Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 90 (19.11.1891)
- Date
- 1891-11-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1691 Mk. gesammelt, aber von zahlreichen Gemeinden und Privaten sind sehr erhebliche Beträge nach andern Seiten (Frankfurt a. M., Mainz, Berlin, Memel) direct abgeliefert worden. Aus Baden. Seine Königl. Hoheit der Großherzog von Baden hat im Jahr 1879 Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienste als Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren gestiftet. Wie in früheren Jahren, so können wir auch diesmal wieder mit freudiger Genugthuung berichten, daß auch Israeliten ausgezeichnet wurden, ein Beweis, daß dieselben nie zurückstehen, wenn es gilt für das öffentliche Interesse, wohlthuend mitzuwirken. In dem Verzeichnisse bemerkten wir, als uns bekannt, die Herren: Kaufmann Josef Oppenheimer und Handelsmann Jakob Wolf in Buchen, Kaufmann August Bloch, Kaufmann Adolf Darnb a ch e r und Metzger Max Maier in Bühl und Handelsmann Max Tiefenbronner in Königsbach, Handelsmann A. Adler in Neckarbischofsheim und Handelsmann Moses Guggenheim in Thiengen. Oefterr. Ungar. Monarchie. Wien, 12. Nov. Einer althergebrachten Sitte gemäß wurden auch gestern, am Marttnitage, die von der israelitischen Kultusgemeinde in Preßburg für den Hof bestimmten Martinigänse in der Hofburg abgeliefert. Um halb 12 Uhr Vormittags fuhren zwei Vorstandsmitglieder der Gemeinde beim Reichstrakte der Hofburg mit den in feines weißes Linnen verpakten Gänsen vor, wahren Prachtexemplaren, deren jede das respektable Gewicht von mehr als 8 Kilogramm wog, und trugen dieselben in die kaiserliche Kammer. Ein Leibkammerdiener übernahm hier die Gänse und legte sie auf eine große Silbertasse. Die Gänse waren mit Bändern in den ungarischen Farben reich geschmückt. Wien, 14. November. Dem polnischen Blatte „Czas" wird aus Südrußland berichtet, daß neulich;n Balta eine Judenhetze stattgefunden habe. Eine mit Sensen und Hacken bewaffnete Menge habe die Juden überfallen, viele verwundet undZ Häuser zerstört. Schließlich habe Militär die Tumulte unterdrückt, ohne jedoch Verhaftungen vorzunehmen. Türkei. — Die „Pol. Corr." meldet aus Konftantinopel: Vorgestern wurden hier 800 russische Juden, Männer, Frauen und Kinder, auf einem französischen Dampfer etngeschifft und über Marseille nach Buenos-Ayres gebracht. Die Transportkosten bestreitet das Baron Hirsch Colontsations-Comite. Vermischtes. Am 2. Nov. feierte Herr Rabbiner Kuttner in, Kchmedt a* O. sein 50 jähriges Amtsjubilänm. Er 1 wurde vom König von Preußen mit dem Kronenorden 4. Klaffe decorirt. Elberfeld. 1. Nov. Vergangenen Mittwoch eröffnete der vor etwa Jahresfrist hier ins Leben gerufene „Mendelssohn-Verein" im Hotel Falk seine Wintersaison. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Hermann Strauß konnte erfreulicher Weise constatiren, daß der Verein während seines kurzen Bestehens, innerhalb der Gemeinde sehr großen Anklang gefunden hat, so daß die Mitgliederzahl, die bei Gründung des Vereins ca. 30 betrug, auf 140 gestiegen ist, wodurch es dem Vorstande ermöglicht wurde, zur heutigen Sitzung einen hervorragenden auswärtigen Redner, den Herrn Schriftsteller Dr. Adolf Kohut aus Berlin, zu berufen. Herr Rabbiner Dr. Auerbach hat bereitwillgst zugesagt, sich, wie in dem abgelansenen Vereinsjahre, auch fernerhin für den Verein zu interessiren, Vorträge zu halten, an den in den Vereinssitzungen stattfindenen Discussionen sich belehrend zu betheiligen. Herr Dr. Kohut hielt einen Vortrag über „Alexander von Humboldt und das Judenthum." In fehr geistreicher und fesselnder Weise behandelte der Vortragende in mehr als einstündiger Rede dieses Thema, so daß die ansehnliche Versammlung, die dem Vortrage in gespanntester Aufmerksamkeit gefolgt war, der Aufforderung des Vorsitzenden — durch Erheben von den Sitzen dem Herrn Dr. Kohut ihren Dank für den vortrefflichen Vortrag zu bekunden — freudig und gerne nachkam. Es ist zu erhoffen, daß das Interesse für den Verein immermehr erstarke, damit er das sich vorgestrecktc Ziel: „Pflege und Förderung aller das Judenthum interessirenden Angelegenheiten, besonders der Kenntniß der jüdischen Literatur" voll nnd ganz zu erreichen im Stande sei. W. Wesel, 9. November. In große Trauer ist unsere Gemeinde durch das am gestrigen Abend 91/* Uhr erfolgte Hinscheiden einer hochehrwürdigen Greisin versetzt worden, die im wahrsten Sinne des Wortes auf die Ehrentitel nyusi rown Anspruch hatte. Wittwe Abraham David heißt die Verstorbene, deren ehrenvoller Ruf nicht nur auf unsere Gemeinde beschränkt, sondern auch bei den Angehörigen anderer Confessionen und weit über unsere Stadt fest begründet war. Sie war noch eine Frau aus der guten alten Zeit; selbst innig fromm, tief religiös, hatte sie sämmtliche ihrer Kinder zu gottesfürchtigen, wahrhaft gesetzestreuen Jehudim erzogen. Ihr Leben und Wirken galt nur Anderen, kein Armer pochte an ihre Thüre vergebens, aber nicht nur namhafte Unterstützung, sondern auch liebevolle Aufnahme und trostreiche Zurede fand er in ihrem gastlichen, echt jüdischen Hause. Sie übte “iDn in der herrlich schönsten Weise, an dem Lager der Leidenden und Sterbenden war sie zu finden. Ihr Haus war, was Frömmigkeit und jüdisches Leben betrifft, eine Musterstätte zu nennen. Keine Gebetszeit versäumte sie weder in ihren jüngeren Jahren, als sie von ihrer häuslichen Thätigkeit vollends in Anspruch genommen war, noch in ihrem hohen Alter. Noch am letzten Dienstage, als ihre Kräfte zu schwinden begannen, und sie sich nur noch mühsam aufrecht erhalten konnte, betete sie lallend das ganze nnnttf. Dann legte sie sich, und bis zum letzten Athem-