Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 83-84 (28.10.1891)
- Date
- 1891-10-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448199--33006-2480878- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1569 London. Wiederholt schon haben wir aufmerksam gemacht auf den herzlosen Schwindel, der gegen die russischen Juden in London geübt wird. Kaum haben die unglücklichen Leute den englischen Boden betreten, so werden sie von betrügerischen Wohnungs-Vermiethern ausgebeutet, die die Unerfahrenheit der Fremdlinge benützen, um unter der Maske der Freundschaft und des Mitleides ihre eigenen Taschen zu füllen. Es ist ein Schandfleck für England, daß das so lange möglich war. Ein improvisirter Unterstützungsverein ist auf dem besten Wege diesem Uebel abzuhelfen. Dank der Freigebigkeit des Lord Rothschild und der Damen A. Franklin und H. Landau war es dem Comit« des Vereines möglich, einen Beamten zu engagiren, dessen Pflicht es ist, bei der Ankunft eines jeden Schiffes, das russische Auswanderer an Bord führt, gegenwärtig zu sein, ob dieses nun bei Tag oder Nacht ankomme, und den Auswanderern mit Rath und That an die Hand zu gehen. Unbemittelte werden auf Kosten des UnterstützungsvereineZ untergebracht, Bemitteltere erhalten für ein geringes Entgelt Kost und Quartier bei jüdischen Familien: solche, die Freunde und Bekannte in London haben, werden an die richtige Adresse geleitet. Sir Edward Bradford, der Ober-Polizei-Commisiär, hat angeordnet, daß dem neuen Beamten das größte Entgegenkommen zutheil werde und hat ihm das Themseboot zur Verfügung gestellt. Bedauerlich ist nur, daß die jüdische Gemeinde dem Verein bislang so wenig entgegenkommt. Die Mittel, die ihm zur Verfügung gestanden, sind erschöpft und die Sache der Gemeinde wäre es nun, neue zu beschaffen. Vermischtes. Elberfeld, 7. Oct. Der hiesige Schneider E. Seiz, der Hauptagitator und Führer der hiesigen Antisemiten, wurde dieser Tage von der Strafkammer des Landgerichts wegen Verletzung des § 266 II R.-Str.- G 'B. (Veruntreuung) zu einer Gefänguißftrafe von vier Wochen verurtheilt. S. hatte Geld, welches er einer Wittwe K. abzulicfern hatte, zu seinem eigenen Vermögensvortheil verwendet. Als strafmildernd wurde der Umstand in Erwägung gezogen, daß S. die fraglichen Wechsel später selbst eingelöst hat, der Wittwe also weiter kein Nachtheil erwachsen ist. In Kchteuhrngcn begingen die Prager'schen Eheleute am 1. October das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Lemberg. Herr Ministerialrats) v. Korytowski, Ehef des Finanzministerium, ist hierher versetzt worden, wo er an die Spitze der Finanzverwaltung für Galizien treten wird. Diese Ernennung wird für die jüdische Bevölkerung des Landes von großem Vorthcil sein, denn Herr Korytowski, welcher große Sympathien für die Juden hat, ist mit deren Verhältnisse aus persönlicher Berührung sehr vertraut; er spricht ihren Jargon, > als wenn er in demselben Cheder unterrichtet worden wäre, um, was immer erfreut, sich amtlich mit jüdischen Bittstellern aus Galizien in deren Sprache unterhalten zu können. Die Fertigkeit, mit welcher er jüdisch spricht, hat die Leute oft in Erstaunen gesetzt, Paris. Dank der Opferwilligkeit der bekannten Kunsthändler Brüder To des co wurde unmittelbar vor den hohen Feiertagen in der Avenue Malakoff eine kleine Synagoge eröffnet. Die Synagoge wird eine große Wohlthat für die allerdings nicht zahlreichen Juden sein, welche in dem Viertel der Avenue du Bois de Bologne wohnen, da dieses Viertel sehr weit von den Gemeindesynagogen entfernt ist. London. Für die russischen Inden zeichnete Rothschild 10,000, Goldschmidt 3000 und Montagu 2000 Lstr. Wochen - Kalender. Freitag, 30. Oktober, 28. Tischri. Sabbat-Allfang 4 Uhr 15 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 31. Oktober, 29. Tischri. n'TDD Sabbat-Ausgang 5 Uhr 25 Min. (Mainzer Uhr.) Sonntag» 1. November, 30. Tischri. n"Vl 'H Dl*. Montag, 2. November, 1. Cheschwan. n"*Yl '3 Dl’. Briefkasten der Redaktion. S. in Nürnberg. Wir bitten um freundliche Angabe Ihrer Adresse, um Ihnen ausführlich zu antworten. Druckfehler-Berichtigung in Dr. 81 u. 82. Seite 1541. 2. Spalte, 1. Zeile von oben statt „himmlische Gruß" lies „sinnliche Genuß." Seite 1541. 2. Spalte, 17. Zeile von oben statt «das eine Seligkeitsgefühl" lies „das reine Seligkeitsgefühl." Seite 1541. 2. Spalte, 20. Zeile von unten noch „im Kampfe ums Dasein". Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Es sei hiermit vor einem rasfinirten Schwindler gewarnt, der eine der heiligsten Gebote, n?’D mSD, zur Verübung seiner Schwindeleien mißbraucht. Derselbe neust sich Blumenfeld, gibt vor Circusbesitzer zu sein rc. rc. Bereits vor ca. lT/« Jahren gab er an, daß ihm ein Knabe geboren sei, den er beschneiden zu lasten wünsche, seine Frau liege in größtem Elend und mit Hunger kämpfend, im CircuSwagen ca. 2 Stunden von der Stadt entfernt, — er nannte gleichzeitig mehrere Herren als D’TWD, mehrere andere als D'jTUD und ließ sich überall sofort etwas Geld, Kinderzeug u. s. w. geben, und war dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Der Schwindel kam zu Tag, als die D'pIUQ sich einige Tage vor dem Tage der Beschneidung auf den Weg machten, um sich von dem Gesundheitszustand des Kindes zu überzeugen. Ein solches, sowie Mutter, Circus u. s. w. war überhaupt nie vorhanden gewesen. Jetzt hat derselbe Mensch den gleichen Schwindel in Itzehoe in Holstein gemacht; aus Einladung, eines dortigen bekannten Glaubensgenossen, war am n*b*u Dill ein Hamburger ^riiD dahingesahren. Als er bei der Ankunft den angeblich weit von der Stadt entfernten Aufenthaltsort der Familie aussuchen wollte, stellte sich heraus, daß weder Mutier noch Kind vorhanden gewesen waren. Auch in diesem Fall hatte sich der angebliche Vater sofort Geld und Geldeswerth geben lasten. Der UniD mußte also unverrichteter Sache wieder heimkehren.