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Der Israelit · 1891-10-28 · Heft 83-84 (28.10.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 83-84 (28.10.1891)
Date
1891-10-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Zweite jSeilnge j« M 83 *, 84 iw* „Israelit r-Ieschurun" Zeitungsuachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 20. October. Heute begann hier eine von dem geschäftsführenden Ausschuß des deutschen Central-Comites für die russischen Juden einberufene, sehr zahlreich besuchte Vertrauensmänner-Versammlung aus Deutschland und dem Ausland ihre Berathungen. Vertreten sind Nord-Amerika, Frankreich, Dänemark, Holland, Oesterreich und Ungarn, ferner alle größeren Städte Deutschlands. Die Versammlung wählte zu Präsidenten: Justizrath Meyer-Berlin, Dr. Goldmann- New-Iork, Lob-Paris, Dr. Stern-Wien und Simonson- Kopenhagen; zum stellvertretenden Präsidenten: Kommerzienrath Goldberger-Berlin; zu Schriftführern: Karl Emil Franzos-Berlin, Rechtsanwalt Breslauer-Berlin, Dr. Goldzieher-Budapest, Dr. Bamberger-Königsberg. Eine Eröffnungsrede des Vorsitzenden leitet die Grundzüge der bisherigen Thätigkeit ein. Berlin. Höchst unerfteuliche Enthüllungen hat der Prozeß Manche in Berlin gebracht. Der ganze Prozeß hat ein Bild schmählichen Schachers mit Titeln und Orden, welcher vollständig bandenmäßig betrieben wurde, entrollt. Der antisemitische Rector Ahlwardt, der nachher den traurigen Muth hatte, die denuncirende Broschüre zu schreiben, hat die titel- und ordenssüchtigen Personen zu dem Agenten Aron Meyer geschleppt, der sie zu Hofrath Manche führte; in den Gewinn theilten sich dann die drei Herren. Fabrikbesitzer Thomas, welcher an Manche 30000 M. für einen Kommerzienrathtitel gab, hat diesen nicht erhalten, aber später den Kronenorden. Thomas hat als Zeuge eidlich ausgesagt, daß Rector Ahlwardt, der von ihm kleinere Summen auf Wechsel borgte, eine Anzahl von Mitbürgern zu einer Eingabe veranlaßt habe, aus Grund deren die Verleihung des Kronenordens an ihn erfolgt sei! Ganz nebenher ist durch einen Agenten Louis Cohen als Zeugen unter dem Eid bekundet worden, daß er seiner Zeit Agent des Staatsminifters a. D. Bitter gewesen sei! Der Minister habe sich in Wucherhänden befunden und zur Auseinandersetzung mit den Wucherern des Zeugen Hilfe benutzt. Minister, Bitter habe sich, als er nicht mehr tm Amte war, auch vielfach mit der Vermittelung von Titeln und Orden beschäftigt und zu diesem Zwecke auch mehrfach Gelder zugewiesen erhalten. Berlin, 17. October. Zum Prozeß Manche- Meyer veröffentlicht die „Staatsbürger-Zeitung" eine lange Erklärung des Antisemitenführers und Rectors Ahlwardt, der die „Post" folgende seltsamen Behauptungen dieses eigentlichen Urhebers des Prozesses entnimmt: „Es hätte sich dann (wenn seine Vernehmung erfolgt wäre) ergeben, daß ich von dem Gelde des Herrn Thomas niemals einen Pfennig erhalten, noch beansprucht habe. Es hätte sich ferner herausgestellt, daß ich niemals einen Pfennig erhalten noch beansprucht habe. Es hätte sich ferner herausgestellt, daß ich niemals mit Herrn Meyer und Thomas zusammen irgendwo, am allerwenigsten in den Reichshallen gewesen bin. ... Der Angeklagte Meyer aber — und das ist der springende Punkt — hat sich fteiwillig geopfert, indem er der Wahrheit zuwider bekannte, die 500 M. von Thomas erhalten zu haben, um erstens Herrn Manche zu entlasten, zweitens mich zu beschuldigen. — Eine Frage an Herrn Thomas würde auch hierüber Aufklärung geschafft haben, nämlich: ob Herr Thomas mit Herrn Manche über die Ablieferung der 5000 M. gesprochen und letzterer den Empfang derselben bestätigt habe; sowie ob Herr Meyer nicht Herrn Thomas selbst erklärt habe: „Manche hat mir nur 2000 M. abgegeben." Meyer ist unschuldig und hat die Strafe auf sich genommen, um seinem Stammesgenossen zu nützen und dessen Feinden zu schaden. Die Handlung zeigt, welcher Aufopferung ein Jude im Interesse seines Volkes fähig ist." Es ist nicht unsere Sache, bemerkt die „Post" dazu, uns über den Werth dieser eigenthümlichen Erklärnng auszulassen, um so weniger, als Herrn Ahlwardt in der Berufungsinstanz sicher Gelegenheit gegeben wird, seine Behauptungen vor Gericht zu wiederholen. Hamburg, 13. Oktober. Mit dem „Desterro" sind 156 Kolonisten nach den Baron Hirsch'schen Kolonien in Argentinien abgegangen. An Bord des Schiffes befand sich auch Herr Oscar Wolff, welcher von Baron Hirsch dazu designirt ist, die kommunalen Angelegenheiten der Kolonie zu ordnen. Herr Wolff war bisher Mitglied der kaiserlich deutschen Schutztruppe in Ostafrika unter Major Wißmann. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Aus Ungarn, 9. October. Es ist eine höchst sonderbare Erscheinung, die wir hierzulande in Bezug auf Respektirung der Gewiffensfteiheit der Israeliten wahrnehmen können. Während unsere Neologen — so nennen sich die Nichtorthodoxen — und die aus ihrer Mitte sich rekrutirenden Männer, die Sitz und Stimme in der Gesetzgebung haben, Alles daran setzen, um die gesetzestreue Judenheit durch den Staat in eine „einheitliche Organisation" hineinzwingen oder mit anderen Worten, unter ihre Botmäßigkeit bringen zu laffen, sich andersgläubige, vom Gefühle der Gewissensfreiheit durchdrungene, hochgestellte Männer veranlaßt sehen, der seit23Jahren bestehenden Autonomie der Orthodoxen das Wort zu reden. Einer dieser hervorragenden Männer, deren das ganze orth. Judenthum ewig mit warmem Dankgesühle gedenken wird, ist der ausgezeichnete Parlamentarier und berühmte Gelehrte Johann v. Asboth, Reichstagsabgeordneter von Szaßkabanya. Dieser treue Wächter der Gewiffensfteiheit, der wegen seiner erfolgreichen, ewig denkwürdigen Rede in der Reichstagssitzung vom 31. Januar 1890 seither von Seiten unserer, sich aufgeklärt dünkenden Brüder schon so manches schöne Prädikat erhielt, hat in seinem Rechenschaftsberichte vom 1. d. auch seiner Thätigkeit bezüglich

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