Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 86 (5.11.1891)
- Date
- 1891-11-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgang. _ Zweite Anlage )u M 86 »es „Israelit & leschurun" Zeitungsnachrichten nttb Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 18. Oktober. Wir haben bereits mitgetheilt, daß der russische Reichsrath sich demnächst mit einem Gesetz über die Verhältnisse der russischen Juden beschäftigen werde. Daß daraus nichts für die Verbesserung jener Verhältnisse herauskommen wird, geht aus nachfolgender Darstellung hervor. Der Zar hatte im Jahre 1883 eine Judencommission eingesetzt, die zuletzt unter Graf Pah len arbeitete. Graf Pahlen ging sehr energisch ans Werk und zog, um die Arbeit rascher und gewissenhafter zu vollziehen, sämmtliche Gouverneure und viele größere jüdische Gemeinden zur Mitarbeiterschaft heran. Die Mehrzahl der Gouverneure sprach sich für die Beschränkung der Rechte der in Rußland lebenden Juden aus; die jüdischen Gemeinden wünschten, es möge den Kindern jüdischer Eltern gestattet werden, die öffentlichen Lehranstalten in unbeschränkter Anzahl zu besuchen, eventuell seien für sie spezielle Schulen zu errichten; weiters erklärten sich die jüdischen Gemeinden gegen den Erlaß eines neuen, den Handel und das Schankgewerbe der Juden beschränkenden Gesetzes, da das Gesetz vom 25. Mai 1885 ohnehin sehr beengende und strenge Verfügungen in dieser Hinsicht enthalte; endlich verlangten die jüdischen Gemeinden, daß das Gesetz vom 3. Mai 1882 gänzlich abgeschafft und den Juden gestattet werde, neuerdings Grund und Boden mit Ausnahme des den Bauern gehörigen in Pacht zu übernehmen. Nachdem die Kommission die Meinung der Mehrzahl der Gouverneure und die Wünsche der jüdischen Gemeinden angehört hatte, arbeitete sie aus der Anzahl verschiedenartiger Projekte und Vorschläge ein 10 Folianten starkes einziges Projekt aus und legte dasselbe den höchsten Vertretern der Staatsgewalt zur Durchsicht und Begutachtung vor. Kaum war dies geschehen, als Alexander III. im Mai 1888 die Sitzungen der Juden-Kommission suspendirte und deren Beschlüsse für null und nichtig erklärte. Diese unerwartete kaiserliche Verfügung wurde darauf zurückgeführt, daß die Entscheidung der Kommission zu günstig sür die Juden ausgefallen wäre. An Stelle der aufgelösten Juden-Kommission wurde eine neue unter dem Vorsitz des Geheimrathes W. K. Plehv e eingesetzt und wurden zur Unterstützung derselben die General-Gouverneure beigezogen. Die neue Kommission arbeitete ein neues Projekt aus, welches, den Juden nichts weniger als günstig, nunmehr im Reichsrathe zur Erörterung gelangt. Aus Eisenach. Am 16. Oktober, Nachmittags lll2 Uhr bewegte sich ein feierlicher Leichenzug durch die Straßen der hiesigen Stadt. Der Thcilhaber der hiesigen isr. Firma C. Neuhaus Söhne, Großh. Sächs. Hoflieferanten, Herr AaronNeuhaus, der im 46. Lebensjahre, nach langer Krankheit verstorben ist, wurde zu Grabe getragen. Die Firma hat sich um die hiesige Gegend dadurch verdient gemacht, daß sie hier und in der Umgegend altdeutsche Stickereien und Webereien anfertigen läßt, was ihr einige Beliebtheit verschafft hat. Der Verstorbene hat den französischen Krieg im Jahre 1870 als Unteroffizier mitgemacljt und sich da wohl den Keim seiner langwierigen Krankheit geholt, da er auch schon während des Krieges vier Wochen am Typhus in Frankreich schwer krank darniedergelegen hatte. Während seines Hierwohnens verkehrte er viel mit seinen Kriegskameraden und in den betreffenden Vereinen. Das hatte ihn bei diesen besonders beliebt gemacht. Bet seinem Begräbnisse erschienen denn auch der hiesige Landwehrverein und der hiesige Kriegerverein vollzählig und begleiteten den Letchenzug mit ihren Fahnen unter voranschreitender Trauermusik. Bei der jetzt überall herrschenden antisemitischen Strömung, die auch hier ihre Vertreter hat und von denen auch mehrere im Zuge bemerklich waren, kann das immerhin als eine erfreuliche Erscheinung gelten, die an dieser Stelle vorgemerkt zu werden verdient. Rumänien. vr. 6. Bukarest, 15. Oktober. Ich habe schon bei anderen Gelegenheiten gesagt, daß wir hier wirkliche Freunde unter den politischen, d. h. christlichen Zeitungen nicht haben und daß nur der Abonnentenfang solche veranlaßt, einige Zeit mit „Bildung", „Humanität", „Fortschritt" und ähnlichen schönen Dingen zu Gunsten der Israeliten zu paradiren, bis sie sich so weit gefestigt haben, ohne diese bestehen zu können, um den „Stecken mit den zwei Ecken" gegen sie umzudrehen. Ein schlagendes Beispiel hierfür geben uns der neuestens in Braila in's „Da-Sein" getretene „Secolul", der das Blaue vom Himmel verspricht, gegen den aber die schon vom vorigen Jahr her bestehende „judensreundliche" „Egalitatea Brailei" mit den Worten polemisirt: „Secolul" schmückt sich mit ihm nicht gehörigen Federn, um die Israeliten zu bethören, die er mystificirt, um sie — rupfen zu können." So wird's gemacht. Das Allerschönste ist dabei, daß Bakalbascha, derjenige, welcher diese Worte schreibt und ein Jahr lang bei der „Juden-