Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 88 (12.11.1891)
- Date
- 1891-11-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1662 unvergeßlichen Rabb. Hirsch ba"i geweckt worden, ebenso wie durch dessen Nachfolger, Herrn Rabb. Breuer's, der n'nnb D"n p in gleich begeisterter Weise in die Fußtapfen seines großen Vorgängers getreten sei. Die Versammlung war tief bewegt von diesen Worten, mit welcher die offizielle Feier zu Ende wares folgte nun ein zwangloser Verkehr und Bewirihung der zahlreich erschienenen Gäste. Sämmtlkche Bctheiligte werden wohl noch lange dieser einfachen, aber erhabenen Feier gedenken, und auch in weiten Fernen wird man, wo immer noch jüdisches Denken und Fühlen zu Hause ist, sich freuen solcher edlen Männer, die für Gottes heilige Sache einzutreteu stets bereit sind. Wnrbnrg in Westfalen. Ein schwerer, unersetzlicher Verlust hat die hiesige jüdische Gemeinde betroffen. Der von Allen hochverehrte Lehrer und Prediger I. Oppenheim ist nach einem arbeitsvollen Leben am pn ann wai a-iy p"» im Alter von 68 Jahren sanft verschieden. 4 Jahrzehnte hindurch hat der Verstorbene in rühriger Kraft und unermüdlicher Thätigkeit die hiesige Gemeinde geleitet und sich als Prediger und Lehrer derselben die größten Verdienste erworben. Begeistert für den Glauben seiner Väter und allen die Religion untergrabenden Neuerungen abhold, hat er in Wort und Schrift, von der Kanzel und dem Katheder herab im Interesse des Judenthums gewirkt und durch einen strengreligiösen Lebenswandel allen ein Beispiel echter Religiösität gegeben. Seine Verdienste und die hehren Tugenden, die den Verstorbenen schmückten, Mildthätigkeit, Mitgefühl in Freud und Leid, Menschenfreundlichkeit, Leutseligkeit und nicht zum mindesten die strenge Gerechtigkeitsliebe erwarben demselben eine große Anzahl Freunde und verbreiteten seinen Ruf weit über die engen Kreise seines Wirkens hinaus. Wer die Anzahl der Leidtragenden sah. die ohne Unterschied der Konfession und des Standes von nah und fern herbeigeeilt waren, um dem edlen Todten die Letzten Ehren zu erweisen, wer die zahlreichen Thränen in den Augen der Anwesenden erblickte und die ergreifenden Worte vernahm, die an der Bahre gesprochen wurden, — war doch Herr Rabbiner Dr. Prager eigens hierzu aus Cassel herbeigeeilt — der mußte sich sagen, daß ein ungewöhnlicher Mann dort zu Grabe getragen wurde. Alle aber, denen es vergönnt war, unter seiner vortrefflichen Leitung heranzuwachsen, von ihm belehrt und ausgebildet zu werden, nnd denen der Verstorbene durch außerordentlichen Fleiß, eisernen Willen und zähe Ausdauer als Muster strengster Pflichlerfüllung dienen konnte, verlieren in ihm den besten und gütigsten Lehrer, den treuen Beschützer und Ratgeber, den hochherzigen Gönner und väterlichen Freund. Stets unvergeßlich wird ihnen sein Andenken sein und die Worte derllctztwöchentllchen Haftorah: Viv' ab -jond '-.Dm nro*cn rrpjni w.d' onnn w „Mögen auch Berge weichen und Hügel wanken, so wird meine Liebe nicht weichen von Dir" bei ihnen volle Geltung finden. Einer seiner Schüler. 'Vermischtes. < Olsten, im Oktober. Der Mord eines kleinert Mädchens, welcher zu den blutigen Ausschreitungen auf Eorfu im Frühjahre führte, ist noch in Erinnerung. Bekanntlich wurde damals, als man das tobte .Stint» fand, sofort ausgesprengt, daß es zu rituellen Zwecken ermordet worden sei. Als Hanvtbeweis hierfür wurde die Beschaffenheit der 'Wunden nnd die völlige Blutlosigkeit der Leiche angeführt. Und wiewohl man genau wußte, daß die Ermordete Rtlbina Sarda hieß nnd Stint» eines jüdischen Schneiders war, der selbst die Anzeige von dem Verschwinden nnd später, nach Auffindung der Leiche, von dein Morde seines Kindes machte, har es doch voller vier Monate bedurft, um die volle Wahrheit, so einfach sie auch war, festznstellen. Nach Berichten aus Eorfu ist die Untersuchung soeben zu einem Abschlüsse gelangt. Sie zeigt vor Allem, wie sehr in diesen Ländern selbst die Justiz von den Volksleidenschaften und Stimmungen beeinflußt werden kann. Der neue Staatsanwalt, der die Untersuchung zum Abschluß gebracht hat, mußte dieselbe ganz von vorn anfangeil. da es sich zeigte, daß sein Vorgänger mehr oder weniger von der vorgefaßten Meinung ansgegangen war, daß es sich thatsächlich um einen rituellen Mord handle. Es zeigte sich, daß selbst die gerichtlichen Organe unter dem Eindrücke des Terrorismus handelten, welchen außerhalb stehende Fanatiker geübt haben sollen. Namentlich viele Zeugenaussagen haben unter dem Einflüsse der Einschüchterung gestanden. So sehr war die Untersuchung in antisemitischem Geiste, schreibt die hiesige „Ephimeris", geführt worden, daß auch der jetzige Untersuchungsrichter, Kandiadis, ursprünglich an rituellen Mord glaubte, und zwar so fest, daß er sich nach Alexandria wandte, um dorther Akten über in Egypten porgekommene Verbrechen ähnlicher Natur zu erlangen. Indessen hat die Vernunft doch gesiegt; wie man aus Eorfu meldet, sind die Thäter bereits ermittelt. Es sind deren sieben, sämmtlich Christen, deren einer Johann Karidis, bereits einmal unter gleichem Verdachte in Haft war und später freigelasseu wurde. Es wurde ferner durch christliche Zeugen sestgestellt, daß die getödtete Rubina Sarda im Jahre 1883 zu Eorfu selbst von jüdischen Eltern geboren wurde nnd bis zu ihrem s.ode ununterbrochen dort lebte. Im Uebrigen werden die weiteren Ergebnisse bcr Untersuchung und die Namen der muthiuäßlichcu Thäter noch verschwiegen. Für beu folgenden Theil :st die Nedacnon nicht verantwortlich.