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Der Israelit · 1891-11-09 · Heft 87 (9.11.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 87 (9.11.1891)
Date
1891-11-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1635 auf einen Versuch an. Vor allem müßte, wie bereits erwähnt, der Verschwörer in sichere Haft gebracht werden und dann müßte ihm die Wahl gelassen werden, ob er den Turban nehmen oder sterben will. Nimmt er den Turban, so ist es erwiesen, daß er nicht der Messias, sondern ein Betrüger ist — aber durch seinen Uebertritt wäre sein Betrug harmlos geworden — kein Jude würde mehr an ihn glauben, und ohne irgend welche Besorgniß könntest Du ihn begnadigen. — Weigerte er sich jedoch, den Turban zu nehmen und würde den Tod vorziehen, dann wäre die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß er in Wirklichkeit der Messias ist — dann würde ich vorläufig auch Schonung empfehlen, bis sich auf andere Weise mit Bestimmtheit herausgestellt haben würde, daß er nicht der Messias ist." „Dein Rath ist gut." erwiederte der Sultan, „sorge, daß er genau nach Deiner Angabe vollzogen werde — und lasse den Gefangenen hierher bringen, mich verlangt, mit ihm zu reden." Der Großvezier kreuzte die Hände über die Brust und verneigte sich tief, dann verließ er rückwärtsschreitend das Gemach. * * * Es war an einem der folgenden Tage, die Sonne stand bereits hoch am Himmel, die Mittagsstunde war nicht mehr fern, als Sabbatai sich noch auf seinem Lager reckte. Da ward die Thüre plötzlich aufgerissen und hereinstürzten mehrere seiner Verehrer, bleich und verstört, mit allen Zeichen des Schreckens. „Was gibt's?" rief Sabbatai betroffen, indem er sich auf seinem Lager halb aufrichtete. „Wir sind verrathen," flüsterte Samuel Primo, „alle Eingänge des Schlosses sind mit Bewaffneten besetzt — der Schloßhauptmann ist gefesselt — und —" Lauschend hielt er inne, draußen auf dem Corridor wurden Schritte laut, man hörte das Klirren von Waffen. „Sie suchen mich," stammelte Sabbatai, angstvoll um sich blickend, „der verfluchte Pole Das Wort erstarb in seinem Munde, die Thür ward aufgestoßen, eine Anzahl Bewaffneter trat herein, unwillkürlich sprang Sabbatai auf. „Du bist Sabbatai Zewi", sprach der Anführer, zu ihm tretend. „Ich bin's," versetzte er, sich in die Brust werfend, obgleich er nur mit Mühe seine Fassung aufrecht hielt. „Kleide Dich an", gebot der Anführer. „Was wollt ihr von mir?" stammelte Sabbatai, indem er mit zitternden Händen seine Toilette vollendete. Der Anführer würdigte ihn keiner Antwort, doch als er vollständig angekleidet war, winkte er seinen Untergebenen, die dem Gefangenen bereitgehaltene Fesseln anlegten. Bei diesem Anblick brachen Sabbatai's Anhänger in lautes Wehklagen aus, er selbst hatte sich jedoch bereits so weit gefaßt, um die gewohnte heuchlerische Redeweise wieder anzunehmen. „Weinet nicht, meine Freunde," wandte er sich in salbungsvollem Tone an die Klagenden, „zwar hatte ich gehofft, den Kelch des Leidens bereits geleert zu haben — doch mein himmlischer Vater scheint es anders beschlossen zu haben — Sein Wille geschehe." Erdfahle Blässe überzog Sabbatai's sonst so frisches Angesicht. Die Knie wankten ihm, nur mit übergroßer Anstrengung hielt der baumstarke Mann sich aufrecht. Die Bewaffneten umringten ihn und führten ihn hinaus zu dem Fuhrwerk, das draußen vor der Schloßeinfahrt seiner harrte. Laut jammernd und händeringend sahen die Jünger ihm nach. Samuel war der erste, der seine Fassung wiedererlangte. Flüsternd forderte er die andern auf, die werthvollsten Effekten des Meisters bei Seite zu schaffen, um ihm wenigstens die Habe zu retten. Doch bevor sie sich über ihre diesbezügliche Thätigkcit einigen konnten, traten auf's neue Bewaffnete in das Zimmer, die sie aufforderten, unverzüglich nicht nur das Schloß, sondern auch die Stadt zu verlassen. — Und sie mußten sich fügen, der bewaffneten Macht vermochten sie nicht zu widerstehen. — Durch die ganze Stadt, von Haus zu Haus eilten die Bewaffneten und forderten alle Fremden auf, sofort die Gegend zu verlassen, die Zuwiderhandelnden mit schwerer Strafe bedrohend. Angst und Schrecken herrschten in dem Städtchen, in dem in den jüngst verflossenen Monaten viele Tausende in heiterster Lebensfreude verkehrt hatten. Bereits am folgenden Tage erschien das Städtchen wie ausgeftorben, bleich und verstört schlichen die Einwohner aneinander vorüber, kaum wagten sie, ein lautes Wort zu sprechen. Einmüthig beklagten sie alle die schöne, schöne Zeit, die unwiederbringlich dahingeschwunden war. Nahezu eine Woche war vorüber. Sabbatai war nach Adrianopel geführt und dort in schwere Haft gebracht worden. In düsterer, feuchter Zelle, auf schimmelnder Streu lag er, der sich für den König der Könige erklärt hatte, der sich vermessen hatte, alle Reiche der Welt aus ihren Fugen zu heben. Starre, trostlose Verzweiflung hatte sich seiner bemächtigt.

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