Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 94 (3.12.1891)
- Date
- 1891-12-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1763 Zeitungsuachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Maiuz, 1. Dezember. Der Rechenschafts-Bericht über die unter der Leitung des Herrn Districtsrabbiners Nathan Bamberger stehende israelitische Lehrerbildungs-Anstalt in Würzburg weift auch in diesem Jahre die erfreulichsten Resultate auf. Die Anstalt ist in das 28. Jahr ihres Bestehens getreten. Die Gaben sind in so ergiebigem Maße geflossen, daß nicht nur das Defizit des vorigen Jahres gedeckt werden konnte, sondern daß sich noch ein wesentlicher Ueberschuß ergab. Zu diesem günstigen Resultate haben besonders die verschiedenen Legate und hauptsächlich das ansehnliche Legat von zehntausend Mark der verlebten Eheleute Moses und Babette Leiter zu Fürth beigetragen. Zehn Zöglinge wurden in diesem Jahre aus der Anstalt entlassen, welche alle die Austrittsprüfung am kgl. Schullehrer-Seminar daselbst mit gutem Erfolge bestanden und in die Praxis entlassen wurden; es ist hierdurch die Gesammtzahl der in der Anstalt Ausgebildeten und in die Praxis Entlassenen auf 236 gestiegen. Wie aus dem vorjährigen Berichte ersichtlich,verblieben der Anstalt 15 Zöglinge. Die Anzahl der Zöglinge, welche sich in diesem Jahre in derselben befanden, betrug 23. Von den aufgeführten 23 Zöglingen erhielten 9 Unterricht, Wohnung, Beköstigung, Beheizung und ärztliche Behandlung in der Anstalt unentgeltlich, 3 bezahlten die Beköstigung ganz und 11 dieselbe theilweise. Nach einer Entschließung der Kgl. Regierung von Unterfranken vom 15. Juni hat eine Ausnahmsprüfung in der Israel. Lehrerbildungs-Anstalt zu Würzburg nur noch für solche Israel. Schulamtszöglinge stattzufiuden, welche weder eine bayerische, staatliche Präparaudenanstalt, noch eine der beiden Präparandenschulen zu Burgpreppach und Höchberg vollständig absolvirt haben. Es haben sich nun 8 Schüler zur Aufnahme angemeldet und zwar von der Präparandenschule zu Burgpreppach 3, von der zu Höchberg 4 und von der Talmud-Thora-Schule zu Schwabach 1, wllch' Letzterer sich der gesetzlich vorgeschriebenen Prüfung unterzog und solche auch bestanden, während die Uebrigen zu 6wöchentlicher Probezeit aufgenomnien wurden. Die Einnahmen betrugen 23 366 Mk., denen 19 927 Mk. Ausgaben gegenüberstehen. Der Vermögensstand beläuft sich auf 56 188 Mk. Die Anstalt weist so vorzügliche Leistungen auf und bewährt sich mit jedem Jahr immer mehr als die größte Wohlthat der bayerischen Judenheit, daß sie die ausgedehnteste Theilnahme aller Glaubensgenossen dieses Landes verdient; sie muß als ein Landesinstitut angesehen werden, dessen Erhaltung; eine Pflicht, eine Ehrensache: kömmt ja deren Wohlthat zunächst den bayerischen Gemeinden zu gute. Mögen sie es daher nicht versäumen, bei allen Gelegenheiten der Anstalt zu gedenken, das Interesse für dieselbe zu erwecken, ihren Freundeskreis zu erweitern und ihr so neue Einnahmsquellen zu eröffnen. Hamburg, im Kislew. Wie bereits vor Wochen in diesen Blättern berichtet wurde, sind bei den ehrw. Rabbinern von Hamburg, Altona und Würzburg, die mit der Ausarbeitung einer Vorlage zur Vertheilung der 20,000 Kronen, welche die verstorbene Frau Betty Hartwig in Kopenhagen zur Unterstützung armer, kleiner Gemeinden vermacht hatte, testamentarisch betraut wurden, weit über 1000 Gesuche aus Nah und Fern eingelaufen. Wie uns nuumehr von zuständiger Seite mitgethellt wird, traten die^ehrw. Rabbiner nach den verflossenen h. Festtagen zusammen, nahmen in gemeinsamer Bcrathung die Prüfung der eingelaufenen Gesuche vor, und da nach sorgfältiger Sichtung des Materials noch immer eine erhebliche Anzahl solcher Gesuche, die allen diesbezüglichen testamentarischen Bedingungen entsprachen, vorlag, beschlossen sie einstimmig, daß aus der vorhandenen Summe 75 kleinere, ärmere Gemeinden mit einer Unterstützung von je 300 Mark berücksichtigt und diese 75 durch das Loos bestimmt werden sollten. Nach der durch das Loos getroffenen Entscheidung wurde die Liste der 75 Gemeinden dem Stiftungscuratorium in Kopenhagen übermittelt. Hiermit haben die genannten Rabbiner die ihnen zugewiesene Angelegenheit erledigt. Die Ausfolguug der Unterstützung an die betr. Gemeinden erfolgt durch das erwähnte Euratorium. Die geehrten Redactionen der übrigen jüdischen Blatter werden um Aufnahme dieser authentischen Mittheilung höflichst gebeten. Offenbach, 26. Nov. In der letzten Schöffengerichtssitzung stand auch eine Beleidigungsklage zur Verhandlung, welche einen etwas antisemitischen Untergrund hatte. Fabrikant Fleischhauer von Steinheim soll am 18. August l. I. den Israeliten Abraham Lindheimer von da ohne Ursache auf offener Landstraße durch „Mauscheln" und Redensarten beleidigt haben, in Folge dessen Lindheimer Klage erhob, die dann von der Staatsanwaltschaft als Offieialklage behandelt wurde, wie dies aus höhere Anweisung hin seit einiger Zeit in Hessen bezüglich aller Klagen mit antisemitischem Beigeschmack der Fall ist. Trotz des Leugnens des Angeklagten wurde dieselbe durch die Aussage des Lindheimer für überführt erachtet und in eine Geldstrafe von 15 Mk. genommen; dem Beleidigten wurde überdies das Publikationsrecht zugebtlltgt. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.