Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 83-84 (28.10.1891)
- Date
- 1891-10-28
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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XXX11. Jahrgasg. Dritte Seilage M M 83 & 84 d-r „Israelit» Irschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Ans Rheinhessen. So hat er jetzt die Gefilde des Odenwalds verlassen. Wer denn? Nun kein anderer, als der edle Dr. Böckel, um sein Unwesen in Rheinhessen zu treiben, und uni auch hier die Saat des Unfriedens und der Zwietracht zu säen. So hatte er aus Sonntag den 11. October eine Versammlung nach Wörrstadt bei Alzey einberufen. Die Versammlung war so zahlreich besucht, daß dieselbe im Freien abgehalten werden mußte. Dr. B. fand lebhafte Widerlegung von Seiten mehrerer Anwesenden, auch von sozialistischer Leite und wenig Boden für seine Lehren. Er beabsichtigt, auch noch andere Orte Rheinhessens zu besuchen; doch auch hier wird er zur Ueberzeugung gelangen, daß eine so intelligente Bevölkerung wie die Rheinhessens, wo die verschiedensten Consessionen schon seit sehr langer Zeit in Frieden Zusammenleben, nicht gewillt ist, sich die zu wandelnden Wege von einem Herrn Dr. B. vorschreiben zu lassen. Posen, ntpy^ hd:>~ ya. Der Anfang des Jahres war leider das Ende eines an niuvi mm reichen Lebens. Unserer Gemeinde ist eine tiefe, schmerzliche Wunde geschlagen, die nur schwer vernarben wird, denn ^8is"a bvI ^nai iw, einer der seltenen und immer seltener werdenden Männer, deren ganzes Leben der nnayi min gewidmet ist, iiNö-iypia onsH ntfrü 'i, Sohn des V'a: •pyotp % Rabbiners zu Obersitzko, ist nach längerem, schweren Leiden nach zurückgelegtem 60. Lebensjahre aus unserer Mitte geschieden, wenige Monate nach dem ebenfalls in diesen Blättern erwähnten Hinscheiden ''einer edlen Schwester, der Frau Johanna Jaffö.! ist nicht zuviel gesagt mit der Behauptung, daß er fast der Einzige war, der das Panier der Thora hier energisch ausrecht erhielt, denn in den 37 Jahren, während deren er unserer Gemeinde angehörte, lag er keiner anderen Thätigkeit ob, als dem Studium der Thora. Schon in frühester Jugend wurde er von seinem Vater zu diesem Studium angehalten, das er als seinen Lebensberuf auffaßte und unermüdlich fortsetzte, so daß er, da seine Verhältnisse ihm gestatteten, seiner Neigung gemäß zu leben, buchstäblich das Gebot befolgte odv d n^ni n^i. Wer in das rviivn n'a trat, konnte sicher sein, ihn mit Lernen beschäftigt zu finden, wenn er nicht etwa in seiner Wohnung war, wo er gleichfalls bis in die späte Nachtzeit dieser heiligen Beschäftigung oblag. Er war es, der die Dnw zwischen y'-yzh nnJD und an den Nachmittagen einsührte oder doch reorganisirte, da er seiner hervorragenden Talmudkenntniß wegen fast alle v'-ivH um sich zu schaaren verstand, vor denen er sein reiches Wissen entfaltete. Auch in der blühendsten Zeit des Judenthums konnte ein solcher Mann ein Tnn ins genannt werden, da von ihm das Wort galt, wie wohl nur selten von jemand: pde vb jtöidö «Diu. Daß er auch an Character und n*n» D’Dff, sowie an Wohlthätigkettssinn ein nachahmenswerthes Vorbild war, ist eigentlich hinzuzufügen überflüssig; was das Letztere betrifft, so fanden namentlich unsere Glanbensbrüder aus Polen, wenn sie d'jui waren, bei ihm bereitwillige Stütze und freundliches Entgegenkommen. — Die Beerdigung fand unter überaus starker Betheiligung der Gemeindemitglieder statt. Zuvor wurde der pi8 in das BTva gebracht, in welchem der Entschlafene fast den größten Theil seiner Zeit mit Thorastudium zubrachte, und einer seiner Söhne, ein Hörer des Rabbinerseminars zu Berlin, hielt tiefbewegt eine Ansprache an die zahlreiche Trauerversammlung. Darauf sprach auf dem Friedhofe an der Bahre der Rabbiner Herr Dr. Feilchenfeld ergreifende Worte, worin er die Liebe des Verewigten zur Thora schilderte und die Mahnung aussprach, dessen Andenken zu ehren dadurch, daß man sich bestrebe, ihm nachzueifern. Möge v,tpn der gebeugten Wittwe und den Kindern Trost und Kraft zur Ertragung des herben Schmerzes verleihen. Oesterr. Ungar. Monarchie. Wien, 13. October. Der Antisemit Schneider wurde dabei ertappt, wie er während der Sitzung des Abgeordnetenhauses auf den Stimmzetteln, die zur Wahl eines Ausschußmitgliedes aus den Plätzen ausgelegt waren , den Nonien des kandidirenden Liberalen durch den des Antisemiten ersetzte. Präsident Ehlumecky stellte ihn scharf zur Rede, was Schneider ruhig einsteckte. Lemberg, 2. Oct. Die Direction der Wechselseitigen Brandschaden-Versicherungs-Gesellschast in Krakau hat einen Complex von Gütern, den sie im Podhajcer Bezirke erworben, auf zwanzig Jahre an zwei Juden verpachtet. In Folge der Agitation einiger Mitbewerber um den Pacht erhob sich nun ein Sturm von Protesten gegen dieses „unpatriotische Gebühren" der Direktion eines vaterländischen Instituts. Die polnischen Blätter, Adelversammlungen und sogar Bezirksvertretungen überbieten einander in Ausdrücken der Entrüstung und verlangen, daß der Aufsichtsrath die Vereinbarungen der Direktion für ungiltig erkläre. Selbst Jene, welche zugeben, daß die genannte Gesellschaft durch den Pachtvertrag ein sehr gutes Geschäft macht, wollen dessen Annullirung im Interesse der „nationalen Würde". Der Dziennik Polski schreibt: „So hat denn unsere Bürgerschaft zum erstenmale deutlich und nachdrücklich die