Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 88 (12.11.1891)
- Date
- 1891-11-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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w XXXH.;Jahrg-»«. M 88. Zsmelit * Zeschumn. Mslhüst }Ht FSrdemr ilö. (Stiftes LLd füll, ftbtis l» Ans. SmMe u) Ztzile. Kentrat-Hrgan für das orthodore Iudenlhum. Begründet von Pr. Lehmann in Mainz. AM- Fernsprechauschluß unter Nr. 315 nach Darmstadt, Frankfurt (Main), Bockenheim, Hanau, Wiesbaden, *11 Offenbach (Main), Heidelberg und Mannheim. Donnerstag, den IT. November 5652 (1891). Leitender Artikel. Was der Einzelne vermag. i. Mainz, 8. November. Wenn man über den betrübenden Abfall von der Religion der Väter klagt, der sich so vielfach vor unseren Augen vollzieht, so wird uns oft entgegen gehalten: Was kann aber auch der Einzelne gegen die Schäden und Mißstände thun, die nun einmal vorhanden sind? Weil man nun glaubt, der Einzelne könne nur wenig thun, so geschieht auch dieses wenige nicht. Thut aber der Einzelne nichts, so thut die Gefammtheit, die doch nur aus Einzelnen zusammengesetzt ist, noch weniger als nichts, und bestätigt, ja erkennt die Mißstände als zu Recht bestehend an, gegen die sie sich nicht erhebt. Dieser religiösen Gleichgiltigkeit gegenüber, ist es Pflicht aus die hohe Bedeutsamkeit dessen hinzuweisen, was gerade der Einzelne vermag, wenn ihm die Schäden der Zeit, unter welchen er die Gesammtheit leiden sieht, nur wirklch zu Herzen gehen. Fürwahr auch der Einzelne nnd Vereinzelteste vermag Großes für sich, sein Haus und die Gesammtheit in Zeilen, wie es die unsrigen sind, zu leisten, und wäre dieser Einzelne selbst der letzte in Israel. Von dieser Bedeutsamkeit der Einzelnen, der Jechidim und selbst des jnrw durchdrungen, haben unsere großen Lehrer und Meister nlit ihren Anordnungen selbst auf den „letzten in Israel" Rücksicht genommen. Sie bezeichnen den heutigen Tag, den 7. Marcheschwan, als den Zeitpunkt, an welchem auch der entfernteste Festpilger, der am Sukkothfeste das Gottesheiligthum in Jerusalem besucht hatte, wieder in die Gola, am entlegenen Euphratstrom, zurückgekehrt war, und gestatteten nicht früher die Bitte um Regen, bis sie den letzten in Israel von dem schützenden Dach seines Heims geborgen wußten (Mischna, Taanith 1. 4). Und wenn auch der Tempel in Trümmern liegt und die nach Zion führenden Wege trauern, weil keine Festwaller sie mehr betreten, so ist die Zeit nach den Festen, in welcher wir in den winterlichen Halbkreis unseres Schaffens eintreten, doch wie kein Moment im Jahre, auch heute noch die Zeit, wo wir mehr als sonst auf uns, auf unser Haus unseren nächsten Kreis angewiesen sind: Wir stehen an der Schwelle der rauhen Jahreszeit, der ytn om ynv d'd*, der Tage, an welchen nur wenige Gefallen haben, der Verkehr mit der Außenwelt wird erschwert, und diese Zeit, in der wir uns mehr als sonst, auf uns selbst beschränken, die uns inniger an Unsere Familie knüpft, dürste eiük Untersuchung teffeit, was wir selbst in sozialer, winterlicher Jsolirung zu thun vermögen, wohl rechtfertigen. Alljährlich reicht uns um diese Zeit die sinnige jüdische Sitte, die Geschichte unserer Väter und Mütter zur Betrachtung hin. Von wem könnten wir auch besser lernen, was vereinzelte Einzelne bedeuten und vermögen, als von einem Abraham und seiner Sara! So vereinsamt steht Niemand, so mit seinen Anschauungen, Ueberzeugungen, Hoffnungen und Erwartungen lebt heute Keiner von uns im Gegensatz zu seiner ganzen Umgebung, wie der erste jüdische Mann und das erste jüdische Weib! Die ganze Menschenwelt in Abgötterei versunken, ragt aus ihr das einzige Abrahamszelt empor, wohin sich das Bewußtsein von dem einen einzigen Gotte, dem Schöpfer von Himmel und Erde, geflüchtet hatte. Alles sucht sich anzustedeln und sich so seßhaft als möglich zu machen, Abraham folgt dem Rufe: •p if?, der ihn losreibt von Eltern, Verwandten und Heimath, und ihn in eine Welt weist, in welcher jeder Schritt den Gegensatz zwischen ihr und den Gotteswanderern empfindlich zum Bewußtsein bringt. In diesem Zelt der ersten jüdischen Menschen, herrscht der Adel der Gesinnung, die Lauterkeit des Charakters, die sich nicht einmal