Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 91 (23.11.1891)
- Date
- 1891-11-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXII« Jahrgang. _ JE 01. Ismklit... Zeschilnm. Mstzüst M Mm« (N. Geistes nan )Sd. De« l» Hass. SmeMr m Ztzrle. GenLrak-Hrgan für das orthodore IudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. TW" Fernsprechanschluß unter Nr. 315 nach Darmstadt, Frankfurt (Main), Vückenheim, Hanau, Wiesbaden, *M> Offenbach (Main), Heidelberg und Mannheim. Montag, de« SS. November 5652 (1891). Leitender Artikel. Zur Lage in Argentinien. Mainz, 13. November. Der Bericht, den wir von den durch Baron Hirsch nach Argentinien verbrachten Juden erhielten und aus welchem wir das Wichtigste bereits mitgetheilt haben, wurde von uns dem Argentinischen Consul Herrn Dr. Albert Rosenau, der soeben erst aus Argentinien hierher gekommen ist, vorgelegt und machte uns genannter Herr folgende, diesbezügliche Angaben: „Der Schreiber jener Zeilen, Zahnarzt Eugen io Sonnenfeld gehörte zu meinen Patienten und ist mir über denselben niemals etwas Nachtheiliges zu Ohren gekommen, dennoch kann ich feinem Berichte über die Leiden der dortigen Juden einen unbedingten Glauben nicht beimessen. Er enthält Wahres mit Falschem gemischt und ist jedenfalls sehr übertrieben. Es ist allerdings wahr, daß die neuen Ansiedler nicht auf Rosen gebettet sein werden und wer Vermögen genug besitzt, wird besser, daran thun, sich nicht nach Argentinien zu begeben; indessen den Leuten, die auf Arbeit angewiesen sind, winkt dort reicher Lohn. Natürlich müssen sie den Willen und auch die Kraft zu ausgiebiger Arbeit besitzen. Das Klima ist ausgezeichnet, einzelne Provinzen wie Salta und Jujuy ausgenommen; dort ist aber von Baron Hirsch kein Land angekauft worden; namentlich bietet Chaco einen sehr unangenehmen Aufenthalt, doch soll dieser Theil nicht angebaut, sondern nur von dort das Holz bezogen werden. Alle bisherigen Colouien haben seither prosperirt, namentlich die Schweizerische Eoncordia, dort sind aber auch die Colonisten sehr fleißig; auch die Colonie Missiones zeichnet sich durch großen Reichthum aus. Die Colonie Palazios, über welche sich der Bericht sehr abfällig äußert, ging nicht von Baron Hirsch, sondern von der Alliance Jsraelite aus. Zur Beurtheilung des Klimas mag die Angabe genügen, daß die dortigen Italiener Sommer wie Winter im Freien zu schlafen pflegen. Allerdings müssen die neuen Ankömmlinge sich erst eingewöhnen, was erfahrungsgemäß zwei Jahre in Anspruch nehme. Mir sind Colonisten bekannt, die ohne besondere Mittel hingekommen und nun ein Besttzthum im Werthe von 20, ja sogar 100,000 Mark besitzen. Doch kommen die Leute mit gar zn großen Ansprüchen und allerhand Illusionen hin, was auch aus dem mir vorliegenden Berichte zu ersehen ist. Die Leute beklagen sich über zu kleine Fleischrationen, obne zu bedenken, daß auch der deutsche Bauer nicht jeden Tag Fleisch essen kann; auch verlangen sie grüne Gemüse, die in Argentinien so theuer sind, daß sie selbst von den reichsten Leuten nur an Festtagen gegessen werden können. Wenn sich der Bericht über Mosguitos und Ungeziefer beklagt, so ist es zwar wahr, daß dies für den Ankömmling eine schwere Plage ist. indessen gewöhnt man sich mit der Zeit daran und lernt sich davor zu schützen. Von einem großen Ktnderfterben, das der Bericht anführt, ist mir nichts bekannt geworden, was doch sicherlich der Fall gewesen wäre, wenn jene Angaben auf Wahrheit beruhten. Auch ist im Widerspruch mit jenen Angaben in Paraguay und Missiones seit 20 Jahren kein gelbes Fieber mehr gewesen. Der in dem Bericht viel verlästerte Herr Crem er ist ein sehr anständiger, selbstloser und ehrenwerther Mann, der sich um die russischen Juden viele Verdienste erworbenhat. Er ist Vorstand der deutsch-israelitischen Religionsgesellschaft zu Buenos-Aires. Außer dieser exiftirt noch eine portugiesische und eine polnische Gemeinde. Der unbesoldete Rabbiner (bonorabls rabbi) ist Herr Henry Joseph; seine Frau ist eine geborene Christin, hat sich aber zum Judenthum bekehrt. Die Angaben des Berichtes, daß einige niedere Angestellten sich schwerer Uebergriffe gegen die Ansiedler schuldig gemacht haben, mag wohl auf Wahrheit beruhen, indeß ist das sicherlich nicht zuOhren Baron Hirsch's oder Löwenthals gekom-