Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 89 (16.11.1891)
- Date
- 1891-11-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XXXII. Jahrgang. Beilage w M 89 des „Israelit $* Ieschurun" Literarischer Bericht. ynno^nNpa pww /m -m ion» Wp .xn&Din v"V by rvcbv pvn »d "anon n«o .«"nn jnaojnB Es ist eine unangenehme und doch unabweisbare Pflicht der jüdischen Publizistik von der vorliegenden Brochüre Kenntniß zu nehmen und ein unparteiisches, sine ira et studio geschöpftes Urtheil über dieselbe abzugeben. Es ist zwar kein wissenschaftliches Werk, sondern eine Schmähschrift von seltener Derbheit, die uns da vorlicgt, aber der Streitgegenstand ist ein wissenschaftliches Objekt und darum ist eine Besprechung desselben nothwendig. Der Sachverhalt ist in Kürze folgender: Der Verfasser dieser Brochüre hat vor einigen Jahren einen Kommentar zur Toßefta veröffentlicht, zunächst über die beiden Ordnungen D’y-n und O’BO. Rabbiner Dr. Schwarz in Karlsruhe veranstaltete etwa ein Jahr später ebenfalls eine Toßeftaausgabe, nach eigener Anordnung *), mit Commentar, in der er das Werk des Verfassers in scharfer doch zumeist sachlicher Weise kritisirte. Die Antwort auf diese Angriffe bringt die vorliegende Schrift, die an maßloser Heftigkeit der Ausfälle Unglaubliches leistet. Das ist nicht mehr der grobe Keil, der auf den groben Klotz paßt, sondern ein ganzes Schimpfwörterlcxikon, eine wahre Fluth von Schmähungen, die der Vers, über den Angreifer ergießt. Es fragt sich nur, ob er damit seinen Zweck erreicht und vor dem Forum der Oeffcntlichkeit seiner Sache zum Siege verholfen hat. Aus vollster Ueberzeugung sagen wir: Nein. Eine solche Erwiederung müßte, wenn sic ihren Zweck erreichen soll, in erster Linie, die Angriffe des Opponenten entkräften und dann etwa noch, um die Competenz des Angreifers und ffeine Autorität zu^ erschüttern, sein Werk zum Gegenstand der Kritik machen. Ersteres ist nun in ganz ungenügendem Maße, letzteres gar nicht geschehen. Es ist dem Verfasser nicht gelungen, die Angriffe Schwarz' zu widerlegen, denn er rechnet gar zu sehr aus die Leichtgläubigkeit seiner Leser, wenn er meint, daß das Hinausreden aus Abschreiber- und Druckfehler, wie er es so häufig versucht, irgendwie Eindruck machen könnte. In dieser Beziehung ist seine Verthetdigung wahrhaft erbärmlich, trotz der großen Worte, die er dabei führt, um die Schwäche seiner Argumente zu ver- *) Damit hat auch Schw. seinem Gegner eine wirksame Waffe in die Hand gegeben, von der er ausgiebigen Gebrauch macht. decken. Doch das wäre ja nebensächlich; mögen auch in dem Werke mancherlei Schnitzer Vorkommen. Aehnliches ist schon Größeren passirt und einem jungen Menschen, der sichtlich rasch arbeitet, steht man Flüchtigkeiten gerne nach, wenn nur seine thatsächlichen Angaben richtig sind. Und eben darum handelt es sich in diesem Streite. Das ist der springende Punkt. Schwarz und, wie ich glaube, auch noch andere werfen dem Vers, vor, daß er willkürlich die Lesarten ändert, daß er sich auf Manuskripte beruft, die er gar nicht besitzt, die gar nicht existiren. Namentlich das famose mso t aro, das der Verfasser so oft zitirt, scheint mythischer Existenz zu sein. Auf einen solchen Vorwurf gehört eine klare und deutliche Antwort. Was aber thut der Verfasser? In zweien gelegentlichen Zeilen erwähnt er, daß er dieses Manusc. aus Saloniki erhalten habe. Er sagt nicht von wem. woher es stammt, wie es aussieht; es fehlen alle näheren Angaben, durch die man ein Manuskript zu bezeichnen und der literarischen Welt vorzuführen pflegt. Namentlich jedoch ist eine genaue Beschreibung nothwendig, wenn die Glaubenswürdigkett des Herausgebers angezweifelt wird. Da wäre es Pflicht desselben gewesen, das Manuskript der öffentlichen Beurtheilung zu unterbreiten, es einem der namhaften Handschriftenkenner zur Prüfung vorzulegen, um jeden Verdacht von sich abzuwälzen. So lange das nicht geschehen, nützen alle Vertheidigungsschriften nichts, selbst wenn sie geschickter und anständiger abgefaßt wären als die vorliegende. Das ist es, was wir hier in einem vielgelesenen Blatte konstatiren wollen. X. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 5. Nov. Am 15. d. Mts. wird in den großen Partere-Räumen des Hauses Klosterftraße 99, nahe der Neuen Friedrichstraße, eine israelitische Volks-Speiseanstallt eröffnet werden. Zweck derselben ist, der ärmeren jüdischen Bevölkerung, namentlich armen Studenten, jungen Kaufleuten und Handwerkern, zu Preisen, wie selbe in den hiesigen Volksküchen üblich, und zwar Mittagbrod für 15 und 25 Pfg., Abendessen für 10 Psg. zu verabreichen. Selbstverständlich steht diese Wohlthätigkeits-Anstalt auch Personen anderer Konfessionen offen. Für Männer und Frauen, sowie Familien und namentlich Personen, die darum ersuchen, find getrennte Speiseräume hergestellt. Die Speisen können zu denselben Preisen aus dem Hause