte der größte Theil des Landes verpachtet werden und nur ein kleiner Theil sollte als Garten den Zwecken der Schule dienen. Doch selbst diejenigen, welche ihre Ausbildung an der Anstalt empfingen, hatten wenig Erfolg zu verzeichnen. Denn die jungen Leute konnten wegen der Heilighaltung des Sabbat keine andere Anstellung finden; sie mußten als Kutscher ihr Leben fristen, da es für die erlernte Landwirthschaft keinen Boden gab. Redner streift dann den Fortschritt der Stadt Jerusalem, deren Bewohnerzahl im letzten Jahrzehnt auf dreißigtausend Seelen gestiegen; Baugesellschaften hätten im Umkreise der Stadt recht bequeme Häuser errichtet, so daß der sanitäre Zustand sich sehr gebeffert. Die innere Stadt ließe diesbezüglich allerdings noch immer sehr viel zu wünschen übrig; bemittelte Einwohner wandern daher im Hochsommer nach der Hafenstadt Jaffa oder suchen die erfrischende Gebirgsluft bei Hebron auf. — Bezüglich der Entwickelung der Kolonien bemerkt Redner, daß die Ntederlaffungen der Württemberger sehr prosperiren, es blühe ein Weinexport nach Deutschland und Amerika, ihre Schulen seien gut organtsirt, es herrsche auch eine rege gewerbliche Thätigkeit, der Gesammteindruck iei ein sehr wohlthuender. — Nunmehr geht der Vortragende auf die Entwickelung der jüdischen Kolonien über, deren erste im Jahre 78 ins Leben trat. Dieselbe wurde unter dem Namen mpn nns von David Gutmann aus Ungarn ins Leben gerufen. Die Unternehmer hatten gegen große Schwierigkeiten anzukämpfen, die Schwachen, welche der Pest entronnen waren, mußten wegen der in der Nähe befindlichen Sümpfe, welche Leben und Gesundheit gefährdeten, Gegend und Land verlaffen, doch daS hinderte die Zurückgebliebenen nicht, den Kampf gegen die Widerwärtigkeiten aufzunehmen. ES gehöre überhaupt zu den rühmenswerthen Eigenthümlichkeiten unserer Brüder — führt Redner sehr treffend aus — daß traurige Erfahrungen sie nicht entmuthigen. _ Man trat mit besserer Einsicht anS Werk, und konnte sich bald deS Gelingens erfreuen. Jetzt steht ein schönes, großes Dorf da, die abgehärteten Bewohner widerstehen den Strapazen, trotzen der Witterung und erfreuen sich einer guten Gesundheit. Eine kräftige Bauerngeneration wächst heran, und — was ganz besonders rühmend hervorzuheben fei — die Colonie steht auf eigenen Füßen. Dem Mangel an Wasser ist durch einen 100 Meter tiefen Brunnen abgeholfen. — Auch in der n» r»n* Colonie gedeiht Wein- und Ackerbau, auch da wächst ein echter, Bauernstand heran. — Rührend war die