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Der Israelit · 1891-12-03 · Heft 94 (3.12.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 94 (3.12.1891)
Date
1891-12-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Zweite Beilage?«M 94 des „Israelit s- Irschurm" Zeitungsnachrichten nnd Correfpondenzen» Deutschland. Berlin, 25. Nov. Im deutschen Antisemitenbunde läßt man jetzt, um das Interesse anzuregen, Ausländische Antisemiten auftreten, so am Montag Abend in der Bockbrauerei den Abgeordneten Vergant aus^Wten. Außerdem produzirte sich Rektor Ahlwardt in bekannter Weise. Rendsburg. Am 4. v. Mts. starb der langjährige Kantor und Schochet der hiesigen Gemeinde, Herr^Gottschalk Frankfurter, nachdem derselbe wohl über 20 Jahre diesen Aemtern segensreich vorgeftanden. Vordem fungirte F. viele Jahre in Fridericia und genoß in beiden Gemeinden große Hochachtung. srasun Aus dem Kr. Offenbach. Bei der jüngsten Vorsteher-Wahl der isr. Gemeinde zu Heusenstamm wurden zu Vorstehern gewählt die Herren: Gutenstein, L. Schönemann und I. Frankfurter. Als Wahlkommissär fungirte der Großh. Bürgermeister Winter. Vom Großh. Kretsamte Offenbach wurden dieselben sodann am 10. dss. Mts. bestätigt und verpflichtet. 4- Vermischtes. *4 Berlin. 21. November. In der neuen Synagoge, Oranicnburger-Straße, ereignete sich am Freitag Abend ivährend des Gottesdienstes ein Zwischenfall, welcher gliicklicherweise"ohne ernstliche Folgen geblieben ist. An der Decke des Mittelschiffes^befinden sich mehrere „Sonnenbrenner", welche aus je 116 Gasflammen bestehen; dieselben sind inmitten der Rondels angbracht, welche früher Oberlichtzwecken dienten, später aber durch jene Brenner ersetzt und zu dem Behufe mit ornamental gestalteten Zinkrändern eingefaßt wurden. Wahrscheinlich snnktionirte einer der zum Abzug der Gashitze angelegten Ventilatoren nicht, die Hitze schmolz die Einfassung eines Zinkrandes, und dieser stürzte herab, glücklicherweise auf unbesetzte Sitze, welche durch das aus einer beträchtlichen Höhe herabsallende Metall beschädigt wurden. Der Sicherheit halber wurden die sämmtlichen Sonnenbrenner^ausgelöscht, zumal die unteren Räume der Synagoge auch ohne diese genügend erleuchtet sind. Der Gottesdienst wurde, nachdem die Anwesenden sich von dem^erften Schrecken^erholt hatten, fortgesetzt. Zweibrücker», 13. Nov. Gemäß der soeben veröffentlichten Ernennungen sind im pfälzischen Justizdienft auch zwei Juden befördert worden. Herr May etil. Staatsanwalt ani Landgerichte Frankenthal, wurde zum Landgerichtsrath in Zweibrücken und Landgerichtssekrctär Escales in Kaiserslautern zum Amtsrichter in Ludwigshafen ernannt. Prag, 20. November. Eine bedeutsame Kundgebung gegen den Antisemitismus haben wir zu verzeichnen. Am 14. d. M. Vormittags fand die feierliche Inauguration des neuen Rektors der deutschen Universität, Profoffors Kelle statt. Der Prorektor Professor Knoll äußerte in seinem Rückblick auf das vergangene Jahr seine Genngthuung darüber, daß durch die Schaffung einer czechischen theologischen Fakultät die deutsche Universität nunmehr von sprachlichen Wirren befreit worden sei. Weiter gab Knoll seinem tiefen Bedauern darüber Ausdruck, daß in letzter Zeit in einem Theile der deutschen Studentenschaft antisemitische Neigungen Platz ergriffen hätten. Er bezeichnet den Antisemitismus als eine „psychische Epidemie", welche gleich allen anderen Epidemien bald vorüber gehen werde; es sei nur nothwendig, daß man den Ansteckungsstoff von allem Anfang an unterdrücke. 4ifntUUUn. HG* 5" Novelle von N. Lebermann, stud. phii. (Schluß.) Fünf Jahre waren seitdem verflossen. Ein herrlicher Frühlingstag erglänzte, die Natur hatte ihr Festgewand angelegt, die goldene Sonne lachte mild auf unsere Mutter Erde herab, und muntere Vöglein sangen zum Preis und Lob ihres Schöpfers; es war ein Tag, ganz dazu angethan, das Herz des Menschen mit Andacht und Wonne zu erfüllen; nur auf jenen Mann dort, der sich eben erschöpft an die Mauer des jüdischen Friedhofs lehnte, schien die Schönheit der im Frühltngsschmuck prangenden Natur keinen Eindruck zu machen; auf dem edlen, bleichen Gesicht waren Kummer und Gram wie mit eisernem Griffel eingegraben. Es war Adolf Lilienfeld. Als er vor fünf Jahren aus feiner Vaterstadt gezogen war, da begann erst für ihn die Schule des Leidens. Unglück verfolgte ihn auf allen feinen Wegen, Unglück war bei ihm in allen einen Werken, das Unglück stand mit ihm auf, es egte sich mit ihm nieder. Vor ihm war er von Ort zu Ort geflohen, es hakte ihn gehetzt gleich einem Wilde, und er hatte ihm dennoch nicht entliehen können; es hatte innerhalb 5 Jahren den heitren Jüngling zum ernsten Mann gemacht. DaS Unglück war es, das ihm gelehrt Hatte, zu seinem Gotte ieten, sich mit seinem Gott zu versöhnen. In jenen kummervollen Nächten, in denen der Schlaf ihn

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